Lucia di Lammermoor

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Luzerner Theater

Lucia di Lammermoor

Dramma tragico in zwei Teilen von Gaetano Donizetti
Text von Salvatore Cammarano, nach Sir Walter Scott
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere: 18. Dezember 2011

«Sex and Crime» galten auch in der Gattung Oper von Beginn an als sicherste Garantien für einen Erfolg. So griff Salvatore Cammarano, als er 1835 für den Komponisten Gaetano Donizetti ein zu vertonendes Libretto verfassen musste, auf den schaurig-romantischen Roman «The Bride of Lammermoor» (1819) von Sir Walter Scott zurück, der zuvor schon mehrfach für die Bühne entdeckt worden war.

Lucia liebt heimlich Edgardo, den vertriebenen Erben von Schloss Ravenswood. Ihr Bruder Enrico, der sich diesen Besitz auf illegalem Weg beschaffte, verfolgt den verhassten legitimen Nachfahren und zwingt seine Schwester zu einer Ehe mit dem ungeliebten, aber reichen Verehrer Arturo. Lucia, zerrissen zwischen innerer Sehnsucht und äusserem Handlungsdruck, flüchtet sich in Traumwelten. So kommt es im Laufe der Hochzeit zur Katastrophe …

Cammarano entwickelte aus der dramatischen Abhängigkeit der drei Hauptfiguren extreme Leidenschaften, die er in geschlossenen Einzelbildern szenisch wirkungsvoll ausformulierte. Donizetti nutzte diese düstere Tragödie der verfolgten Unschuld, um das Faszinosum des virtuosen Schöngesangs dramaturgisch zu begründen: Von Beginn an übernimmt die Protagonistin eine gesellschaftliche Aussenseiterrolle, die schliesslich in der zu Recht berühmt gewordenen Wahnsinnsszene gipfelt. Mit «Lucia di Lammermoor» feierte der Komponist einen der grössten Triumphe seines Lebens. Noch heute gilt die Oper als ein meisterhaftes Paradebeispiel des Belcanto.

Lesen Sie hier den Vorbericht in der Neuen Luzerner Zeitung.

PRESSESTIMMEN

«Düster, fast gespenstisch ist schon die Anfangsszene mit dem aufsteigenden Nebel, bedrohlich der erste Auftritt der mafiosen Gestalten Normanno, Enrico und Raimondo, die darüber beraten, wie sie durch die Zwangsverheiratung Lucias mit Arturo den verhassten Nebenbuhler Edgardo eliminieren können. Mit einfachen Mitteln viel Wirkung erzielen, das ist man sich von Werner Hutterli gewohnt und beweist sich auch hier wieder.
Der ausweglose Raum wird umsäumt von lichtdurchlässigen Vorhängen und einer herabhängenden, wandelbaren Draperie, während die Bühne sich über zwei Stufen mit bald streng aneinandergereihten, bald wild durcheinandergeratenen Stühlen nach hinten erstreckt. Angesichts der düsteren Atmosphäre stellt sich jenes Milieu der Unterdrückung und der Intrigen ein, in dem Lucia sich gegen eine Männergesellschaft auflehnt und daran zerbricht. (…) Auf alle Fälle gelingt es der Regisseurin, oft fast wortwörtlich die Handlung zu erzählen und zwischen den einzelnen Tableaus glaubhafte Zusammenhänge und Übergänge herzustellen. (...) Der Chor greift kaum direkt in die Handlung ein, sodass man sich sehr wohl mit dem reinen Gesang begnügen kann, umso mehr, als Chor und Extrachor am Premierenabend sehr dynamisch und kompakt klangen (Einstudierung: Lev Vernik). Lucia di Lammermoor wird immer wieder mit der Wahnsinnsszene und den jeweiligen Primadonnen, die darin brillieren, assoziiert. Leicht geht dabei vergessen, dass es auch ein Sextett gibt und eine Tenorarie (die Abschiedsarie des Edgardo), die zu den schönsten Belcanto-Perlen gehören. Gesanglich zählten gerade diese Nummern zu den stärkeren Momenten der Aufführung. Vor allem der südkoreanische Tenor Carlo Jung-Heyk Cho, neues Ensemblemitglied, verfügt nicht nur über eine bemerkenswerte Belcanto-Technik, sondern setzt seine schöne Stimme auch ganz im Sinne der dramatischen Szene ein. Gleiches lässt sich vom andern Neumitglied, dem Amerikaner Todd Boyce, sagen, der als Edgardos Widersacher Enrico über den kultivierten Gesang hinaus eine interessante Charakterfigur auf die Bühne stellt.»
Neue Luzerner Zeitung, 20.Dezember 2011 

«Das Glück beginnt im Orchestergraben. Dort steht zum ersten Mal James Gaffigan, der neue Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters. Famos, wie straff er das Orchester führt, wie die bisweilen klischierten Stimmungen, die «schauerlichschönen», eine Natürlichkeit erhalten, wie selbst banale Begleitfiguren dramatischen Gehalt gewinnen. Darauf kann das Ensemble bauen. Höhepunkt wird das Duett von Todd Boyce (Enrico) und Carlo Jung-Heyk Cho (Edgardo). Auch Arturo (Utku Kuzuluk), Normanno (Robert Maszl) oder Raimondo (Patrick Zielke) fallen in dieser Produktion überhaupt nicht ab. Und alle zusammen - aber vor allem Khori Dastoor - spielen leidenschaftlich. Die junge norwegische Regisseurin Susanne Øglænd verlangt den Sängern einiges ab. Sie erzählt die Handlung stringent und lässt ihrer Fantasie trotzdem freien Lauf. (…)  In Werner Hutterlis von Vorhängen geprägtem Bühnenbild stecken fantastisch-theatrale Wendungen, die zeigen, wie bös unserer Lucia ihr kurzes Leben lang mitgespielt wird.»
Aargauer Zeitung, 20.Dezember 2011 

