«Spritzig, mit subtilem Augenzwinkern in Szene gesetzt und schlicht grossartig besetzt - das Luzerner Theater zieht alle Sparten übergreifenden Register und zündet mit dieser Produktion von ‹My Fair Lady› ein vergnügliches Feuerwerk. (…) Regisseur Ansger Weigner führt die Darsteller zu eindringlichen, starken, aber kaum chargierenden, Rollenporträts, der Choreograph Luches Huddleston Jr. steuert witzige, einfallsreiche (und in den angedeuteten Ball- und Traumszenen) auch elegante Tanzeinlagen bei und unter der Leitung von Florian Pestell bleiben musikalisch keine Wünsche offen. Marie –Luise Dressen gelingt eine hinreissend burschikose Eliza (…) In ihren Songs und den Ensembleszenen begeistert sie mit ihrem warmen, ungemein ausdrucksstarken Mezzosopran. (…) Der Professor Higgins von Jörg Dathe zeichnet sich durch eine wunderbar sonor klingende Gesangsstimme aus. Er gestaltet den Schlussmonolog sehr intelligent, ist ein selbstverliebtes, arrogantes und (in empathischen Belangen) uneinsichtiges Ekel von Wissenschaftler (…) Patrick Zielke als Elizas Vater Alfred P. Doolittle gewinnt durch seine verschmitzte, Gin getränkte Leutseligkeit und seinen klangmächtigen Bass flugs die Sympathien des Publikums, genauso wie es dem jungenhaften, attraktiven Freddy von Robert Maszl mit seinem einnehmend schmachtenden Tenor gelingt. Ein Riesenvergnügen bereitet es, die exzellente Mimik von Bettina Riebesel als Mrs. Pearce zu studieren oder Heidi Maria Glössner zu beobachten, welche als Mama Higgins den nobel-kultivierten Durchblick bewahrt. Die Verschmelzung der drei Sparten des Luzerner Theaters (Schauspiel, Tanz, Oper) ist den Verantwortlichen hervorragend gelungen.»
oper-aktuell.info, 1.11.2012
«Das alles ist in den Songs (Robert Maszl als liebeskranker Tenor) wie in den Dialogen (Heidi Maria Glössner als Higgins’ Mutter) liebenswürdig-witzig gemacht und bietet mit der vom Luzerner Sinfonieorchester beschwingt gespielten, europäisch geprägten Tanz-Musik beste Unterhaltung (musikalische Leitung: Forian Pestell). Das bestätigten an der Premiere die Lacher und Stimmen aus dem Publikum, die, so eine Zuschauerin, die ‹originellen Einfälle einer gesuchten Modernisierung› vorzogen. Ist das Thema der Emanzipation, wie sie das Stück verhandelt, also Geschichte? Natürlich auch in dieser Inszenierung nicht. Dass man sie als ganz aktuell empfindet, verdankt sie der überragenden Gestaltung der Hauptrollen durch den Schauspieler Jörg Dathe und die Sängerin Marie-Luise Dressen.In den Songs wie im Dialog der Protagonisten wird das unterhaltsame Spiel plötzlich lebensnah und bedrängend echt. Der Schluss-Applaus zeigte, dass das Theater damit schon vor Verdis ‹La Traviata› einen Publikumserfolg auf sicher haben dürfte.»
Neue Luzerner Zeitung, 2.11.2012
«Am Besten ist die Luzerner Inszenierung immer dann, wenn sie die Problematik des Experimentes betont. Professor Higgins möchte Eliza über die Sprache nämlich so formen, wie er sich die ideale Frau vorstellt. Er macht – quasi als Gott – einen anderen Menschen aus Eliza. Die Abhängigkeit, welche zwischen Schöpfer und Geschöpf entsteht, bringt Jörg Dathe als Professor eindrücklich auf die Bühne. Als kühler und fast schon diabolischer Wissenschaftler wehrt er sich gegen die Gefühle, welche er für Eliza entwickelt. Eine ausgezeichnete Leistung gelingt auch dem Luzerner Sinfonieorchester. Die Begleitung ist genau auf den Punkt gespielt und wirkt nie aufdringlich. Dafür dürfen die Musikerinnen und Musiker bei den Orchester-Passagen dann so richtig schwelgen. Dem Luzerner Theater gelingt ein packender Musical-Abend. Sängerinnen und Sänger, Chor und Orchester erzählen die Geschichte um Wunschvorstellungen und Abhängigkeiten mit so viel Schwung, dass es einen automatisch mitreisst – nicht zuletzt wegen der gelungenen Interpretationen der vielen Gassen-Hauer, welche im Musical vorkommen.»
DRS 1, 1.11.2012