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Januar 2019
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Oper

Zu Besuch bei den Proben

Ein Gespräch mit dem Luzerner Cornel Thoma, der uns als «Prozessbegleiter» bei den Proben zu «Don Giovanni» über die Schultern schauen durfte. 

Im Rahmen des Spezialangebots «Prozessbegleitung», das sich an jeden und jede richtet, der oder die neugierig auf einen Einblick in die Arbeitsprozesse hinter den Kulissen eines Theaters ist begleitete der Luzerner Cornel Thoma Benedikt von Peters Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper «Don Giovanni». Im Gespräch mit der Dramaturgin Julia Jordà Stoppelhaar erzählt er von seinen Eindrücken.

 

Julia Jordà Stoppelhaar – Cornel, bei den Proben von «Don Giovanni» hast du Regisseur und Intendant Benedikt von Peter über die Schulter geblickt. Von der Probebühne im Südpol bis auf die Luzerner Theaterbühne bist du dem Produktionsteam auf der Spur geblieben und hast hautnah miterlebt, wie der Partitur und dem Libretto Leben eingehaucht wurde. Du bist ein vielbeschäftigter Mensch – was hat deine Aufmerksamkeit für dieses Angebot soweit geweckt, dass du dich gleich für mehrere Termine angemeldet hast?

Cornel Thoma – Eine coole Mischung aus Zufall, Neugier, Unaufmerksamkeit und Agenda. Ich wollte kurz per Smartphone checken, ob ich es wieder mal mit meiner Frau ins Ballett schaffe. Ein paar Klicks später war es dann schon passiert und ich sass fasziniert im Halbdunkel der Probebühne. Ganz im Sinne von: «Was ich schon immer mal machen wollte».

JJS – Die ersten Proben finden auf einer Probebühne statt. Hier wird besonders an den Finessen und Charakteren der Figuren gefeilt. Was ist dir bei deinem ersten Besuch auf der Probe aufgefallen und was hat dich überrascht?

CT – Die antreibende Atmosphäre. Das ruhige, fokussierte Zusammenspiel des Ensembles mit Regisseur, seiner Crew, dem musikalischen Leiter, dem Korrepetitor, den Technikern und der hier fast hauptagierenden Kamera. Die ausgeprägte Konzentration auf einzelne Phrasen. Der körperliche Einsatz Benedikt von Peters, wenn er Schrittfolgen, Körperbewegungen, das Hinfallen und so weiter vormacht, justiert, modelliert. Die Wertschätzung für einzelne, kleine Eingebungen der Sänger, die letztlich doch zu dem Gesamtbild zu führen scheinen, welches Regie und Dramaturgie seit über einem Jahr zusammen skizzieren, konkretisieren und jetzt hör- und sichtbar gemacht haben. Harte Arbeit, immer respektvoll, spielerisch, leicht. Beeindruckend.

JJS – Original-Bühnenbild, szenische Durchläufe und ein Orchester, wo bislang nur ein Klavier tönte… Was hat sich auf dem Weg von der Probebühne zur Theaterbühne für dich verändert?

CT – Der Orchestergraben ist nicht mehr nur markiert – er ist jetzt da, offen, mit Leben und Musik gefüllt… Aber vor allem wird der Clou der Inszenierung – der zwar allbegehrende, aber unsichtbare Don Giovanni –  begreifbar. Die Projektion der Livekamera erleuchtet deutlich auf der Leinwand. Jetzt sehe ich das verzweifelte und doch wütende Gesicht Masettos und gleichzeitig auch jenes der gleichsam beschämten und kokettierenden Zerlina durch Don Giovannis Augen. Überlebensgross – überwältigend. Operngläser braucht’s da keine…

JJS – Hast du durch die Probebegleitung einen neuen Blick auf Mozarts «Don Giovanni» gewonnen?

CT – Nicht nur einen neuen Blick, einen ersten Blick! Ich war ein Opernmuffel, habe vielleicht zwei, drei Opern live gehört, aber das wird sich ändern. Zwischendurch habe ich «Roméo et Juliette» am Luzerner Theater besucht, den zweitletzten Platz an der Abendkasse für die letzte Aufführung ergattert – und die Oper mit ganz anderen Augen und Ohren wahrgenommen als vor meiner «Prozessbegleitung» von «Don Giovanni».

JJS – Und was nimmst du aus dieser Erfahrung mit?

CT – Ein volles Mass unterschiedlichster Sinneseindrücke und Wahrnehmungen. Noch grösseren Respekt für die unglaubliche Arbeit auch hinter der Bühne – als Zuschauer sieht man sonst ja nur das Endprodukt. Aber vor allem eine wiederentdeckte, fast kindlich-naive Freude am Musiktheater.

JJS – Zuletzt noch die wichtigste Frage: Besuchst du uns wieder auf einer der Proben – im Schauspiel oder in der Oper?

CT – Wann und wo? Klar, sofort. Und ich empfehle dieses Angebot unbedingt weiter!

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Die «Prozessbegleitung» ist ein Angebot des Luzerner Theater, sich dem Publikum noch weiter zu öffnen und zeigt dabei, was alles so hinter den Kulissen passiert. Bei ausgesuchten Produktionen können Interessierte den Weg zur Premiere bei den Proben begleiten. In dieser Spielzeit haben wir die Proben für folgende Produktionen geöffnet: «Roméo et Juliette», «Cybercity», «Schuld», «Sühne» und «Don Giovanni». 
Für die laufende Spielzeit gibt es leider keine Möglichkeit mehr, Prozessbegleiter oder -begleiterin zu werden. 

Don Giovanni, Luzerner Theater

 

Don Giovanni, Luzerner Theater