Oper entdecken
Liebes Publikum,
meine Liebeserklärung an diese grosse Kunst.
Die, die weiterhin lebendig und atemberaubend ist und in ihrem Wollen samt ihrem Können jederzeit unübertroffenes Gesamtkunstwerk. Und auch das bleibt, weil unsere Sehnsucht danach unvermindert ist: Sie erzählt uns die unterschiedlichsten Geschichten.
Vor allem die Oper kann das auf einmalige Weise, weil ihr Fundament und Körper Musik ist. Auch als Trägerin der auf der Bühne gelebten Emotionen. Es ist die Musik, die zwischen den Zeilen zu lesen vermag und die die unmittelbare Verbindung zu unserer Wahrnehmungswelt schafft. Und dies auf so vielfältige, vielsprachige, vielgesichtige Art und Weise, wie sie uns auch in der Spielzeit 26/27 wieder durch die Zeiten führt.
Für die Uraufführung von «Medea» als Teil des double bills «Mad King & Medea» im August 2026 sind zwei Künstlerinnen unserem einladenden Ruf gefolgt: die Schweizer Autorin Ariane Koch schreibt ihr erstes Opernlibretto überhaupt für das Luzerner Theater. Mit ihr im Bunde Komponistin Bushra el-Turk. Sie erkunden zusammen zeitnah den Mythos um Medea und erkennen, ihr Name ist ihr Fluch.
Auch mit Wagners «Holländer» begegnet uns eine Mythengestalt. Mit ihm und Senta erleben wir zwei Menschen, die einen radikalen Ausbruch aus ihren bisherigen Verhältnissen erfahren. Richard Wagner bleibt auf den Gebiet der Oper lange ihr kühnster Vertreter der romantischen Epoche. Als der Kunstschaffende, der für eine Zeit seines Lebens Heimat auf dem Tribschen in Luzern fand. Da hatte er längst kundgetan: «Das Unvergleichliche des Mythos ist, dass er jederzeit wahr und sein Inhalt bei dichtester Gedrängtheit für alle Zeiten unerschöpflich ist.» Das eben mag auch für «Proserpina» gelten. Ihre Geschichte wiederum belebt den Mythos von der Entstehung der Jahreszeiten. In der Oper dient sie sich bei Mozarts Zeitgenossen Joseph Martin Kraus seit 1781 dem musiktheatralen Spiel von Menschen und Göttern an.
Dass bei uns 26/27 Oper einmal mehr auch in einem weiter verstandenen Sinne Musical-Klassiker meint, macht sie vielfach anziehend: Dann, wenn in unserem neuen Format «Oper am Klavier» auch Piraten einmal ausser Rand und Band geraten, oder wenn sich auf unserer Bühne ereignet, was schon immer als heimlicher Traum gehegt wurde. Gehört eine durchtanzte Nacht mit dem Blumenmädchen Eliza dazu? Oder wie wäre es mit einem «Liebestrank», der wirkt wie der bei Tristan und Isolde?
Lassen Sie sich überraschen und verführen!
Vielleicht so, wie es Kino-Altmeister Alfred Hitchcock verstand und wie es sich vortrefflich auf das Operngeschehen übertragen lässt: Die Kunst, Spannung und Nervenkitzel zu erzeugen, ist die Kunst, uns zu packen.
Wir laden Sie herzlich ein.
Ihre
Ursula Benzing, Operndirektorin