Faust-Szenen

von Robert Schumann. Ein installatives Oratorium zwischen Bühne und Kirche

by Robert Schumann
. An oratory installation between church and stage

Gabriela Kaegi's Ticker zu «Faust-Szenen» im Journal.

Gabriela Kaegi's Ticker zu «Faust-Szenen» im Journal.

Premiere 24.03.18
  • 2 Stunden ohne Pause

Zum Stück

Informations

Ein Rastloser, ein Ewig-Suchender, ein «Unbehauster ohne Zweck und Ruh» – das ist Faust. Obdachlos sowohl in emotionaler als auch ideeller Hinsicht, lädt Faust gleich mehrfach Schuld auf sich: Einerseits, indem er Gretchen verrät und sie in den Wahnsinn treibt, andererseits, indem er als Kriegsherr Menschen tötet und als frühkapitalistischer Unternehmer nach Besitz giert. Der nach Erkenntnis suchende Wissenschaftler mutiert zum egoistischen, mephistophelischen Subjekt: Fausts Suche nach dem, «was die Welt im Innersten zusammenhält», gerät zum Zerfallsprozess – seiner selbst und des ihn umgebenden Kosmos'. Dabei sehnt er sich letztlich nach nichts als Ganzheit und Erlösung, Erlösung durch Gretchens Liebe.

Auch Robert Schumann suchte die Erlösung – als er sich an die Vertonung von Goethes Faust-Stoff machte, warf seine Geisteskrankheit bereits bedrohliche Schatten auf seine Seele. Gänzlich unchronologisch komponierte er zunächst das Finale, Fausts apotheotische Himmelfahrt – so, als hoffte er darauf, mit dieser fulminanten Auferstehungsperspektive seine inneren Ängste zum Schweigen zu bringen. Innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren, von 1844 bis 1853, folgten zwei weitere, der Apotheose vorangestellte Teile: Fausts Betrug an Gretchen sowie Fausts Drift in den Grössenwahn. Entstanden ist ein Werk, das zwischen Oper und Oratorium changiert, das Szenen aus Faust I und Faust II narrativ verbindet und dennoch fragmentarisch bleibt, ein Werk, das Ganzheit suggerieren will, seine Risse aber nicht verheimlichen kann. Eben so, wie auch Schumann sich keine Heilung schenken konnte: Kurz nach Fertigstellung der Partitur beging er einen Suizidversuch und wurde in die Psychiatrie eingeliefert, wo er bald darauf starb. 

Nur selten ist Schumanns berührende Partitur in szenischer Umsetzung zu erleben: Benedikt von Peter vollzieht in seiner Regie die Faust'sche Suche nach Erlösung auch räumlich nach, liefert ein Stationendrama, das den Kreuzweg eines Schuldigen, die Odyssee eines Liebenden und die Ich-Flucht eines Individuums gleichermassen reflektiert. Ein Mäandern zwischen den Welten: Beginnend im Theatersaal, im schwarzen Abgrund des Seelenraums, wo Faust mit seinem Schuld-Konflikt hadert, erleben wir in einem Transfer-Stop an der «Box» auf dem Theaterplatz, wie Faust sich zum grössenwahnsinnigen, politisierenden Agitator entwickelt. Und im dritten Teil strandet er, gemeinsam mit uns, in der Jesuitenkirche – auf der Suche nach Erlösung wohnt er seinem eigenen Requiem bei.
Das Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Musikdirektor Clemens Heil begleitet diese Stationen live aus der Jesuitenkirche und wird in Echtzeit in das Theater und auf den Theaterplatz übertragen.

  • Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn

«From heaven, through the world, right down to hell.» Or rather: From the Luzerner Theater, across the Theaterplatz, right to the Jesuit Church (and back). The audience strolls to and fro between these places, accompanying Faust on his way from his study to heavenly transfiguration on a Faustian pilgrimage for enlightenment, ecstasy and redemption. Which binds the world and guides its course? Step by step we can acquire an understanding of Schumanns monumental work, which is presented scenically not only by the Lucerne symphonic orchestra and the ensemble of the opera department, but also several amateur singers of the region. 


Schumanns «Scenes from Goethes Faust» originated over the course of ten years (1844 – 1853) and combines elements of both «Faust» I and II. The theatrical event is arranged associatively and in fragments, resembling Faust's quest for meaning. It focuses on the gradual decay of the perpetual seeker of truth. Schumanns musical interpretation of Goethes epochal creation turned out to be his his legacy: Briefly after the completion of the score the composer was admitted to a mental asylum for psychotic melancholia.

