LIEBE, Luzerner Theater

Klug. Schonungslos. Politisch.

Schauspiel

Dominik Busch im Gespräch mit Antje Schupp

Dominik Busch — Mit deiner Inszenierung hier in Luzern ist zum ersten Mal ein Stück von Sivan Ben Yishai in der Schweiz zu erleben: Welche Erfahrungen hast Du mit der Sprache dieser Autorin gemacht?

Antje Schupp — Sivans Sprache ist wie ich bisher Sivan erleben durfte: klug und scharf analysierend, witzig, schonungslos, direkt, politisch, authentisch und in kunstvolle Worte sich fassend, ohne Scheu sich selbst zu exponieren. 

DB — «LIEBE/ Eine argumentative Übung» regt sofort zum Diskutieren an – welche Themen sind Dir an dem Stück wichtig? 

AS — Es geht für mich im Kern um tiefsitzende Verhaltens- und Denkweisen in Arbeitswelt, Familie, Beziehungen bis hinein ins Sexualleben, die wir alle in Gesellschaft, Familie und Kultur gelernt haben und wie darüber Frauen und Männer geprägt werden. In der Geschichte von Olivia und Popeye geht es um den geradezu utopischen Versuch, diese Strukturen zu überwinden – und gleichzeitig sieht man einer Tragödie zu, weil sie nun einmal nicht so leicht zu überwinden sind.

DB — Geht es für Dich im Stück auch um Ungerechtigkeit?

AS — Es geht sogar um die Brutalität dieser systemischen Ungerechtigkeit, die sich immer noch im Verhältnis von Männern zu Frauen findet. Im Stück wird somit versucht, die wohl älteste und mächtigste Binarität der Welt aufzubrechen: die von Mann und Frau. Wenn man im Stück genau hinhört, kann sich niemand von uns dieser Situation entziehen. Weil es niemals egal, und d.h. gleich ist, ob man ein Mann oder eine Frau ist. An dieser Ungleichheit arbeitet sich «LIEBE/» ab. 

DB — Musik spielt in vielen deiner Inszenierungen eine tragende Rolle. Warum auch hier? 

AS — Über Liebe kann man zwar viele Worte verlieren, aber manchmal ist sie einfach sprachlich schwer zu fassen: Musik kann diese Lücke füllen. Sie erreicht einen auf einem emotionalen Niveau, bei dem sich Worte für diesen Moment zurückziehen.

DB — Ist Liebe wichtig?

AS — Aber natürlich.