Tanz, Luzerner Theater

Tanz 21/22

Von Wanda Puvogel
Tanz
18. Mai 2021

Liebes Publikum

Tanz ist untrennbar mit dem menschlichen Körper verbunden. Das ist einer der Gründe, warum er für viele Menschen selbst beim blossen Zusehen mit allen Sinnen so direkt erfahrbar und nachvollziehbar ist. Er spricht oft «zwischen den Zeilen», kommuniziert durch Berührung, Verbindung, wortloses Interagieren und Verstehen und baut auf ein zutiefst sensitives Erspüren der Welt. Genau das, was die Pandemie in den letzten Monaten nicht zuliess.

Doch wenn sich etwas lernen lässt vom Tanz, und das ist meine Erfahrung in der Beschäftigung mit dieser Kunstsparte seit mehr als dreissig Jahren, dann dies: Probleme lassen sich immer auch als Chancen sehen. Der Vorgang des Tanzens erfordert ja nicht zuletzt, sich permanent am Umfeld und an den anderen Menschen zu orientieren. Er bedarf in jeder Hinsicht der Fähigkeit zur Flexibilität – dies jedoch gepaart mit dem Streben danach, weitestmögliche Ausdrucksfreiheit innerhalb der gegebenen Grenzen zu gewinnen, mehr noch, diese auch immer wieder zu testen und zu erweitern. Auch die meist überaus kurze Tanzkarriere lehrt alle, die sie einschlagen, von Anfang an, auf Wechsel und Neuanfänge vorbereitet zu sein und sie zuversichtlich anzugehen. Diese zutiefst optimistische Haltung, dass sich in jeder Situation neue Türen öffnen, habe ich mir längst abgeschaut. Und daraus schöpfe ich auch meine Zuversicht, dass wir Mittel und Wege finden werden, wie wir alle, also Sie, unser Publikum, und wir Menschen des Theaters, in Kontakt kommen können, wie wir uns kennenlernen und gegenseitig inspirieren können.

Wanda Puvogel, Luzerner Theater

Sie werden bekannten Gesichtern begegnen, denn die Tänzer*innen der Spielzeit 21/22 sind weitestgehend dieselben wie in der vorhergehenden. Wir haben uns ganz bewusst für Kontinuität im Ensemble entschieden. Nicht nur Corona sprach dagegen, einen grösseren Austausch vorzunehmen, der sonst so oft mit einem Intendanzwechsel einhergeht. Entscheidend war vor allem, dass wir davon überzeugt sind, dass die Tänzer*innen das künstlerische Potenzial haben, sich mit einer grossen Bandbreite an Tanzstilen auseinanderzusetzen. Bei meinen Gesprächen mit ihnen stiess ich auf grosse Offenheit und eine ungemeine Lust, neue Wege auszuprobieren. Alle sind neugierig auf eine etwas andere Ausrichtung – auf die übrigens auch der neue Ensemblename TanzLuzern hinweist. Gleichzeitig ist das bestehende Ensemble aber auch Zeichen für eine gewisse Kontinuität, denn geknüpfte Kontakte in die Stadt hinein, zu vielen von Ihnen, können bewahrt und ausgebaut werden. Die Compagnie besteht aus spannenden Einzelpersönlichkeiten, die auch einzeln wahrgenommen werden sollen. Bei meinem Bemühen, mehr über sie zu erfahren, habe ich ihnen einige Fragen zu ihrer Lebens- und Arbeitsrealität als tanzende Menschen gestellt. Wenigstens einige ihrer Antworten möchte ich gerne mit Ihnen teilen, Sie finden sie im Anschluss an diesen Text.

Meine andauernde Begeisterung für den Tanz – ich bin hier wirklich Überzeugungstäterin! – hat viel mit der immensen kreativen Energie zu tun, die Tänzer*innen und Choreograf*innen weltweit an den Tag legen und die das Spektrum an Formaten, Spielarten und Tanzsprachen ständig erweitern. Meine Erfahrung ist: Qualität ist weder an einen bestimmten Tanzstil gebunden noch an bestimmte Orte. Ich habe sie im Ballett entdeckt, im Modern Dance, aber auch im Hip-Hop oder im zeitgenössischen Tanz, in sämtlichen geografischen Regionen, bei Männern und Frauen gleichermassen, in kleinen und grossen Theatern. Möglichst viel von dieser Bandbreite möchte ich nach Luzern bringen. Denn als internationale, in mehrfacher Hinsicht grenzüberschreitende lebt diese Kunstform vor, welche Chancen in ihrer Diversität liegen. Gerade aus der Begegnung von Unterschiedlichem entsteht Neues, werden Kunstschaffende herausgefordert und neu inspiriert. Solche Begegnungen werde ich bewusst initiieren, immer dann, wenn ich davon überzeugt bin, dass Menschen sich gegenseitig etwas zu sagen haben, voneinander lernen und gemeinsam Neues entdecken. Mir liegt am Herzen, Bedingungen und Strukturen zu schaffen, die solche Begegnungen möglich machen, die der Kreativität und Inspiration Raum geben.

Solche Orte sind wichtig für eine Stadt – genauso, wie die Stadt wichtig ist für uns Kunstschaffende. Wir werden uns bemühen, möglichst viel von unserem Tun sichtbar, miterlebbar zu gestalten, denn Kunstschaffende sind auf Impulse von aussen angewiesen, brauchen den Kontakt zum Publikum. Er hat lange genug gefehlt!

Entdecken Sie also Ihre «neue» Tanzcompagnie in Luzern – sei es an einer der Vorstellungen oder im Rahmen von anderen Begegnungsformaten: begleiten Sie uns dabei, wenn wir uns nun auf den Weg machen, zu einem solchen kreativen Ort, einem Schmelztiegel für den Tanz, zu werden. Ich, wir alle vom Tanz, freuen uns darauf, Sie kennenzulernen!

Ihre Wanda Puvogel

Tanz, Luzerner Theater