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April 2019
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Oper: Kaegi-Ticker

Kaegi-Ticker: Ein Gespräch mit Regisseur Lennart Hantke

Das Leichte ist das Schwere

Besuch zwei auf der Probebühne von «Die Grossherzogin von Gérolstein». Chorprobe! Viele Leute, viele Fragen, manchmal auch ordentlich viel Hin und Her. Aber am Ende passt dann doch alles zusammen. Erst danach hat der junge Regisseur Lennart Hantke Zeit ein paar Fragen zu beantworten. Zu Offenbach, zur Opéra bouffe, und natürlich zur «Grande Duchesse».

Lennart, Operettengeschichten sind ja gern ein bisschen kompliziert, konstruiert und konfus. Schaffst du es, uns den Inhalt der «Grande Duchesse» in drei Minuten verständlich zu erklären?

Soweit alles klar? Nein? Sag ich doch!

Also nochmals, vereinfacht und verkürzt:
Wir haben eine etwas liebeshungrige Grossherzogin auf der einen Seite mit ihrer machtgeilen Entourage: General Boum, Prince Paul und Baron Puck. Und wir haben Fritz und Wanda auf der andern Seite, zwei einfache Leute. 
So. Nun verliebt sich die Grossherzogin in den Soldaten Fritz, der merkt von allem nichts, obschon sie ihn zum General befördert, der schliesslich in die Schlacht ziehen muss. Der schlaue Fritz stellt den 120'000 gegnerischen Soldaten 300'000 Wein- und Schnapsflaschen hin, sturzbetrunken gehen die zu Boden, die Schlacht ist gewonnen.
Siegreich kommt er heim, will nichts als zu seiner Wanda, will sie lieben, will sie heiraten. Als das die Grossherzogin begreift, degradiert sie ihn kurzerhand und nimmt - in Ermangelung etwas Besseren - den dummen Prinzen Paul zum Gemahl. Wenn man nicht das kriegt, was man liebt, muss man halt das lieben, was man kriegt. 

Et voilà! Gar keine so schlechte Überlebensstrategie, oder?

 

Nun hat ja Offenbach mit seinen Opéras bouffes nicht einfach lustige oder halblustige Geschichten vertont. Da ging es auch immer um politische Themen, um aktuelle gesellschaftliche Ereignisse, die vorgeführt, vergrössert oder auch gerne durch den Kakao gezogen wurden. Um welche Themen geht es nun in der „Grande Duchesse“, was steckt da alles an Zeitgeist drin?

Ist das lustig?

Offenbach war zwar eigentlich Deutscher, hatte aber stets französische Librettisten (zb Henri Meilhac und Ludovic Halévy), geschrieben für Sänger und Schauspielerinnen mit schneller französischer Zunge und für ein Publikum, das vertraut war mit dem prickelnden französischen Esprit. 
Lennart, wie gut sind Deine Französischkenntnisse?

Ich würde mal sagen, die Franzosen lachen über anderes als die Deutschen. Oder die Schweizer. Wie gehst du damit um?

Offenbach und seine Librettisten malen ihre Charaktere auch gern mal mit dem dicken Pinsel. Wer sind nun in der «Grande Duchesse» die Guten? Und wer sind die Bösen?

Aber ehrlich: Fritz und Wanda, die kommen ja auch nicht nur gut davon. Die werden doch mit ihrer Sehnsucht nach dem kleinen heimischen Glück eigentlich als richtige «Füdlibürger» hingestellt!

Sag uns noch ein bisschen etwas über die Figuren und ihre Charaktere:

Wo liegt eigentlich Dein Gérolstein?

Angenommen, Lennart, Jacques Offenbach käme kurz in Luzern vorbei und würde eine Probe besuchen. Was würdest du ihn fragen wollen?

Kägi-Ticker: Lennart Hantke, Luzerner Theater

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