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Dezember 2018
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4. Oktober 2018 | Carole Barmettler

Carole’s Insights: Ein Tag mit Kathleen McNurney

Ein Blick zurück

Carole’s Insights: Ein Tag mit Kathleen McNurney

Nachdem Carole Barmettler während der Spielzeit 17/18 den «Luzerner Jedermann» begleitet hat, heftet sich die freischaffende Journalistin während den kommenden Monaten an die Fersen verschiedener Akteurinnen aus der Tanzsparte. Schliesslich begeht das LT die zehnte Spielzeit unter der Künstlerischen Leitung von Kathleen McNurney und das will auch im LT-Journal gebührend gefeiert werden, bevor wir im Mai 2019 an der Jubiläumsgala «Crescendo!» anstossen. Auf leisen Sohlen verbringt Carole Barmettler jeweils einen Tag mit fünf ausgewählten Personen und berichtet in der Journal-Rubrik «Carole’s Insights» über ihre Eindrücke.

Ich kämpfe noch mit der Montagsmüdigkeit, während sich Kathleen McNurney bereits auf das Training um 10.00 Uhr vorbereitet. Zwei- bis dreimal wöchentlich trainiert die Kompanie mit Kathleen, für jeweils 75 Minuten, begleitet von Miguel Sesma am Klavier. Die restlichen Trainings übernimmt Emmanuel Gázquez, er unterstützt die Tanzsparte des LT zudem als choreographischer Assistent. Nun steht Kathleen an ihrem Pult im Südpol-Büro, die Turnschuhe bereits gewechselt, und geht die geplanten Übungen mithilfe ihres Notizbuches nochmals kurz durch. Bevor sie sich in den Ballettsaal begibt, wo sich die Kompanie bereits warmtanzt, wechselt sie noch ein paar Worte mit Emmanuel. Auf diesem langen Flur vor Kathleens Büro – stelle ich im Verlauf des Tages fest – kreuzen sich die Wege nicht lautlos, hier tauscht man sich stets kurz aus, klärt dringende Fragen, diskutiert über abgelaufene Kaffeekapseln und mokiert sich über den riesigen Haufen Erde vor dem Bürofenster («Vielleicht ist es Kunst?»).

Im Ballettsaal wartet heute nicht nur die Kompanie auf Kathleen Georg Reischl (Choreograph) und Mikiko Arai (Einstudierung) trainieren ebenfalls mit. Schliesslich betritt Miguel den Ballettsaal, setzt sich ans Klavier, im roten Hemd und frisch rasiert. Der Ballettkorrepetitor witzelt, das Timing für eine Rasur hätte ja nicht idealer sein können, als er mich mit der Kamera entdeckt. Bevor Kathleen das Training beginnt, erheben alle Tänzerinnen und Tänzer ihre Stimme zu einem «Happy Birthday» – Sandra Salietti feiert Geburtstag. Freudige Gesichter, Applaus, Gratulationen und dann ran an die Arbeit. Die Barren werden in die Mitte des Tanzsaals gerollt, Kathleen zeigt jeweils eine Übung vor, Miguel stimmt den passenden Song an – der bald 50-Jährige unterstützt die Tanzkompanie mit seinen Klavierkünsten seit nunmehr zwölf Jahren, wie mir Kathleen später erzählt. Während die Tänzerinnen und Tänzer die Übungen repetieren, geht Kathleen durch den Raum, beobachtet die Ausführungen, korrigiert wenn nötig, bewegt sich ab und an selber im Takt, verteilt Komplimente. Nach 40 Minuten gibt’s eine kleine Pause, die Barren werden wieder zur Seite gerollt, nun folgen Übungssequenzen vor dem Spiegel. Ich bin beeindruckt ob Kathleens Beweglichkeit (sie ist 64 Jahre jung), der ansteckenden Freude, wie herzlich sie Komplimente verteilt («Yes!», «Beautiful!», «Great!») und wie sie ihre Tänzer korrigiert, ohne belehrend zu wirken. Nach dem Training bleibt Kathleen noch einige Minuten im Ballettsaal, beantwortet Fragen, unterhält sich mit der Kompanie. 

Kurz vor halb zwölf Uhr steuert die Tanzdirektorin zurück in ihr Büro. Hier warten E-Mails und Telefonate auf sie. Und ja, auch die Parkfrage für das Auto eines Choreographen müsse sie noch klären. Bevor sich Kathleen ans «daily business» macht, zeigt sie mir ihr Archiv: In vielen, vielen akribisch beschrifteten Ordnern, Mäppchen und Kisten tummeln sich Erinnerungen aus 10 Jahren Kathleen am LT. Sie sei eigentlich gar kein Archivierungstyp, aber damals hätte ihre Dramaturgin nur 40% gearbeitet und sie begann aufgrund der mangelnden personellen Ressourcen, alles selbständig zusammenzutragen. Das macht sie bis heute gewissenhaft. Kathleen zeigt mir stolz sämtliche Programm- und Spielzeithefte des vergangenen Jahrzehnts – sie hat jedes einzelne beiseite gelegt.  

Um 13.30 Uhr essen wir gemeinsam im Südpol-Bistro zu Mittag. Das sei die Essenszeit des Tanz-Teams. Mit uns speisen Emmanuel, Georg und Mikiko. Man unterhält sich über verschiedene Kompanien, Choreographen, Stücke, Häuser. Kathleen schaut kurz nach dem Verzehr ihres Salats auf die Uhr – man merkt, sie hat heute wohl noch einiges zu stemmen. Eine knappe halbe Stunde später sitzen wir wieder in ihrem Büro. Vanessa Gerotto vom Bühnenbau schaut kurz rein, es gibt noch zwei, drei letzte Dinge für «Tanz 28: New Waves» (Premiere am 13.10.2018!) zu klären. Ein paar Nachrichten und Anrufe später besuchen wir kurz die Nachmittagsproben von Georg und Mikiko. Kathleen lässt mich wissen, sie sei bereits an der Organisation der Triple Bill für die Spielzeit 20/21, doch es gäbe noch Probleme mit der Terminierung der drei Slots. Sie wirkt aber nicht, als würde sie das ernsthaft stressen. Kein Wunder, nach zehn Spielzeiten haut einen vermutlich nichts mehr so schnell aus den Tanzschuhen.  

Ein Blick zurück

10 Jahre Kathleen McNurney

Ein Blick zurück

Kathleen, was hat dich in die Schweiz geführt? 

Wie kamen deine Ideen beim Luzerner Publikum an? 

Worauf bist du nach 10 Jahren am LT besonders stolz? 

Und ein Blick ins Jetzt... 

Wie findest du die Choreographen, mit denen du zusammenarbeiten möchtest? 

Wie sieht ein klassischer Kathleen-Tag aus? 

Du planst bereits die Spielzeiten 19/20 und 20/21. Kannst du deine Jubiläumssaison überhaupt geniessen?