Unser Theater

In den drei Sparten Oper, Schauspiel und Tanz werden diese Spielzeit 22 Produktionen herausgebracht. Diese werden überwiegend im Theater, aber auch in der «Box», im Südpol, im Figurentheater (überwiegend Gastgruppen) sowie in und vor der Jesuitenkirche aufgeführt. Mitsamt dem Rahmenprogramm kommt das Luzerner Theater auf über 350 Vorstellungen pro Spielzeit. Diese werden von rund 100'000 Zuschauerinnen und Zuschauern jährlich besucht, die zu zwei Dritteln aus dem Kanton Luzern stammen.

Das Luzerner Theater wurde im Herbst 1839 mit Schillers «Wilhelm Tell» eröffnet und verfügt inzwischen über 481 Plätze.

Pro Spielzeit zählt das LT knapp 400 Mitarbeitende in ca. 300 Vollzeitstellen. Diese sind je zur Hälfte im künstlerischen Bereich (inkl. künstlerische Leitung, Ensemble, Chor, Dramaturgie, Marketing) und im technischen/administrativen Bereich (inkl. Werkstätten, Bühnentechnik, Beleuchtung, Ton, Requisite, Maske, Kostümabteilung, Verwaltung, Billettkasse) tätig.

Die «Box»

Kennen Sie das «Fröhliche Reich des Schein und Spiels»? Schiller beschrieb damit einen Raum und einen Ort, in dem die Kräfte und Nöte der Gesellschaft und der Natur im Moment des Kunsterlebens aufgehoben sind. 

Die im Sommer 2016 neugebaute «Box», finanziert durch private Gönner Luzerns, kann so ein «Fröhliches Reich» sein, denn sie verändert die bisherige Stadtstruktur, schafft neue Blickachsen, wird durchlässig zur Fussgängerzone an der Reuss und zum Wochenmarkt, kann in ungewöhnlichen Zuschauer- und Bühnensituationen bespielt werden. Auf fünf Jahre begrenzt, versammelt sie die Stadt- und Kantonsöffentlichkeit und wird ein theatraler Umschlagplatz für Meinungen, Haltungen und Themen unserer Gegenwart und ein Markt der Ideen und Möglichkeiten. Sie schafft Anlass, sich zu begegnen, Theater zu schauen und darüber zu reden oder einfach nur auf einen Kaffee zu verweilen.

Der Theaterplatz bekennt Farbe

Ab dem 8. September 2017, pünktlich zur feierlichen Eröffnung der Theatersaison, wurde das Strassenbild des renommierten Schweizer Künstlerduos Lang/Baumann auf dem Theaterplatz zwischen Theater und «Box» eingeweiht. Die Spielzeit 17/18 steht unter dem Motto «Theaterplatz».

Durch die Bemalung der Strasse zwischen dem Luzerner Theater und der Spielstätte «Box» soll die grosse Kurve vorübergehend in einen Platz verwandelt werden. Die Kunstaktion auf öffentlichem Grund wird von privater Hand finanziert, ist zusammen mit der Stadt erarbeitetet und vom Stadtrat gutgeheissen worden und ist auf ein Jahr beschränkt. Das Werk mit dem Titel «Street Painting #9» soll den Theaterplatz in seiner zentralen und kulturpolitisch wichtigen Lage im Herzen von Luzern und der Zentralschweiz thematisieren und eine Initialzündung sein für diesen «Platz im Umbruch».

Das Kunstwerk wurde durch private Gönner ermöglicht und bleibt ein Jahr lang Teil des Stadtbilds.

