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April 2019
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Oper: Kaegi-Ticker

Der Kaegi-Ticker zu «die Grossherzogin von Gérolstein»!

Musikjournalistin Gabriela Kaegi war bei den ersten Proben der Operette «Die Grossherzogin von Gérolstein» von Jacques Offenbach und erzählt, weshalb sie ein grosser Offenbach-Fan ist. Die Operette, inszeniert von Lennart Hantke, ist bis zum 12. Juni 2019 zu erleben.

Liebe Leserin, lieber Leser

Ich bin ein grosser Offenbach-Fan, ich war es schon zu Zeiten, als es noch ganz uncool war, überhaupt, als man über die Operette nur die Nase rümpfte. Das ist jetzt schon ein Weilchen her. Zum Glück kamen nach den Best-of-Operetten-Fernseh-Sendungen am Samstag Abend mit Annelise Rothenberger und Rudolf Schock so kluge Leute wie der Dramaturg Volker Klotz und die Regisseure Dominique Mentha oder Laurent Pelly haben mit den Vorurteilen aufgeräumt, Kitsch und Sülze weggekippt und aus der Operette wieder das gemacht, was sie ist: ein lautes und lustiges, freches und frisches, ein schrilles und schnelles Stück Musiktheater.

Mit der Grande Duchesse de Gérolstein, sagt Volker Klotz, schreibt Offenbach das Musterbeispiel einer Offenbachiade. Das heisst: Wir haben eine gute Geschichte, saftige Figuren und eine süffige Musik. Alles zusammen hat nichts übrig für kleinbürgerliches Glück, Nationalismus oder sentimentale Gefühle. Eine Offenbachiade - und drum bin ich so begeistert davon - ist eine Operette, die schwungvoll die Welt verkehrt. Was oben ist, flutscht nach unten, wer sonst unten molocht, wird nach oben gespült, ein geregelter Alltag gerät aus den Fugen, und was sonst streng und eng gehalten wird, macht sich stark und pocht auf sein verpöntes Existenzrecht.

Darum sind in den Operetten die Frauen, die Räuber, die Piraten, die Zirkusleute, Strassensänger Bettlerbanden und Höllenteufel die Helden. Sie widersetzen sich den öffentlichen und privaten Regelungen, während Polizei, Militär, Könige und Staatsmänner als lächerlich, machtlos, untauglich und stets auch ein bisschen doof vorgeführt werden.

In der Grande Duchesse haben wir einerseits eine höfische Welt, die die Grossherzogin regiert, wo die Armee marschiert, ihr General füsiliert und der Hof intrigiert. Und wir haben auf der andern Seite - Wanda und Fritz, zwei sehr verliebte und sehr bodenständige Bauernleute, deren Welt wegen höfischer Launen und Eskapaden aus den Fugen gerät, die aber am Ende doch die Gewinner sind.

Ich wünsche Ihnen einen rechten coup de pif-paf-pouf - und quelques frissons doux et agréables.

Gabriela Kaegi