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Februar 2019
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Oper

«Von Menschen. Für Menschen.»

Nicole Chevalier im Gespräch mit der Operndramaturgin Julia Jordà Stoppelhaar über die Arbeit am Luzerner Theater und mit Benedikt von Peter anlässlich der Wiederaufnahme von «La traviata» am 01. Februar 2019.

Julia Jordà Stoppelhaar –  Diese Spielzeit bist du bereits zum zweiten Mal am Luzerner Theater zu erleben, nach «Les robots ne conaissent pas le blues oder Die Entführung aus dem Serail» nun mit «La traviata» - bereits in der dritten Wiederaufnahme. Was verbindest du mit Luzern und mit der Schweiz?

Nicole Chevalier –  Zunächst einmal natürlich die Zusammenarbeit mit Benedikt von Peter, aber mich verbindet schon eine längere Beziehung zur Schweiz. Meine erste Festanstellung in Europa führte mich an das Theater Freiburg. Von dort fuhr ich oft nach Basel - schon, weil man dort im Kino Filme in Originalsprache sehen konnte! Trotz vieler Reisen durch die Schweiz, kam ich erst mit Benedikt von Peter nach Luzern. Seine Idee war es auch «La traviata» auf die Bühne des Luzerner Theaters zu holen. Für diese Möglichkeit bin ich dankbar, nicht zuletzt wegen des spielfreudigen und sympathischen Ensembles – die Arbeit macht richtig Spass!

JJS – Mit Benedikt von Peter verbindet dich eine achtjährige Arbeitsbeziehung, die mit «La traviata» ihren Anfang nahm. Was macht diese Arbeit so besonders?

NC – Ich habe mir immer schon gewünscht, die Rolle der Violetta Valéry zu singen. 2011 erhielt ich endlich die Möglichkeit an der Staatsoper Hannover. Benedikt von Peter sollte Regie führen. Seine Arbeit kannte ich aus Bildern und Artikeln, die ich interessant fand, aber wir kannten uns überhaupt nicht. Er sprach mit mir über das Konzept zu dieser Oper: Violetta Valéry zwei Stunden lang alleine auf der Bühne. Ich fand es grossartig und bei der Zusammenarbeit stellte sich immer mehr heraus, wie sehr sich unser Verständnis von Oper ähnelt. Wir haben uns in dieser Theaterwelt einfach gefunden! Für mich ist «La traviata» eine der bedeutendsten, wenn nicht die bedeutendste Produktion, die ich je gemacht habe.

JJS –  Was kennzeichnet dieses gemeinsame Verständnis von Oper, wie du sagst?

NC – Der Fokus auf den Menschen, auf die menschliche Kommunikation, darauf, die Menschen «aufzuregen», zu provozieren… Eine Inszenierung ist wie ein Geschenk, das man dem Zuschauer gibt. «Von Menschen. Für Menschen.» – das ist der Grund, warum ich mache, was ich mache. Es ist eine riesige Freude für mich, mit Leuten zu kommunizieren.

JJS –  Als Violetta Valéry stehst du in dieser Saison zum letzten Mal auf der Bühne des Luzerner Theater. Was gab dir das Gefühl dich nun von ihr verabschieden zu müssen?

NC –  Wir müssen uns eben im Leben eben auch verabschieden. (lacht) Das ist richtig, wenn auch bittersüss. Diese Rolle stand ganz oben auf meiner Wunschliste. Sie war ein grosser Teil meines Lebens, den ich immer in mir tragen werde. Doch nun ist es die Zeit für etwas Neues!

JJS –  Was kommt denn in Zukunft auf dich zu? In Luzern freuen wir uns besonders auf den Mozart-da Ponte-Zyklus im KKL unter der musikalischen Leitung von Teodor Currentzis – was steht noch auf deinem Fahrplan?

NC –  Meine ganze Karriere war ich fest an Opernhäusern angestellt und nun bin ich freiberufliche Sängerin. Für jemanden wie mich, die es liebt, zu reisen, birgt es die Chance andere Kulturen kennenzulernen und andere musikalische Erfahrungen zu sammeln. As nächstes freue ich mich auf die Bösewichtin Electra - eine unglaubliche Persönlichkeit mit wunderschöner Musik - an den Salzburger Festspielen mit Currentzis. Weitere Engagements führen mich an das Theater an der Wien, ans Brüsseler Opernhaus La Monnaie und ich werde mein Debut am Royal Opera House in Covent Garden haben. Ich finde, das Tolle an diesem Beruf ist, egal ob man singt, dirigiert, inszeniert oder musiziert, dass man in alle Richtungen gehen kann. Genau das geniesse ich jetzt: eine Reisende unter den Opernsängern zu sein.

La traviata, Luzerner Theater

La traviata, Luzerner Theater

La traviata, Luzerner Theater