Danke für die «Box»

Danke

Dem Hauptsponsor

 

Sowie

  • Basler & Hofmann AG
  • Frey & Cie Elektro AG
  • Gallati AG
  • H & T Raumdesign AG
  • JOP Josef Ottiger + Partner AG
  • Pirmin Jung Ingenieure AG
  • SIGA Services AG

Danke für Vielfalt in der «Box»:

Ernst Göhner Stiftung

Ein Theater für Luzern

Kaum eine Region der Schweiz weist eine ähnliche Theatertradition auf wie die Innerschweiz und die Stadt Luzern. Osterspiele, Fastnachtspiele und das lateinische Schultheater waren Ausdruck einer katholischen Kulturform, die in der Bevölkerung verankert war. So gründete die Tradition vorwiegend im Laien-, nicht im Berufstheater.

Luzern verfügte dank der Jesuiten auch schon früh über Theatersäle – zunächst im Marianischen Saal, dann in der Michaelskirche und nach 1708 über der Sakristei in der Jesuitenkirche. Es gab aber keine weltlichen Spiele. Dies änderte erst 1740, als die Jesuiten bereit waren, den Raum über der Sakristei an die Stadt abzutreten. In der Folge wurde er umgebaut und mit Kulissen ausgestattet – das «Obrigkeitliche Comödienhaus», wie der Theatersaal hiess, war der eigentliche Vorläufer des Stadttheaters.

Theater als Prestigeobjekt

Noch gab es in Luzern aber kein professionelles Theater. Mehrheitlich traten Theatertruppen aus Österreich und Deutschland auf. Erst nach dem Ende der alten Herrschaft mehrten sich die Stimmen, die ein eigenes Theater forderten. Luzern war Eidgenössischer Vorort und damit regelmässiger Sitz der Tagsatzung, die Gesandten wollte man mit einem angemessenen Unterhaltungsangebot zufriedenstellen. Ein neues Theater wurde nun als Prestigeobjekt vorangetrieben.

Eine wichtige Rolle spielte die Theater- und Musikliebhabergesellschaft, die Vorläuferin des heutigen Luzerner Sinfonieorchesters, die seit 1806 bestand. 1835 wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, doch mit der Geldbeschaffung harzte es. Erst als die Zunft zu Safran ihr altes Zunfthaus verkaufte und den Erlös in den Theaterneubau einbrachte, war die Finanzierung gesichert. Sie erhielt im Gegenzug das «ewige Stubenrecht» im neuen Theatergebäude – einen Festsaal zum freien Gebrauch.

Umstritten war auch die Standortfrage. Schliesslich entschied sich die Stadt gegen den ehemaligen Kurzweilplatz vor dem Baslertor (heute Kasernenplatz), der von der Bevölkerung abgelehnt wurde, weil der Ort des früheren Schweinemarktes vor allem für Lärm, Armut und Schmutz stand. Schliesslich blieb der Standort an der Reuss, anstelle der Schiffshütte und des Kornmagazins. Hier wurde das Theater – in einer Achse mit der Jesuitenkirche und dem Freienhof – zu einem prominenten Teil der Flaniermeile an der Reuss.

Klassizistischer Neubau

Mit dem Neubau wurde 1837 begonnen, als Architekt wurde Louis Pfyffer von Wyher (1783–1845) verpflichtet. Er folgte dem Ethos der Sparsamkeit, Schlichtheit und Funktionalität, seine Bauten waren von einer Ästhetik des pragmatischen Klassizismus bestimmt – so auch das Stadttheater. Pfyffer konzipierte ein viergeschossiges längsrechteckiges Gebäude mit flachem Satteldach und einer mit Pilastern und einem Dreiecksgiebel versehenen Schaufassade auf der Reuss- und dem Eingang an der westlichen Schmalseite. Der Zuschauerraum bestand aus drei Rängen, die von Säulen getragen wurden.

Eröffnet wurde das Stadttheater am 7. November 1839 mit «Wilhem Tell» von Friedrich Schiller. Während des ganzen 19. Jahrhunderts wurden aber vor allem Lustspiele und Possen gezeigt. Das komische Genre überwog die historischen Schauspiele und romantischen Ritterdramen. Auch in der Musiksparte setzte das Stadttheater – wie die meisten Häuser im deutschsprachigen Raum – auf die leichte Muse: Opern von Bellini, Donizetti und Mozart, Operetten von Offenbach.

