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Schauspiel

«May You Live In Interesting Times» war das Motto der letzten Biennale in Venedig. Jedes Mal, wenn ich am Ausstellungskatalog auf meiner Fensterbank vorbeistreife, bleibe ich nachdenklich stehen und bemerke, wie sich die Bedeutung dieses Satzes durch die Erfahrungen der letzten Wochen für mich immer weiter und weiter verschoben hat. Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Dinge stillstehen und sich gleichzeitig radikal verändern. Eine Zeit, in der Lebenskonzepte angepasst und soziale Fragen neu gestellt werden, in der wir uns auf mehr Distanz einstellen, Grenzen abrupt geschlossen werden können und Mobilitätskonzepte neu aufgestellt werden müssen. Diese Zeit fordert uns alle heraus und stellt natürlich auch das Theater vor neue Aufgaben. Gerade in seiner Funktion als Ort der Zusammenkunft. Wir glauben an die Chance, die in einer solchen Situation liegt, und wollen mit Ihnen gemeinsam Dinge wieder- und neuentdecken. Kern unserer Arbeit in Luzern ist die Suche nach Vergemeinschaftung und neuen Formen der Zusammenarbeit. Egal ob bei uns im Team oder mit Partnern aus der Stadt. Vor genau drei Jahren hat sich hierfür eine Gruppe aus Künstlern, Kuratorinnen und Dramaturgen zusammengeschlossen, um ein Stadttheater für Sie zu gestalten. Mit vielen Ideen und dem Anspruch an ein (welt-)offenes Theater im Gepäck sind wir aus allen Himmelsrichtungen dafür zusammengekommen: aus Griechenland, Estland, Ungarn, Italien, Österreich, Belgien, Deutschland und der Schweiz. Seitdem arbeiten wir an einem Programm, das zwischen lokalen Themen und internationalen Phänomenen eine Brücke schlägt. Wir haben im Team viel diskutiert, wie wir auf diese Zeit reagieren wollen. Wir haben zum Teil neue Pläne entwickelt und vor allem Abläufe angepasst. So wollten wir die neue Spielzeit mit einem grossen Fest beginnen, bei dem Thomas Verstraeten zusammen mit Luzerner Fastnachtsvereinen die Altstadt für einen Tag im August in einen Themenpark verwandeln sollte. Da dies derzeit nicht möglich ist, haben wir das Fest nun ans Ende der Spielzeit verschoben.

Auch an vielem anderem haben wir festgehalten und mit Interesse bemerkt, dass sich einige Stoffe neu mit Bedeutungen aufgeladen haben: Die Auseinandersetzung mit Tschechows «Kirschgarten», einem Stück über gesellschaftliche Umbrüche und ihre psychologischen Folgen, durch das Regieduo Christos Passalis und Angeliki Papoulia wird vielleicht dringlicher als zuvor wirken. Franz von Strolchen wird sich in «TELL» mit den wahren Helden unserer Zeit beschäftigen, und das Regieduo Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo wird den gesellschaftlichen Stellenwert von Kunst spielerisch untersuchen. Denn was würde eigentlich passieren, wenn es wirklich keine Kunst mehr gäbe? Christophe Meierhans beschäftigt sich mit einem der brennendsten Themen und lädt zu einer Bürgerversammlung über das «Klima» in die «Box». Und mit Elena Ferrantes «Meine geniale Freundin» holen wir die Geschichte zweier in Neapel aufgewachsener Frauen auf die Bühne. Ein Wahnsinnswerk, das die Geschichte Italiens nach dem Krieg bis heute anhand des konkreten Schicksals der beiden Freundinnen einfängt und in den letzten Jahren die Nachttische dieser Welt erobert hat. Ausserdem kooperieren im Dezember zum ersten Mal der FC Luzern und das LT und spielen eines der wichtigsten Spiele der Vereinsgeschichte mit nur zwei Schauspielern nach. Ein einmaliges Fussball-Theater-Erlebnis in derSwissporarena. Ziehen Sie sich warm an und seien Sie dabei! Denn das Wichtigste im Theater ist und bleibt sein Publikum. In diesem Sinne blicken wir zuversichtlich nach vorne und freuen uns sehr auf die neue Spielzeit und auf ein baldiges Wiedersehen!

Ihre Sandra Küpper und das gesamte Schauspielteam