The Boatswain’s Mate

UG

The Boatswain’s Mate

Komische Oper in zwei Teilen von Ethel Smyth
Text von Ethel Smyth, nach William Wymark Jacobs
In deutscher Sprache
Koproduktion mit der Hochschule Luzern – Musik
Premiere: 15. Februar 2014

Von starken Frauen träumen eher Frauen als Männer, schliesslich will auch das schwache Geschlecht einmal ernst genommen werden. Besonders starke Frauen schreiben über dieses Bedürfnis sogar eine Oper – so etwa die britische Komponistin Ethel Smyth im Jahre 1914, wenn auch eine komische: «Des Bootmanns Freund».

Eine reiche Witwe führt alleine ein unbeschwertes Leben und nebenbei eine gut gehende Gastwirtschaft. Zu ihren Stammgästen gehört ein ehemaliger Bootsmann, der, weil seine Heiratsanträge stets auf taube Ohren stossen, einen Plan ausheckt, um die Witwe endlich umzustimmen. So soll ein soeben gefundener Freund zum Schein in ihr Haus einbrechen, damit er selbst die dann in grösster Angst befindliche Frau als mutiger Held retten kann – so die Idee, die allein daran krankt, dass sie nicht mit der Stärke des Opfers rechnet …

Ethel Smyth, 1858 geboren, kämpfte als Suffragette für die Rechte der Frau im Allgemeinen und für diejenigen von Komponistinnen im Besonderen. Sie selbst schrieb sechs Opern, worunter «The Boatswain’s Mate», ihre vierte, auf einem eigenen Libretto beruht und 1916 erstmals am Shaftesbury Theatre in London unter ihrer Leitung zur Aufführung kam. Das Engagement scheint etwas bewirkt zu haben – zumindest wurde sie 1922 zur «Dame Comander» des «Order of the British Empire» geadelt.

Rahmenprogramm zur Produktion «The Boatswain's Mate»

«Ethel Smyth – Leben und Wirken», Ausstellung vom 6. bis 28. Februar 2014
im Kunst- und KulturZentrum Littau-Luzern, am Ruopigenplatz 10, CH-6015 Luzern
Telefon +41 41 250 34 37, Fax +41 41 250 34 38, info@kkz-luzern.ch, www.kkz-luzern.ch

Ethel Mary Smyth (1858–1944) kämpfte als Suffragette und Komponistin um Anerkennung in einer Gesellschaft, die Frauen als denkende, politische und künstlerische Wesen kaum zuliess. Sie schrieb Instrumental- und Vokalwerke, veröffentlichte musiktheoretische Schriften und Memoiren, trat als Dirigentin hervor und unternahm Reisen um die ganze Welt. Unermüdlich trieb sie Aufführung und Druck ihrer Schöpfungen voran – vor allem in England und Deutschland. Die Ausstellung im KKZL widmet sich Leben und Wirken dieser schillernden Persönlichkeit, gleichzeitig gibt sie Ausblicke auf den gesellschaftspolitischen und kulturhistorischen Hintergrund.

Vernissage am Donnerstag, 6. Februar 2014, 19.30 Uhr mit einem Gespräch mit Dr. Cornelia Bartsch, Dozentin an der Universität Basel, über die Komponistin Ethel Smyth und musikalischen Beiträgen von Studierenden der Hochschule Luzern – Musik

«Life Is a Composite Affair». Ethel Smyth – Musik, Kritik, Politik
Symposium in der Hochschule Luzern – Musik
Mit Andrea Maihofer (Universität Basel), Cornelia Bartsch (Universität Basel), Marleen Hoffmann (Hochschule für Musik Detmold), Angelika Silberbauer (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien), Hersilie Ewald und Sabine Jaschke (Luzerner Theater), Blanka Šiška (Hochschule Luzern – Musik)
Montag, 17. Februar 2014, 10.15 – 16 Uhr, Zentralstrasse 18 (Raum 429),
Eintritt frei und für alle Interessierten offen

www.hslu.ch/ethelsmyth

Kammermusikkonzert mit Werken von Ethel Smyth
Mit Studierenden der Hochschule Luzern – Musik
Konzerteinführung: Dr. Cornelia Bartsch
Montag, 17. Februar 2014, 18 Uhr, Saal Dreilinden, Eintritt frei

 

PRESSESTIMMEN

Regisseurin Hersilie Ewald, die ihre erste Regiearbeit abliefert, setzt ganz auf die Ausstrahlung und Wendigkeit ihrer jungen Darsteller. Sie hält das Spiel mit viel Komik und auch leiseren Momenten gut im Fluss. Ihre Personenführung ist schlüssig und betont immer wieder den Spielwitz der Vorlage. Unterstützt wird dies durch die Kleider im blau-weissen Marine-Look (Kostüme: Birgit Künzler). Die drei Sänger-Protagonisten gestalten ihre Partien intensiv. Als Harry Benn kehrt der Basler Tobias Hächler nach Luzern zurück. 2007 bis 2010 gehörte er als Bariton dem Ensemble des Luzerner Theaters an. Inzwischen hat er das Fach gewechselt und singt als Tenor. Den Bootsmann gibt er mit lyrischem Grundton, dunkel gefärbter Mittellage und gut fokussierter tenoraler Höhe. Die Figur legt er vielschichtig-ironisch an. Rundum überzeugend ist Alexandre Beuchat als Ned Travers. Der Bariton gefällt durch seine ebenmässige Stimme und viel Körpereinsatz. Sein Ned ist ein liebenswürdiger Charakter, der gewinnenden Charme versprüht. Die junge Sopranistin Anna Koväch als Mrs. Waters ist vor allem eine agile und einfühlsame Darstellerin, verleiht der Figur wo nötig anrührende Züge.