  • Introduction to the work 45 minutes before showtime
DE
EN

Besetzung

Produktionsteam

Musikalische Leitung: Clemens Heil Inszenierung: Benedikt von Peter Bühne: Natascha von Steiger Kostüme: Lene Schwind Video: Bert Zander Licht: Clemens Gorzella Choreinstudierung: Mark Daver Dramaturgie: Sylvia Roth

Besetzung

Sebastian Geyer (Faust) Rebecca Krynski Cox (Gretchen) Vuyani Mlinde (Mephisto ) Sarah Alexandra Hudarew Gianna Lunardi Jeanette Neumeister Magdalena Risberg Jason Cox Robert Maszl Chor und Extrachor des LT Mitglieder des 21st Century Chorus Luzerner Sinfonieorchester Luzerner Mädchenchor und Luzerner Sängerknaben

Faust-Kompass

Oratorium

Ein Oratorium ist ein Musikstück für Solistinnen und Solisten, Chor und Orchester und hat meist einen religiösen Inhalt.

Faust-Kompass

Praktische Informationen zu «Faust-Szenen» lesen oder downloaden:

Station 1 (ca. 10 Min)

  • Theaterplatz vor der Jesuitenkirche: Dort wird Sie der Kinderchor empfangen.

Station 2 (ca. 45 Min)

  • Luzerner Theater: Sie treffen auf Faust, den seine Erinnerungen heimsuchen. Sie sitzen auf Ihren nummerierten Plätzen.

Station 3 (ca. 10 Min)

  • Theaterplatz vor der «Box»: Faust hält eine Rede an die Menschheit.

Station 4 (ca. 45 Min)

  • Jesuitenkirche: Sie befinden sich mit Faust inmitten seiner eigenen Beerdigung. Es gibt Plätze in vier Preiskategorien, innerhalb derer Sie sich frei platzieren können.
  • Das Einlasspersonal hilft Ihnen bei Ihrer Platzierung. Bei Regen halten wir Regenschirme bereit. Wir leihen Ihnen gerne warme Decken. Die Bar im Theater-Foyer ist vor den Vorstellungen für Sie geöffnet.
  • Wenn Sie oder Ihre Begleitung eine Gehbehinderung haben oder einen Rollstuhl nutzen, rufen Sie uns bitte frühzeitig an, damit wir Ihnen bei Ihrem Kartenerwerb und vor Ort behilflich sein können: 041 228 14 14.

Partner

Koproduktion mit Lucerne Festival

Dank

Ida und Albert Flersheim-Stiftung

Strebi Stiftung

Pressestimmen

«Die Aufführung überzeugt durch eine grossartige Gesamtleistung: Von den Sängerinnen und Sänger, vom Chor, vom Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Clemens Heil, der alles zusammenhält, von der immensen Technik, welche einen entscheidenden Anteil zum Gelingen des Abends beiträgt und selbstverständlich von der Idee und Umsetzung von Benedikt von Peter.» SRF Regionaljournal Zentralschweiz

«Das Publikum badet im Sound, die Chöre singen von allen Emporen. Das 'installative Oratorium' wird zu einem Sammelbegriff: Die Luzerner 'Faust-Szenen' sind Kammerdrama, Horroroper und Freilichtspiel in einem.» Luzerner Zeitung

«Ohne Zweifel, die Faust-Szenen sind in dieser Inszenierung eine einmalige Angelegenheit. So sah es auch das Publikum, welches von der Aufführung begeistert war. Der Schlussapplaus der Premiere mit einer Standing Ovation ist wohl Beweis genug.» Innerschweiz Online
 

«Lucky Lucerners: I hope that anyone with an interest in theatre will rush to this.» David Nice, The Arts Desk
 

Spieldaten

So 29.04.
10.00
-
12.00

Theatergottesdienst

So 29.04.
20.00
-
22.00

von Robert Schumann. Ein installatives Oratorium zwischen Bühne und Kirche
19.15 Uhr Einführung

CHF 35 - 120
Fr 11.05.
20.00
-
22.00

von Robert Schumann. Ein installatives Oratorium zwischen Bühne und Kirche
19.15 Uhr Einführung

CHF 35 - 120
So 13.05.
20.30
-
22.30

von Robert Schumann. Ein installatives Oratorium zwischen Bühne und Kirche
19.45 Uhr Einführung

CHF 35 - 120
Do 17.05.
19.30
-
21.30

von Robert Schumann. Ein installatives Oratorium zwischen Bühne und Kirche
18.45 Uhr Einführung

CHF 35 - 120
«Faust-Szenen» - Die Fotogalerie
Der Kaegi-Ticker zu «Faust-Szenen» - Teil 1 - 3