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März 2019
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Schauspiel

Die Soundmacher von «Cybercity»

Der Journalist und Kenner der Schweizer Musikszene Pirmin Bossart hat die beiden Musiker Silvan Koch und Janos Mijnssen zum Gespräch getroffen und mit Ihnen über das Jugendprojekt «Cybercity» geredet, welches diesen Samstag Premiere feiert.

Wie klingt die «Cybercity»? Das neue Jugendprojekt des Luzerner Theaters wird in den Fabrikhallen der Viscosistadt in Emmenbrücke realisiert. Silvan Koch und Janos Mijnssen, die als Musiker mit Faber unterwegs sind, haben für «Cybercity» den Soundtrack geschrieben. Sie sind Ende Mai 2019 auch bei «Zappa on the Hill» dabei.

Silvan Koch und Janos Mijnssen haben vor knapp einem Jahr begonnen, die ersten Soundideen für das grosse Jugendprojekt «Cybercity» des Luzerner Theaters zu entwickeln. «Wir haben viel diskutiert, viel Musik gehört, Ideen ausgetauscht, Skizzen hin- und hergeschickt.» Im Sommer 2018 fuhren sie zwei Wochen in die Berge, nach Scuols/GR, um intensiver in die Materie zu tauchen. Sie nahmen jede Menge an Instrumenten und Equipment mit und gingen daran, mit Improvisationen erste musikalische Spuren zu legen. Die Sessions wurden aufgenommen. Oft waren es nur einzelne Mini-Sequenzen, aus denen sie dann ausgefeiltere musikalische Teile entwickelten.

Von Anfang an standen sie in engem Kontakt mit dem Regisseur Mirko Borscht. «Dadurch erhielten wir eine erste Vorstellung, wie diese Cybercity-Welt aussehen könnte», sagt Silvan Koch. «Mirko hat dann ein Skript geschrieben, das schon sehr konkret war und einen guten Anhaltspunkt bildete, um zu komponieren. Natürlich im Wissen darum, dass sich noch sehr viel verändern würde.» Koch hatte schon beim letzten, grossen Jugendprojekt «No Future Forever» (2016/17) des Luzerner Theaters die musikalische Leitung. Dann wurde er von Benedikt von Peter für eine nächste Produktion angefragt. Koch grinst. «No Future Forever war bei knappen Ressourcen so grossdimensioniert, dass ich mir eigentlich geschworen hatte, kein solches Projekt mehr zu machen».

Das änderte sich, als er Mirko Borscht zu einer Besprechung traf. Der Funke sprang, die beiden verstanden sich. Aber Koch wollte es nicht alleine machen, sondern im Teamwork. «Ich dachte sofort an Janos Mijnssen, der schon bei «No Future Forever» mitgedacht und mitentwickelt hatte.» Die beiden Musiker hatten sich an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) kennen und schätzen gelernt. Beide begannen 2014 den Studiengang «Komposition für Film, Theater und Medien» und schlossen mit dem Bachelor ab. Mijnssen, ein Multiinstrumentalist, ist seit zehn Jahren mit der Ostschweizer Band Panda Lux unterwegs. Koch hat schon früh an Theaterprojekten mitgewirkt und war unter anderem 2014 bei der Bühnenshow «Verona 3000» musikalisch engagiert.

Die beiden scheinen nicht nur beim Konzipieren von Bühnenmusik gut miteinander zu funktionieren. Sie spielen auch beide in der Band von Faber. Der Zürcher Singer Songwriter hat in den letzten drei Jahren einen für Schweizer Verhältnisse fast kometenhaften Aufstieg gemacht und ist vor allem in Deutschland beliebt. Janos: «Vor drei Jahren haben wir noch versucht, im kleinen Proberaum Songs zu arrangieren, und heute spielen wir in ausverkauften Hallen». Seit Herbst 2016 gaben sie mit Faber rund 300 Konzerte. Im Palladium Köln traten sie vor 4000 Zuschauern auf. Begonnen hatte Faber mit einem Trio, Damals war es Janos, der seinen Kollegen Silvan vermittelte. «Für die erste EP wollte Faber einen Pianisten. Da habe ich Silvan gefragt. Seitdem ist er dabei.»

Silvan Koch hat schon immer gerne interdisziplinär mit Leuten zusammengearbeitet und gemeinsam musikalisch-szenische Projekte entwickelt. «Das ist eine tolle Art, Musik zu machen, wie ich es beim «reinen Musikmachen» mit einer Band so nicht erlebe.» Auch Janos Mijnssen findet es «extrem horizonterweiternd», in einem Theaterkontext Musik zu machen. «Mich hat vor allem beeindruckt, wie sich in diesem offenen Prozess die Inputs des Regisseurs und unsere Ideen auf eine sehr balancierte Art gegenseitig vorangetrieben und befruchtet haben.»

Der Soundtrack von «Cybercity» hat sich in monatelangen Versuchsanordnungen und Transformationen zu einem gut zweistündigen Fundus entwickelt. Die Musik wird in einer Mischung aus notiertem Material und freien Improvisationen von einer siebenköpfigen Band live gespielt. Koch und Mijnssen haben die anfängliche Idee eines Orchesters elegant transformiert und sie auf eine Band heruntergebrochen, die auch Bläser und Streicher umfasst. Die Musiker handhaben gemeinsam 15 Instrumente, so dass auch orchestrale Momente nicht fehlen werden.

Ende Mai spielen die beiden in einer weitere Co-Produktion des Luzerner Theaters: Musikalisches Epizentrum von «Zappa on the Hill» ist die Band von Faber, die mit zusätzlichen Musikern erweitert werden soll. Das Projekt fokussiert sich mit musikalisch-szenischen Elementen auf das Werk des Rock Grenzgängers Frank Zappa und wird «open air» auf dem Sonnenberg aufgeführt. Die musikalische Federführung liegt bei Faber-Musiker Tillman Ostendarp. Koch und Mijnssen grinsen. «Noch ist vieles offen und sind wir mit Cybercity beschäftigt. Aber bald geht es los. Das wird ein neues Abenteuer.»

Cybercity, Luzerner Theater

Janos Mijnssen, Moritz Widrig, Max Kämmerling, Joachim Flüeler, Silvan Koch, Niklaus Mäder, Marius Meier