(Neue Luzerner Zeitung, 17. Februar 2014)

 

Die Handlung der Oper «The Boatswain’s Mate» gibt nicht allzu viel her. Dass man trotzdem gern dran bleibt an dieser Geschichte, liegt in erster Linie am jungen, dreiköpfigen Gesangsensemble. Anna Kovach, Tobias Hächler und Alexandre Beuchat zeigen eine hervorragende Leistung. Sie zeichnen die unterschiedlichen Charakterzüge der Hauptpersonen sehr präzise und überzeichnen diese auch an den richtigen Stellen. Und sie bleiben in der musikalischen Gestaltung sogar dann präzise, wenn sie über die langgezogene Bühne hetzen müssen. Der zweite Grund, warum einen die Oper in der Version des Luzerner Theaters packt, ist die Inszenierung. Sie geht mit dem Stoff relativ frei um, verlegt die Handlung von einem verschlafenen Pub auf dem Land auf ein Kreuzfahrtschiff. Das Publikum im UG sitzt quasi mitten in der Schiffsbar und ist bei dem temporeichen Geschehen unmittelbar dabei. Und noch mehr Schwung gibt es durch die eine oder andere Gesangsnummer im Stil von Max Raabe und seinem Palastorchester. Zu diesen absolut gelungene Anpassungen in der Luzerner Inszenierung gehört auch eine überraschende Schlusspointe, die alles in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Das Finale sorgt dafür, dass diese komische Oper einen tragischen Unterbau bekommt. «The Boatswain’s Mate» im UG des Luzerner Theaters ist nicht einfach eine Oper über eine starke Frau. Die Inszenierung zeigt auch, welche Abgründe sich aufmachen wenn man nicht über Tod seines Partner hinwegkommt und nicht fähig ist, zu neuen Ufern aufzubrechen. Und in diesen stürmischen Strudel lässt sich das Publikum gerne hineinziehen.

(Radio SRF 1, Regionaljournal, 16. Februar 2014)

 

Die Kellerbühne des Luzerner Theaters zeigt ein Lokal auf einem Kreuzfahrtschiff. Ein paar Tische und Stühle, grosse Bullaugen und eine Bar. Mrs. Waters sagt hier wo‘s lang geht. Eine forsche Frau, die weiss was sie will oder eben nicht will. Zum Beispiel will sie nichts von Mr. Benn, der sie leidenschaftlich umwirbt. Mr. Benn versucht sich mit Hilfe von seinem Kumpel Mr. Travers als mutigen Helden zu inszenieren und will so seine Angebetete rumkriegen. Sie aber durschaut den Trick und zum Schluss kommt alles ganz anders. Die drei Protagonisten spielen ihre Rollen sehr engagiert und die Inszenierung von Hersilie Ewald ist gespickt mit witzigen Details. (…)Die Komponistin spielt hier unter anderem mit Formen. So ist der erste Teil eher ein Singspiel mit Volksmusik-Zitaten, der zweite dann ein durchkomponiertes Musikdrama. Die Musik erinnert nicht selten an Deutsche Romantiker wie Brahms oder Carl Maria von Weber und das, obwohl sie aus den 1910er Jahren stammt. Viel zu selten sind die Opern von Ethel Smyth auf grösseren Opernbühnen zu sehen. Daher ist das Engagement der Luzerner Studenten sehr löblich.

(Radio SRF 2, Kultur kompakt, 17. Februar 2014)

 

Anna Kovach spielt die Kneipenchefin, Mrs. Waters. Mit den vier anderen Solistinnen und Solisten zeigt sie, dass viel Sehnsucht, Witz und Spielfreude in dieser Studentenproduktion liegt. Wie Matrosen ihre Fingernägel polieren, wie sich Dirigent Andrew Dunscombe einen Kurzauftritt als ausgezeichneter Dart-Spieler leistet und sich darüber so freut, dass er gleich noch federnder dirigiert. Wie überhaupt das junge Ensemble enormen Spass an der Musik hat, die so vielschichtig ist, wie ihre Komponistin es auch war. Eine Musik, die sich immer wieder auf Neues einlässt. Da klingt Brahms durch, auch Dvořák und auch Richard Strauss, und hat doch eine eigene, englische trockene-ironische Note. Schnell und voller Abwechslung.

(SWR2 Cluster, 15. Februar 2014)