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Mai 2019
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Tanz: Carole's Insights

Carole’s Insights: Präsidentin der «Tanzfreunde LT» im Gespräch

Nachdem Carole Barmettler während der Spielzeit 17/18 den «Luzerner Jedermann» begleitet hat, trifft die freischaffende Journalistin während der Spielzeit 18/19 verschiedene Personen aus der/rund um die Kompanie. Schliesslich begeht das LT die zehnte Spielzeit unter der Künstlerischen Leitung von Kathleen McNurney und das will auch im LT-Journal gebührend gefeiert werden, bevor wir im Mai 2019 an der Jubiläumsgala «Crescendo!» anstossen. Für die neueste und gleichzeitig letzte «Carole’s Insights»-Ausgabe hat sie Linda Britschgi, Präsidentin der «Tanzfreunde Luzerner Theater», getroffen.

Kaum wusste Kathleen McNurney um ihre künftige Position als Künstlerische Leitung Tanz Luzerner Theater, klingelte bei Linda Britschgi das Telefon. Kathleen erklärte Linda, dass sie eine Interessengemeinschaft zur finanziellen und ideellen Unterstützung der Tanzsparte plane und bat sie, das Präsidium zu übernehmen. Das erst zögerliche Ja – Linda machte sich als Expat aufgrund der deutschen Sprache etwas Sorgen – mauserte sich zu einer Herzblutangelegenheit. Bis heute amtet Linda als Präsidentin des Vereins, unterstützt von zwei Vorstandsmitgliedern. Es gibt also gleich doppelt Grund zum Feiern – und für ein Interview.

Carole Barmettler – Linda, zwischen deinem und Kathleens CV gibt es einige Parallelen, wie ich gehört habe...

Linda Britschgi – Das stimmt. Kathleen und ich kommen beide aus Amerika, sie aus Portland, ich aus New York City. Wir absolvierten beide in New York unsere Ausbildung zur Profi-Tänzerin, allerdings an unterschiedlichen Schulen. Anschliessend wagten wir beide den Schritt über den Teich, um Teil einer europäischen Tanz-Kompanie zu werden. Da hier die Ensembles kleiner sind, sammelt man schneller vielfältigere Erfahrung. Und letztlich blieben wir beide hier hängen. Ich kam 1979 nach Luzern und tanzte zwei Jahre lang am Stadttheater (Anm. d. Red.: heute Luzerner Theater).

CB – Kulturschock?

LB – Ich habe in der Radio City Music Hall in New York vor 6000 Leuten getanzt. Als ich hier ankam und das Haus sah, fragte ich: «Ist das ein Theater oder eine Garderobe?» (lacht) Tanz wird in der Schweiz maximal als Hobby wahrgenommen, selten als Profession.

CB – Wann hast du Kathleen denn kennengelernt?

LB – Da waren wir beide bereits in der Schweiz, aber ich kann mich tatsächlich nicht an unser erstes Treffen erinnern. Ich glaube, es war ungefähr 2006. So ist das manchmal... man lernt Leute kennen und zehn, fünfzehn Jahre später fragt man sich, bei welcher Gelegenheit man zum ersten Mal ins Gespräch gekommen ist. Der Tanz-Kuchen ist klein, es wird wohl irgendwas mit Tanz zu tun gehabt haben (lacht).

CB – Apropos: Wie bist du Präsidentin der «Tanzfreunde Luzerner Theater» geworden?

LB – Kathleen fragte mich ein Jahr vor ihrem offiziellen Start als Künstlerische Leitung Tanz, ob ich Interesse habe, das Präsidium der neuen Interessengemeinschaft zu übernehmen. Am Theaterfest im August 2009 waren wir dann erstmals mit einem Info-Stand präsent. Im Dezember des gleichen Jahres durften wir bereits 60 Mitglieder zählen. Wir sind schnell gewachsen, heute sind wir etwa 170 «Tanzfreunde».

CB – Du amtest nun zehn Jahre als Präsidentin. Was findest du besonders toll?

LB – Die Mitgliederanlässe mit der Kompanie! Alle Mitglieder haben einmal im Jahr die Gelegenheit, sich mit den Tänzerinnen und Tänzern zu unterhalten. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel in Kathleens und meiner Ballettschule eine Pizza-Party geschmissen, ein Jahr zuvor waren wir im Südpol. Es ist uns ein Anliegen, dass unsere Unterstützer wissen, wem das Geld zugute kommt. Formate wie dieses werden sehr geschätzt und erfreuen sich grosser Beliebtheit.

CB – Du führst mit Kathleen eine Ballettschule?

LB – Ja, wir haben «The Dance Center Luzern» gemeinsam gegründet. Wir wollten in Luzern Tanz- und Ballettklassen für alle Altersstufen anbieten. Früher unterrichtete Kathleen auch noch selber, heute wirkt sie als pädagogische und strategische Beraterin.

CB – Zurück zu den «Tanzfreunden». Wie sieht euer Engagement für die Kompanie konkret aus?

LB – Wir unterstützen Kathleens Vision finanziell und ideell. Die «Tanzfreunde» kommen beispielsweise für die Physio-Therapie der Kompanie auf. Manchmal helfen wir auch aus, wenn ein Choreograph über Budget liegt. Vor einigen Monaten benötigte Kathleen ein neues Klavier zur musikalischen Begleitung des Trainings, das liess sich ebenfalls über unser Netzwerk auftreiben. Einen Kühlschrank und Deutsch-Unterricht für die Tänzer organisierten wir auch mal... Der Verein ist wie eine Familie, alles ist sehr persönlich – wirklich schön!

CB – Wenn du zurückblickst... Wie hat sich Tanz am Luzerner Theater entwickelt?

LB – Als ich noch Tänzerin am Haus war, gab es zwei Tanzabende pro Jahr. Ansonsten wurde die Kompanie für Operetten eingesetzt. Das hat sich natürlich stark verändert. Es gab nach und nach mehr Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Auch das Publikum ist ein anderes. Viel gemischter und auch jünger – das finde ich toll!

CB – Und noch eine Abschlussfrage: Welche Stücke aus Kathleens LT-Ära haben es dir besonders angetan?

LB – «LOVE» von Martino Müller war unglaublich. Sehr speziell und berührend. Es gibt so viele! (überlegt) «Sommernachtsraum», «Don Juan»... auch ein Pas de deux von Patrick Delcroix – das muss in Kathleens erster Spielzeit gewesen sein – war ein Highlight. Das Publikum war mucksmäuschenstill und man konnte kaum einen Atemzug hören.

Was machen die «Tanzfreunde» genau?!

Linda erklärt, was sie an Kathleen bewundert.