Luzern hatte nun zwar ein eigenes Theater, aber keine eigene Schauspieltruppe. Praktisch jedes Jahr wurden die Räumlichkeiten an wechselnde Theaterdirektoren verpachtet, die ihre Truppen als Privatunternehmen führten. Weiterhin lag das professionelle Theaterschaffen in den Händen der reisenden Theatergesellschaften.

Finanziell kam die Aktiengesellschaft auf keinen grünen Zweig. 1846 verkaufte sie das Theatergebäude mit dem gesamten Fundus an Dekorationen und Requisiten an die Stadt Luzern. Diese musste tief in die Tasche greifen, als sie das Gebäude als Teil der städtebaulichen Sanierungen im Vorfeld des Eidgenössischen Schützenfestes von 1901 renovierte. Die projektierten Kosten wurden um 36 Prozent überschritten.

Das Bild nach dem Umbau zeigt den Eingangsbereich und rechts den Erweiterungsbau an der Rückseite des Theater (vorne links die Gartenecke des Freienhofs). Der heutige Foyervorbau entstand erst 1968 bis 1970. Luzern putzte sich damals für das Eidgenössische Schützenfest von 1901 heraus – auch das Stadttheater sollte ein Facelifting erhalten. Es traten aber so viele Mängel zutage, dass der Bau praktisch ausgehöhlt werden musste; der Kredit wurde um 36 Prozent überschritten.

Zufrieden waren die Medien in Luzern mit dem Resultat – vor allem mit dem neuen grosszügigen Foyer: Es biete «der Damenwelt genügend Promenier- und Konversationsraum», hiess es.

Der Grossbrand von 1924

Einschneidend war der Grossbrand von 1924. In der Nacht vor der Saisoneröffnung brach ein Feuer aus, das grosse Teile des Dachstocks sowie die dort eingelagerten Kostüme, Kulissen und Requisiten zerstörte. Durch das Löschwasser entstand erheblicher Schaden im Zuschauerraum und an der technischen Infrastruktur. 

Was folgte, war eine Grundsatzdebatte um den Stellenwert und den Erhalt des Theaters. Gegen den geplanten Wiederaufbau wurde eine Volksinitiative lanciert, die «aus verkehrstechnischen und finanziellen Gründen» einen Abbruch des Theaters forderte, um den Platz für den Verkehr freizugeben und um «das Stadtbild zu verschönern». In der Gemeindeabstimmung vom 28. Juni 1925 sprachen sich die Stimmbürger deutlich für den Wiederaufbau aus.

Regiebetrieb erst ab 1931

Weiterhin blieb das Stadttheater aber ein finanzielles Sorgenkind. Nicht zuletzt deshalb wurde 1931 der Regiebetrieb eingeführt, wie er in anderen Städten der Schweiz seit Jahren bekannt war. Luzern erhielt damit den ersten Theaterdirektor mit festem Gehalt von der Stadt – und zwar unabhängig vom Betriebsergebnis. Dies schuf die Voraussetzungen für einen modernen, öffentlich subventionierten Theaterbetrieb mit einem festen Ensemble und mit festen Betriebsstrukturen.

1995 wurde das Stadttheater in eine Stiftung überführt, an der neben der Stadt auch der Kanton Luzern und die Agglomerationsgemeinden beteiligt sind. Seither heisst es Luzerner Theater.

Heute ist das Luzerner Theater die älteste in ihrer historischen Bausubstanz noch erhaltene und kontinuierlich bespielte Spielstätte für professionelles Theater in der Schweiz. Sie ist auch die einzige Dreispartenbühne der Zentralschweiz, wo Schauspiel, Oper und Ballett unter einem Dach vereint sind.

Luzerner Theater – wie weiter?

Das Theatergebäude ist zwar immer wieder umgebaut worden – zuletzt 2012, als die Sitzzahl auf unter 500 reduziert wurde, um den Komfort für die Besucher zu erhöhen. Doch in seiner Konzeption als Rangtheater des 19. Jahrhunderts gilt es seit Jahrzehnten als Auslaufmodell – zumindest unter Fachleuten.

