Singen wie fliegen - Gedanken zum Belcanto

«Maria Stuarda» ist eine Oper über Macht und Ohnmacht zweier Königinnen. Aber das eigentliche Thema ist der Gesang. Gesang, Gesang und nochmals Gesang. Die gesamte psychische, seelische Befindlichkeit – unterstützt, begleitet und kommentiert vom Orchester – wird in die Stimme gelegt, in ihre Melodieführung, ihre Farbgebung. Es geht dabei nicht um oberflächlichen Schöngesang, wie Belcanto wörtlich übersetzt heisst, sondern es passiert eine ganz starke Psychologisierung dessen, was man mit den Stimmbändern machen kann. Natürlich gab es zu Donizettis Zeit einen gemalten Hintergrund, der mit Kerzen und anderen sehr gefährlichen Beleuchtungskörpern schummrig und schaurig ausgeleuchtet war. Aber eigentlich brauchte man ihn nicht. Natürlich hoben die Sängerinnen und Sänger manchmal die linke, manchmal die rechte Hand. Manche waren begabt, sogar sehr begabt und haben intensive Szenen vorgeführt. Aber eigentlich brauchte man auch das nicht. Denn, wenn man Kritiken aus der damaligen Zeit liest, waren die Menschen vor allem von dem erotisiert und fasziniert, was rein stimmlich passierte. Es war nicht allein die Bewunderung für die Virtuosität der Sängerinnen und Sänger, sondern auf einmal war es möglich, durch den stimmlichen Aufschwung, seelische Räume beim Publikum aufzureissen. Das war neu. Bellini führte es ein, Donizetti übernahm es: Dieses sich «Davonträumen» der Singstimme, ganz so wie sich damals die Tänzerin Carlotta Grisi plötzlich auf die Spitze stellte, sich von der Erdenschwere löste. Genau das Gleiche passierte bei der Gesangsstimme, beim Tenor, beim Sopran: Sie lösen sich von der Erdenschwere, die Stimmen schweben davon. Die Stimmen bekommen Flügel, träumen sich fort und singen sich davon. 

Nur in drei Vorstellungen können Sie unser Traum-Paar Diana Schnürpel und Marina Viotti und Belcanto in Reinform erleben: 15. Apr, 19. und 27. Mai

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Luzern, 10.04.18