«Fast leer ist die von Werner Hutterli im Luzerner Theater gestaltete Bühne für Gaetano Donizettis Oper «Lucia di Lammermoor». Ein Aufbau mit Stufen, in die Tiefe gestaffelte transparente oder auch feste Vorhänge, eine Reihe von Stühlen. Mit schier unheimlicher Schärfe entstehen darin indes die psychologischen Räume, in denen sich das Drama entfaltet. Es ist ein höchst modernes Drama: Eine Frau zerbricht in einer von Männerhierarchien bestimmten Gesellschaft, weil sie ein selbstbestimmtes Leben führen will.
Die Modernität steckt schon in Donizettis 1835 entstandener Musik. Die Regisseurin Susanne Øglænd  hört intensiv in sie hinein und macht die psychischen Energien sichtbar. Das tut sie mit einer äusserst raffinierten Personenführung. Die Einfachheit der Bühne ermöglicht ihr in den Übergängen eine Flexibilität sondergleichen; filmische Darstellungsmittel wie Vor- und Rückblende, Zeitgleichheit, Schnitt oder Überblendung kommen zum Einsatz. Nahtlos folgt Bild auf Bild. Geradezu unheimlich, wie Oglxnd im ersten Teil die Logik des Dramas emotional und psychisch zuspitzt. Stark, wie sie den von Lev Vernik exzellent vorbereiteten Chor einsetzt. Der zweite Teil wird dann üppiger. Farben kommen auf die Bühne, auch in den Kostümen der Hochzeitsgesellschaft (Gunna Meyer), die seltsam mit dem sonst mafiösen Milieu kontrastieren. Ein langer Tisch wird aufgebaut. Aus der Verdichtung entwickelt Øglænd  Reizbilder. Auch Zitate: die blutüberströmte Lucia als Jeanne d'Arc, als Schmerzensfrau oder im Zentrum von da Vincis «Abendmahl». Die Bilder packen, weil sie immer zur Musik hinführen. (…) Eine so differenziert auf den Personen aufbauende Inszenierung verlangt nach schauspielerisch brillanten Sängerinnen und Sängern, und in dieser Hinsicht war die Amerikanerin Khori Dastoor als Lucia eine Idealbesetzung. Die Intensität ihrer Darstellung war schlicht einmalig. (…) Ganz anders bringt der südkoreanische Tenor Carlo Jung-Heyk Cho als Edgardo die italienische Sprache zum Klingen, und seine farbige Gestaltung ist ein Genuss. (…) Überzeugend Todd Boyce als Ashton, Patrick Zielke gab einen prächtigen Raimondo, Robert Maszl einen höchst intriganten Normanno. Sein Debüt am Luzerner Theater gab James Gaffigan, der neue Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters. Er legte gerade die moderne psychologische Dimension von Donizettis Partitur auf überzeugende Weise frei und führte mit einem sicheren Timing durch den Abend.» 
Neue Zürcher Zeitung, 21.Dezember 2011

«Carlo Jung-Heyk Cho besticht mit einer perfekt sitzenden Stimme. Sein Tenor drückt Schmerz, Enttäuschung, Wut und natürlich Liebe mit farbenreichem, wunderschönem stimmlichen Schmelz aus. Todd Boyce gibt dessen smarten Gegenspieler Enrico mit herrlich strömendem, virilem Bariton, mag bereits in der Auftrittsarie Cruda funesta smania und der anschliessenden Cabaletta ausserordentlich zu gefallen und lässt die Auseinandersetzungen mit seiner Schwester und Edgardo zu vokalen Ereignissen werden. Patrick Zielke ist ein darstellerisch und stimmlich überragender Raimondo. Dieser junge Bass verströmt puren Wohllaut, imposant präsentiert er seine sonor und kraftvoll strömende, sauber geführte Stimme. Der Arturo ist mit dem stets betörend eindringlich singenden Utku Kuzuluk geradezu luxuriös besetzt. Robert Maszl vermag selbst der keinen Rolle des Normanno gewichtiges Profil zu verleihen, als Mann fürs Grobe für seinen Kumpel Enrico. Caroline Vitale beglückt mit warmem Timbre als fürsorglich-strenge Alisa. Und last but not least ist da noch die tragische Titelheldin. Khori Dastoor spielt diese quer in der sie umgebenden faschistoiden (Enrico, Normanno, Raimondo) oder verstört pseudo-romantischen (Edgardo) Männerwelt stehende Frau, welche sich nur durch einen Mord und den eigenen Tod daraus befreien kann, mit beklemmender Intensität. Wie sie sich mechanisch wie eine aufgezogene Puppe bewegt oder sich in irrem Wahn als Freiheitsheldin sieht, ist ganz grosse Darstellungskunst. Ihr stimmliches Timbre passt dazu hervorragend : Bein ersten Anhören mag es gewöhnungsbedürftig sein und Stimmfetischisten leicht befremden – und doch hat es etwas Geheimnisvolles und Berührendes. Technisch meistert sie die Schwierigkeiten souverän, beweist in den Koloraturen der Wahnsinnsarie im Duett mit der Flöte einfühlsame Flexibilität und attackiert die Höhen mit Verve.»  
oper-aktuell.info, 23.Dezember 2011

« So war neben dem auch stimmlich sehr präsenten Robert Maszl als Normanno vor allem Todd Boyce als Enrico der sängerische Lichtblick der Produktion: Sein gut sitzender, heller Bariton verfügt über klare Kontur und spannte die Phrasen mit sicherem Legato.»   
Das Opernglas, Februar 2012