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Oper

Kaegi-Ticker: Interview mit Bettina Oberli

In rund zwei Wochen feiern wir die Premiere von «Eugen Onegin». Die Musikjournalistin Gabriela Kaegi tickert wieder für uns und hat die Regisseurin Bettina Oberli dazu interviewt!

Liebe Leserin, lieber Leser

Ich sags wies ist: mit Peter Tschaikowskys Musik hab ich meine liebe Müh. Es ist mir einfach von allem zu viel: zu viel Pathos, zu viel Sahne, viel zu viel Gefühl. Und dann hörte ich seine Opern: Eugen Onegin, Pique Dame, Pantöffelchen, Mazeppa - und die eigenen Vorurteile und Clichés flogen mir um die Ohren. Anstelle von platten Heldentenören differenzierte Charaktere, interessante mehrdimensionale Frauenfiguren, denen man allen dank eines kammermusikalischen Orchesters in ihre komplizierten Seelen blicken kann. Seither ist mir eine Tschaikowsky-Oper oft und gerne eine Reise wert, und ich zähle nicht mehr mit, wie viele Onegins ich schon sah. Fakt ist, dass er mir nie fad wird. Eine Oper wie eine Cremeschnitte: auch süss, ja, aber vor allem vielschichtig.

Ich wünsche Euch Genuss und Leidenschaft.

Herzlich Gabriela Kaegi

ZUM WERK

1877 bekommt der Komponist Peter Tschaikowsky einen Brief, und noch einen und noch einen, und in allen redet die Absenderin von glühender Liebe. Antonina Iwanowa Milijukowa heisst die Verfasserin, sie schreibt und bedrängt Tschaikowksy so lange, bis er sie heiratet. Damit glaubt er, seine Homosexualität verleugnen zu können. Aber nicht einmal freundschaftliche Gefühle wollen sich einstellen: «der Hass gegen meine Frau wächst von Stunde zu Stunde», schreibt er und flieht in die Schweiz an den Lac Léman.

Wie geht es weiter? Und was hat das alles mit Eugen Onegin zu tun?

Gabriela Kaegi erzählt:

ZUR PRODUKTION

Vorab gibt's zu sagen, dass es eine grossartige Idee des Intendanten Benedikt von Peter war, für die Regie auch Personen von ausserhalb der Oper einzuladen, sind sie doch gänzlich frei von allen schlechten Operneigenschaften (naja, über diese Bemerkung können wir uns auch streiten).
Für Eugen Onegin auf jeden Fall bat er die Filmregisseurin und Drehbuchschreiberin Bettina Oberli nach Luzern, die mit Filmen wie «Die Herbszeitlosen» oder «Le Vent tourne» internationale Auszeichnungen bekommen hat.

In einer Probepause nimmt sie sich Zeit für Antworten auf ein paar Fragen wie zum Beispiel was Sie sich denn gedacht hat, als die Anfrage kam:

Also kann man sagen: dieses Bauchgefühl heisst eigentlich Neugierde?

Das Theater ist ein Irrenhaus, und die Oper ist die Abteilung für Unheilbare - heisst es. Und wie erleben Sie jetzt die Oper? Und den Opernbetrieb?

Zur Oper, die Sie jetzt hier inszenieren. Diese Geschichte von Tatjana und Onegin und von dieser unerfüllten Liebe kann man ja aus ganz unterschiedlicher Optik erzählen. Für welche haben Sie sich entschieden?

Muss es in der Zeit verortet sein, also muss es im 19. Jahrhundert spielen?

Wenn ich an Onegin denke, kommt mir immer das Lied «Der Hans im Schnäggeloch» in den Sinn. Da heisst es im Refrain «Und was er hät das will er nöd, und was er will das hät er nöd». Kennen Sie das Kinderlied?

Nun heisst es, Onegin sei ein Dandy. Mit einem Dandy verbinde ich das Bild eines schönen, gut angezogenen, schwulen Mannes: Dorian Grey oder Oscar Wilde oder Quentin Crisp. Und Eugen Onegin, könnte er auch schwul sein?

Die Oper ist ein ziemlich kompakt gebautes Gebilde: Es gibt lange Arien, es gibt sehr lange Arien, instrumentale Zwischenspiele etc. überhaupt ist das ganze Timing stets durch die Musik vorgegeben – im Unterschied zum Film, den Sie von A bis Z ja selber schreiben und gestalten können und überhaupt viel mehr freie Hand haben.

Kostümfigurinen der Kostümbildnerin Laura Locher:

Eugen Onegin, Luzerner Theater

Eugen Onegin, Luzerner Theater

Eugen Onegin, Luzerner Theater

Eugen Onegin, Luzerner Theater