Deshalb drängen die Theaterverantwortlichen auf einen Neubau, für den sich mit der Salle Modulable zunächst eine Lösung abzuzeichnen schien. Mit dem Scheitern der Salle Modulable ist auch die Zukunft des Theaters wieder ungewiss.


Umfassend ist die Geschichte des Luzerner Theaters beschrieben in: Bernd Isele (Hrg.), Bühnenlandschaften – Theater in der Zentralschweiz, Verlag Pro Libro Luzern, 2016; insbesondere: Susanna Tschui, Ein Theater wird doch Luzern immer haben wollen? Das Luzerner Theater im Wandel der Zeit, S. 62ff., und Tobias Hoffmann, Das Haus an der Reuss im kulturpolitischen Umbruch, S. 80ff.

Autor: Luzerner Journalist und Historiker Stefan Ragaz
Quelle: hirschmatt-neustadt.ch
Das LT ist einen von 14 Stationen auf der Neustadt-Walking-Route.
Fotos: Stadtarchiv Luzern (Karten und Fotografien)

Das Stadttheater Luzern (ganz links) in einer Lithografie kurz nach seiner Fertigstellung im Jahr 1839. Die Jesuitenkirche erhielt ihre Türme erst 1893.
Das Stadttheater Luzern (ganz links) in einer Lithografie kurz nach seiner Fertigstellung im Jahr 1839. Die Jesuitenkirche erhielt ihre Türme erst 1893.
Die repräsentative Reussfront vor 1949 mit Stadttheater, Freienhof und Jesuitenkirche. Lesen Sie auch die unrühmliche Geschichte zum Freienhof
Die repräsentative Reussfront vor 1949 mit Stadttheater, Freienhof und Jesuitenkirche. 
Das Theater vor ...
Das Theater vor ...
... und nach dem grossen Umbau von 1898/99.
... und nach dem grossen Umbau von 1898/99.
Die Theaterstrasse hinter dem Stadttheater bot 1885 noch kein sehr städtisches Bild. Links ist der Kutschnerstall zu sehen, der zum Seidenhof gehörte. Das abbruchreife Haus dahinter steht an der Stelle der nachmaligen Volksküche (heute Bistro du Théatre). Wiederum dahinter ist auf der linken Seite das Haus des späteren Hotels Konkordia zu erkennen, das 1969 von einem Feuer zerstört und als Geschäftshaus wiederaufgebaut wurde. Die Trottoirecke rechts im Bild gehört zum Restaurant Theaterhalle (später Le Dézaley, heute Zur Ente).
Die Theaterstrasse hinter dem Stadttheater bot 1885 noch kein sehr städtisches Bild. Links ist der Kutschnerstall zu sehen, der zum Seidenhof gehörte. Das abbruchreife Haus dahinter steht an der Stelle der nachmaligen Volksküche (heute Bistro du Théatre). Wiederum dahinter ist auf der linken Seite das Haus des späteren Hotels Konkordia zu erkennen, das 1969 von einem Feuer zerstört und als Geschäftshaus wiederaufgebaut wurde. Die Trottoirecke rechts im Bild gehört zum Restaurant Theaterhalle (später Le Dézaley, heute Zur Ente).
Das Stadttheater nach dem Grossbrand von 1924.
Das Stadttheater nach dem Grossbrand von 1924.
Nach dem Brand war die Zukunft des Theaters ungewiss. Eine Volksinitiative verlangte den Abbruch. Am 28. Juni 1925 entschieden die Stimmbürger der Stadt Luzern aber für den Wiederaufbau.
Nach dem Brand war die Zukunft des Theaters ungewiss. Eine Volksinitiative verlangte den Abbruch. Am 28. Juni 1925 entschieden die Stimmbürger der Stadt Luzern aber für den Wiederaufbau.