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April 2019
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Tanz: Carole's Insights

Carole’s Insights: Lucie Machan schwelgt in Erinnerungen

Nachdem Carole Barmettler während der Spielzeit 17/18 den «Luzerner Jedermann» begleitet hat, trifft die freischaffende Journalistin während der Spielzeit 18/19 verschiedene Personen aus der/rund um die Kompanie. Schliesslich begeht das LT die zehnte Spielzeit unter der Künstlerischen Leitung von Kathleen McNurney und das will auch im LT-Journal gebührend gefeiert werden, bevor wir im Mai 2019 an der Jubiläumsgala «Crescendo!» anstossen. Für die neuste «Carole’s Insights»-Ausgabe hat sie Kathleens ehemalige Company Managerin und Tanzdramaturgin Lucie Machan in Bern getroffen.

Es regnet aus allen Kübeln als ich in Bern ankomme. Ich treffe mich mit Lucie Machan, die bis Anfang der Spielzeit 16/17 während fünf Jahren Kathleen McNurneys Company Managerin und Tanzdramaturgin war. Da Lucie vor gut einem halben Jahr Mama geworden ist, haben wir uns in ihrer gegenwärtigen Heimat Bern verabredet. Kaum ist meine Gesprächspartnerin angekommen, packt Lucie zwei Mappen voller Erinnerungsstücke aus und wir treten unsere Reise in ihre LT-Vergangenheit an...

Carole Barmettler - Lucie, wie hast du zum Luzerner Theater gefunden?

Lucie Machan - Nach drei fordernden Jahren als Ballettmanagerin in Augsburg war ich ziemlich geschafft und habe mit einem Stellenwechsel geliebäugelt. Darüber habe ich auch mit Choreograph Martino Müller gesprochen, der zu diesem Zeitpunkt ein Projekt am Luzerner Theater aufgleiste. Kathleen wiederum hat Martino erzählt, dass sie auf der Suche nach einer neuen Company Managerin sei – und so hat er mich ins Spiel gebracht. Ich hatte mich bereits während eines früheren Luzern-Besuchs in die Stadt verliebt und der Zufall wollte es, dass ich später tatsächlich in Luzern lande.

CB - Erinnerst du dich noch an das erste Treffen mit Kathleen?

LM - Wir hatten ein tolles Gespräch – es hat gleich auf allen Ebenen «geklickt». Kathleen hat mich rumgeführt und ist mit mir zum Südpol gefahren. Abends habe ich mir «Dancemakers Series #2» angesehen – das experimentelle Format begeisterte mich umgehend und ist mir während meiner Anstellung besonders ans Herz gewachsen. Kathleen hat sich auch dafür eingesetzt, dass ich die 60%-Stelle als Company Managerin und Tanzdramaturgin mit einer 40%-Stelle im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit aufstocken konnte. Ich wollte meine Zelte in Deutschland nicht für ein 60%-Pensum in der Schweiz mit höheren Lebenskosten abbrechen. Aufgrund einer Schwangerschaft in der Kommunikationsabteilung konnte ich nachrücken – wieder ein glücklicher Zufall...

CB - Und wann hast du den damaligen Intendanten kennengelernt?

LM - Mit Dominique Mentha habe ich mich später in Kassel getroffen, wo er gerade inszeniert hat. Es war kein klassisches Vorstellungsgespräch, viel mehr eine persönliche Unterhaltung in einem Café. Es hat sich angefühlt, als ob wir uns schon fünf Jahre kennen und überhaupt hatte ich den Eindruck, als ob ich Teil einer Familie werde. Ich habe mich in Luzern unglaublich willkommen und umarmt gefühlt.

CB - Du hast also 60% als Company Managerin/Tanzdramaturgin und 40% in der Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet – klingt nach einem anspruchsvollen Spagat.

LM - Tatsächlich funktionierte der Split ganz gut und er stellte sich als Win-Win-Situation für alle Beteiligten heraus. Ich fand es toll, dass ich Kathleen zusätzlich auf diesem Weg unterstützen und den Tanz in die Öffentlichkeit tragen konnte.

CB - Wie bist du überhaupt zum Tanz gekommen? Du hast eigentlich Literaturwissenschaft studiert...

LM - Ich bin über einen Studentenjob am Theater gelandet und hängen geblieben. Nach einer Weiterbildung als Veranstaltungskauffrau am Parktheater Augsburg habe ich mich am Stadttheater als Ballettmanagerin beworben. Eigentlich war ich unsicher, ob die Stelle das richtige für mich wäre, da ich mich immer im Schauspiel gesehen habe. Doch die künstlerische Leiterin des Parktheaters hat mich ermutigt. Zu meiner eigenen Überraschung erhielt ich schliesslich eine Zusage. So fordernd und emotional der damalige Ballettdirektor am Stadttheater auch war, ich habe wahnsinnig viel gelernt. Die dramaturgischen Fertigkeiten etwa, die ich später am Luzerner Theater einsetzen konnte, habe ich mir dort angeeignet.

CB - An welche LT-Highlights erinnerst du dich besonders gern?

LM - Unzählige! Ein Highlight war beispielsweise die Einladung an das Holland Dance Festival in Den Haag mit der Triple-Bill-Produktion «Tanz 18: Celebration!» mit Stücken von Cayetano Soto, Fernando Hernando Magadan und Andonis Foniadakis. Das zugehörige Programmheft mit dem schwarz-blauen Umschlag und den fantastischen Probenfotos war eines meiner liebsten. Auch die alten LT-Postkarten mit den Sprüchen drauf mag ich bis heute sehr! Ich habe in einem Berner Restaurant gleich nach meinem Umzug eine Wand mit den Karten entdeckt und musste vor Rührung losheulen...

CB - Wieso bist du nach fünf Jahren nach Bern weitergezogen?

LM - Aufgrund des Intendantenwechsels und damit verbundener Umstrukturierungen war es unklar, ob ich mein 40%-Pensum in der Marketingabteilung behalten kann. Zudem hatte mein Partner – wir haben uns übrigens am Luzerner Theater kennengelernt – einen Ruf nach Bern erhalten. Trotzdem wollte ich bei «Tanz Luzerner Theater» weitermachen. Ein weiterer Zufall sorgte jedoch dafür, dass ich schliesslich mit meinem Mann in die Hauptstadt gezogen bin: Am Konzert Theater Bern wurde eine Stelle in der Tanzdramaturgie frei. Ich vermisse Luzern noch heute – eine meiner schönsten Arbeitserfahrungen...

CB - Was hast du, nebst schönen Erinnerungen, mitgenommen?

LM - Ich habe so viel von Kathleen gelernt – kaum runterzubrechen... (überlegt lange) Vermutlich Diplomatie und Vertrauen. Ich habe von ihr gelernt, nicht im Affekt zu reagieren und den Fokus auf den nachhaltigen Konsens zu legen. Ich habe ebenfalls von ihr gelernt, zu vertrauen – in die Kompanie und ins Gute an sich. Ich bin noch immer aufrichtig beeindruckt, was Kathleen aus ihren Möglichkeiten macht – ja, es ist geradezu abartig! Wenn man sich anschaut, welche Tänzer und Choreographen sie ans Luzerner Theater holt, welche hohe Qualität die Produktionen haben... Chapeau! Ich werde auch nicht müde, allen regelmässig zu sagen, sie sollen nach Luzern fahren und sich den Tanz angucken. (lacht)

Beschreibe Kathleen mit fünf Begriffen.