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Februar 2019
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Tanz

Bewegung in Bildern oder vom Wunsch etwas festzuhalten

Hinter den Türen des Ballettsaals tut sich einiges. Die Tanzsparte feilt fleissig an ihrer neusten Produktion «Tanz 30: Orfeo ed Euridice» (Premiere am 23. Februar 2019). Der Genfer Fotograf Gregory Batardon hat «Tanz Luzerner Theater» einen Besuch abgestattet und die Probe mit seiner Kamera festgehalten. Entstanden ist ein exklusiver Einblick in den Entstehungsprozess des spartenübergreifenden Tanzabends. Aber sehen Sie selbst…

 

Fotografie hält fest, friert ein – einen Moment, einen Bruchteil einer Sekunde – und tut damit etwas sehr menschliches, beziehungsweise erfüllt damit ein sehr menschliches Bedürfnis. Festhalten.

Festhalten von Idealen. Festhalten von Beziehungen. Festhalten von Glücksmomenten. Festhalten von Zeit. Festhalten vom Bekannten. Dabei wussten bereits die griechischen Philosophen, in diesem Falle Heraklit, dass alles fliesst. «Panta rhei» heisst die berühmte Formel, die der Menschheit wahrscheinlich seit jeher (und so lange es sie geben wird) in vielerlei Hinsicht Kopfschmerzen bereitet. Nichts ist für immer, alles ist in Bewegung. Doch woher kommt nur dieses Bedürfnis, sich an Dinge, Menschen und Momente zu klammern? Orpheus hat es nicht ertragen, Eurydike in die Unterwelt herab gleiten zu sehen, wollte ihren Tod rückgängig machen, sie festhalten. Es fiel ihm schwer zu akzeptieren, dass das Leben etwas anderes mit ihm vorgehabt haben muss. In seiner Trauer greifen die tiefsten und grundlegendsten menschlichen Mechanismen: Festhalten. Einfrieren. Zeit zurückdrehen – oder zumindest das Bedürfnis danach. Die Welt dreht natürlich weiter, egal welches Schicksal uns widerfährt. Festhalten bedeutet Kontrolle. Vielleicht liegt darin die Antwort auf die Frage, warum der Mensch dermassen klammert und nicht loslassen kann: Er mag es, wenn er alles im Blick hat, liebt das Gefühl von Sicherheit und wenn sein eigenes kleines Universum kontrolliert existiert. Der Mensch und das Flüchtige – also das Leben – ob sie jemals Freunde werden?

Betrachtet man die Geschichte der Fotografie, erkannt man ein ähnliches Muster. Die Bestrebung war es, eine Möglichkeit zu finden, wertvolle Augenblicke einzufangen. Auch hier wollte man festhalten. Sinn und Zweck des Fotoapparates war es, Momente einzufrieren, Bewegung zu erwischen, die Dreidimensionalität in eine zweidimensionale Erinnerung zu verwandeln. Der Abzug als ein Augenblick für die Ewigkeit. Flüchtiges wird zu was Festem, oder zumindest zu etwas, was man in der Hand halten kann – ein Stück Vergangenheit mit in die Gegenwart nehmen.

Stellt man sich nun die Frage, was die Fotografie für die performative Kunst bedeutet, dann wird schnell klar, dass es auch hier um den Versuch geht, das Flüchtige einzufangen beziehungsweise abbilden zu wollen. Natürlich geht nichts über den Live-Moment, das unmittelbare Erlebnis, eine Tanzaufführung und den damit verbundenen Zauber des unmittelbaren Moments mit den eigenen Augen aus dem Zuschauersaal zu verfolgen. Diese Erfahrung passt in keine Filmkamera, geschweige denn in einen Fotoapparat. Was aber hoffentlich passiert, ist, dass die Neugier beim Betrachter angesprochen und gekitzelt wird. Aber sehen Sie selbst. Der Genfer Fotograf Gregory Batardon hat «Tanz Luzerner Theater» im Ballettsaal einen Besuch abgestattet und mit seiner Kamera eine Probe zu «Tanz 30: Orfeo ed Euridice» festgehalten. Was dabei entstanden ist? Eine Reihe Momentaufnahmen, eine Serie aus kleinen Relikten der Vergangenheit, die Ihnen hoffentlich Lust machen auf mehr.

Am 23. Februar 2019 feiert das spartenübergreifende Tanzspektakel mit dem Luzerner Sinfonieorchester unter der musikalischen Leitung von Alexander Sinan Binder, den drei Opernsolistinnen Diana Schnürpel, Abigail Levis und Kathrin Hottiger, sowie dem Chor des LT und dem gesamten Tanzensemble auf der Bühne Premiere. Der spanische Choreograph Marcos Morau entführt das Publikum erst in eine osteuropäisch inspirierte und farbenfrohe Traumwelt, bevor die Reise in der berühmten Unterwelt fortgesetzt wird. Wie die Hölle im 21. Jahrhundert wohl aussehen mag? Finden Sie es heraus! «Tanz 30: Orfeo ed Euridice» ist ein Tanzabend für Musikfans, Kunstliebhaber und für alle, die wissen möchten, wie die abgebildeten Schwarz-Weiss Bilder bewegt aussehen.

(Selina Beghetto)

Tanz 30, Luzerner Theater

Tanz 30, Luzerner Theater

Tanz 30, Luzerner Theater

Tanz 30, Luzerner Theater

Tanz 30, Luzerner Theater