Schauspiel

Tag der offenen Türe in Frau Holles Wetterlabor

Dramaturg Gábor Thury stellt spielerisch das Bühnenbild – inklusive der darin stehenden Wettermaschine – des diesjährigen Kinderstücks «Frau Holle» vor, das am 24. November auf der Bühne Premiere feiert.

Es schmilzt, blubbert, strudelt, blitzt, strömt, donnert, dampft und nebelt im Bühnenbild von «Frau Holle». Die Laborantinnen - die Schauspieler und Schauspielerinnen - sind im Dschungel von Röhren und Geräten geschäftig am Arbeiten: Sie drücken Knöpfe, bedienen Schalter, stecken Kabel um, und setzen dabei die Anweisungen von Frau Holle um. Während sie tief in ihrem geschäftigen Laboralltag versunken sind, bemerken sie nicht, dass ein Murmeltier überraschenderweise an ihrem Arbeitsplatz aufgetaucht ist und ihren Mittagssnack klaut. 

Ob Kaltfront mit Nieselregen in Sankt Gallen, Polarlicht in Izmir oder ein leichtes Hochwasser am Rhein: Die Laborantinnen und Laboranten liefern weltweit das tägliche Wetter. Ein Wetterphänomen fehlt aber noch: der Schnee. Mit dem Fleiss von Goldmarie und der Souveränität von Pechmarie arbeitet das Laborteam daran, dass es auf der Erde endlich wieder schneit. Das wäre nicht nur für die Menschheit, sondern auch für die Murmeltiere wichtig, die endlich ihrem Winterschlaf nachgehen wollen.
In der Neubearbeitung des Märchens durch das Künstlerinnenkollektiv hannsjana, ist das Wetter von der Erde verschwunden. Kein Wind, kein Regen, kein Sonnenschein. Der seit Jahrhunderten beliebte Zaubertrick mit dem Bettzeug und dem Schnee funktioniert auch nicht mehr. Frau Holle hat also ein Wetterlabor gegründet, um die verschiedensten Wetterphänomene künstlich herzustellen.
Bei der Gründung ihres Wetterlabors wurde Frau Holle von zwei Künstlerinnen unterstützt, die das Labor mit der modernsten Technologie und den hochwertigsten Masstäben der Wetterproduktion ausgestattet haben: Àngela Ribera und Marloes van Son. Bühnen- und Kostümbildnerin Ribera hat das verspielt-futuristische Design des Labors und die Arbeitsuniformen entworfen, und damit eine inspirierende Arbeitsatmosphäre geschaffen, in der die Laborantinnen sich ganz der Schneeproduktion widmen können.

Wettermaschine Frau Holle, Luzerner Theater

Die bildende Künstlerin Marloes van Son war für die Wettermaschine und die Technik des Labors zuständig, die ermöglichen sollen, zielgenau und pünktlich Wetterphänomene zu produzieren.
Die niederländische Künstlerin hat eng mit dem Team des Luzerner Theater (Oliver Villforth von der Requisite und Michael Peters von der Beleuchtungsabteilung) und der Bühnenbildnerin Ribera zusammengearbeitet, um das Labor unter anderem mit Blubbersäulen, einer Strudelmaschine und einer Dampfmaschine auszustatten.  

Aber wie kommt all das Wasser auf der Bühne in Bewegung?

Für die Strudelmaschine, die im Stück den Golfstrom steuert, hat sich Marloes van Son tatsächlich der Wissenschaft bedient:
«In vielen Chemielaboren werden ähnliche Maschinen verwendet, um Flüssigkeiten zu mischen, bloss sie sind viel kleiner. Ein spezieller Magnetrührstab liegt am Boden eines Wasserbehälters. Er ist mit einem sehr glatten Kunststoff bedeckt, damit es möglichst wenig Wiederstand gegen den Boden gibt. Darunter befindet sich der Motor, der zwei Magnete unter dem Wasserbehälter rotieren lässt, die den magnetischen Rührstab in Bewegung setzen. Durch die Rotation wird das Wasser zur Seite geschoben, und dadurch entsteht der Strudel.»

Um eine grössere Version auf die Bühne zu bringen, brauchte die Künstlerin Monate, um die richtigen Grössenverhältnisse auszutesten.

Wettermaschine Frau Holle, Luzerner Theater

Für die Wettermaschinen wurde auch eine Schalttafel mit vielen Knöpfen, Schaltern, Screens und Steckern gebaut, die als Steuerzentrum des Labors funktioniert. Von dort aus steuern die Laborantinnen das weltweite Wetter.

 

Wettermaschine Frau Holle, Luzerner Theater

Die Knöpfe können aber viel mehr als das: Sie können sogar das bekannte Grimmsche Märchen neu schreiben und die Zeit zurückspulen. Welche Folgen dies auf Goldmaries und Pechmaries Geschichte hat, erfahren die kleinen und grossen Zuschauerinnen ab 24. November auf der Bühne des Luzerner Theater in einem Kinderstückspektakel mit viel Humor, Musik, Wissenschaft und Zauberei.

Und wenn es mit der Schneeproduktion noch nicht geklappt hat, dann forschen die Laborantinnen noch heute.

Wettermaschine Frau Holle, Luzerner Theater