Bushra El-Turk

Komponistin

Die 1982 in London geborene, britische Komponistin Bushra El-Turk schreibt Musik, die unmittelbar, lebendig und theatralisch ist. Ihre Klangwelt pulsiert von der Kollision und Verschmelzung vielfältiger Traditionen – der nahöstliche Maqam verwebt sich mit modernistischen Texturen, Improvisation durchbricht und formt die Notation neu, und die Grenzen zwischen Konzertsaal, Bühne, Live-Performancekunst und der weiteren Welt lösen sich in kühne, kompromisslose Erzählungen auf. Jedes Werk trägt ihre unverwechselbare Handschrift: tief verwurzelt in ihrem libanesischen Erbe und zugleich furchtlos experimentierend, gesellschaftliche Normen hinterfragend und Geschichten sichtbar machend, die allzu oft zum Schweigen gebracht werden. Bushras Musik zu erleben heisst, einen aufgeladenen Raum zu betreten – roh, eindringlich, intim und transformativ.

Von der BBC als eine der inspirierendsten «100 Women» der Gegenwart ausgewählt, wurden ihre Werke unter anderem vom London Symphony Orchestra (Dirigent: Sir Simon Rattle), bei den BBC Proms, vom BBC Symphony Orchestra, am Royal Opera House, von der London Sinfonietta, der Manchester Camerata, Opera Holland Park, dem National Opera Studio, dem Orchestre de Chambre de Paris, dem Latvian Radio Choir, dem Atlas Ensemble (Niederlande) sowie von der Perkussionistin Vivi Vassileva, der Mezzosopranistin Wallis Giunta und dem Flötisten Wissam Boustany aufgeführt. Die Aufführungen ihrer Werke fanden an renommierten Spielstätten und Festivals statt, darunter das Lincoln Center (New York), Porgy and Bess (Wien), das Wiener Konzerthaus, die Wiener Festwochen, das Aldeburgh Festival, das Musikprotokoll Festival (Graz), das Norwich and Norfolk Festival, das Helsinki Festival (Finnische Nationaloper), die Deutsche Oper Berlin, die Opéra de Montpellier, das Théâtre du Châtelet (Paris), die Bridgewater Hall (Manchester), die Birmingham Symphony Hall, die Wigmore Hall, die Cadogan Hall sowie das Southbank Centre und das Barbican (London).

2017 schloss Bushra El-Turk an der University of Birmingham eine durch den AHRC geförderte Promotion (PhD) in Komposition unter der Betreuung von Michael Zev Gordon ab, in der sie die Integration nahöstlicher und westlicher Kunstmusik erforschte. 2006 hatte sie ihr Kompositionsstudium an der Guildhall School of Music and Drama in London abgeschlossen.

Bushra hat bislang drei Opern komponiert – zwei davon mit Frauenschicksalen im Zentrum: «Silk Moth» (2015) über sogenannte «Ehrenmorde» (ausgezeichnet 2016 mit dem True Honour Award) sowie «Woman at Point Zero Opera» (2021/22), eine Auftragsarbeit von LOD Musiktheater, uraufgeführt im 2022 beim Festival d’Aix-en-Provence und 2023 im Rahmen des All Arias Festival und am Royal Opera House London. «Woman at Point Zero» erhielt 2020 den Fedora Prize for Opera Innovation, 2023 den Music Theatre Now Prize sowie den renommierten Ivor Novello Award für die beste Bühnenkomposition. Zuletzt wurde die Oper bei den Wiener Festwochen aufgeführt, wo Bushra El-Turk im 2024 als eine der Komponistinnen der Akademie Zweite Moderne mit dem Klangforum Wien vertreten war. Ihre dritte Oper «OUM – A Son’s Quest for his Mother» wurde von der Dutch National Opera für das Opera Forward Festival 2025 in Auftrag gegeben und befindet sich derzeit auf Tournee.

Zu ihren aktuellen und kommenden Projekten zählen ein Auftragswerk für das Luzerner Theater im Rahmen von Lucerne Festival im August 2026, ein Cellokonzert für die Schwetzinger SWR Festspiele für den Cellisten Lionel Martin, ein Auftrag der European Concert Halls Organisation (ECHO) mit einer Tour durch zwanzig grosse Konzerthäuser Europas sowie eine kommende Bühnenadaption von «Ka» für Solo-Schlagzeug und Streicher in Zusammenarbeit mit dem Choreografen Wayne McGregor an der Royal Ballet and Opera in London. Bushra El-Turk ist ausserdem künstlerische Leiterin des Ensemble Zar.

Bushra El-Turk