Tanz 17: Cosa Nostra

UG

Tanz 17: Cosa Nostra

Tanzstück von Sandra Marín Garcia und Zoran Marković
Uraufführung
Premiere: 27. November 2014

Ein Labyrinth aus dunklen Gassen, Innenhöfe, die unverhofft zu Sackgassen werden, verrauchte Hinterzimmer, zwielichtige Spielhöllen und glamouröse Luxushotels – das ist die Welt der Mafiabosse und Gangsterbanden der 20er und 30er Jahre in Chicago und anderen amerikanischen Metropolen. Der aus der Prohibition hervorgehende Alkoholschmuggel macht die organisierte Kriminalität, deren berühmtester Zusammenschluss die berüchtigte «Cosa Nostra» ist, gesellschaftsfähig. Das Choreografen-Duo Sandra Marín Garcia und Zoran Marković lässt sich von den Motiven dieser Schatten- und Gangsterwelt für sein Stück «Cosa Nostra» inspirieren und macht sie zu seiner eigenen Sache. Das schlauchartige UG, das einst als Schiesskeller der Luzerner Stadtpolizei diente, verwandelt sich in einen Ort, der an die zwielichtige Aura der von Gangstern und Mafiabossen beherrschten Grossstädten zur Zeit der Grossen Depression erinnern wird.

So, ya wanna be a ganster? Dann die Borsalinos aufgesetzt, die Gamaschen geknüpft und ab ins UG!

Sandra Marín Garcia und Zoran Marković – beide ehemalige Tänzer unter anderem des renommierten Nederlands Dans Theater – sind keine Unbekannten in Luzern. Die Spanierin stellte sich in der vergangenen Spielzeit überzeugend in der Rolle der «Carabosse» in «Tanz 13: Dornröschen» vor. Seit 2012 ist sie als Choreografin tätig und zeigte mit Zoran Marković, Ballettmeister von «Tanz Luzerner Theater», bereits eine choreografische Zusammenarbeit mit der Dance Company Nanine Linning / Theater Heidelberg.

Empfohlen ab 10 Jahren

Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde, ohne Pause

Den Vorbericht zur Produktion in der Neuen Luzerner Zeitung finden Sie HIER.

 

PRESSESTIMMEN

Zeitweise kommt man sich im UG des Luzerner Theaters vor wie in einem Thriller. Zeitweise wird es auch ausschweifend wie in den damaligen «Speakeasys» in Chicago, wo die Mafia während der Prohibition hochkarätigen Alkohol ausschenkte. (…) Die hinreissende Theatralik von Cecilia de Madrazo Abad deutet an, wohin das Choreografen-Duo zielt: Vom Wimpernschlag bis zum wuchtigen Verteidigungsschritt wollen sie alle Bewegungsmöglichkeiten eines trainierten Tänzerkörpers nutzen. Diese sogar für Sekundenbruchteile einfrieren. So kommt eine spannungsgeladene, comicartige Novelle ohne Worte aus. Mit zuckenden Bewegungen simulieren die Tänzer eine Zugfahrt. In einer weiteren Szene versuchen Gangster weit hinten im Tunnel durch einen Schacht ans Licht zu gelangen. Schiebereien und Machtspiele spielen sich gleichzeitig bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen ab. Feierlich beleuchtet ist dagegen die sündige Party, bei der sich Mitglieder swingendem Charleston hingeben und mit Flaschen handeln. (…) Slapstickartig reiht sich ein starkes Bild ans nächste. Manchmal greifen sie auch ineinander. Der Sog wird durch das kunstvolle Zusammenspiel von Tanz, Musik und Licht ausgelöst. Für die Illusion wechselnder Locations reichen Illustrationen auf Spanplatten.

Neue Luzerner Zeitung, 29. November 2014

 

Es ist eine farbige Bilderpallette über Chicago in den 20er Jahren, die das Choreographen-Duo Sandra Marín Garcia und Zoran Marković zusammengestellt hat. Am Stärksten ist die Produktion, wenn es emotional hoch zu und her geht aber sie ist nicht immer ganz überzeugend, wenn es witzig sein sollte. Sie ist schwungvoll inszeniert, ohne Längen. Clever unterstützt von mobilen Kulissen-Elementen mit einfachen Strichzeichnungen, die einen von Ort zu Ort führen. Und während man sich locker durch die Szenen mittreiben lässt, taucht doch plötzlich ein Handlungsstrang auf, der emotionale Abgründe auftut. Im Mittelpunkt steht eine Frau, die sich an diesem harten kriminellen Umfeld aufreibt zwischen ihrer Sehnsucht nach Liebe und dem Zwang ihrer Beziehung zum Mafiaboss. Die Tänzerin Aurélie Robichon beeindruckt mit ihrer Rolle zwischen beengender Verzweiflung und befreiendem Ausbruch. Es ist diese Tiefe, die überzeugt und dem Tanzstück «Cosa Nostra» nach dem anfänglichen Eindruck von einer beliebigen Abfolge einen Sinn gibt.

Radio SRF1, 28. November 2014

 

Auf einer Schiefertafel wird jeweils darauf hingewiesen, wo sich die verschiedenen Szenen abspielen; in Chicago, in der 22nd Street, im Zimmer 201, bei «Gina’s». Die Kulissen sind einfache Platten, skizzierte Andeutungen in schwarz-weiss, beliebig verschiebbar, aber darum nicht weniger effektvoll. Die gekonnt eingesetzte Beleuchtung – mal grellweiss, mal diffus-neblig, dann dieses melancholische Strassenlampen-Orange – unterstützt die jeweilige Stimmung. Die Choreografen Sandra Marίn Garcia und Zoran Marković erzählen eine dichte, beklemmende Geschichte, das Tanzensemble setzt sie meisterhaft um: Eine Geschichte von Gewalt, Unterdrückung und Verbrechen. Das passiert alles mehr oder weniger lautlos, tänzerisch eben, ist dadurch aber nicht weniger unheimlich. Das kurze Augenzwinkern, die kleinen, amüsanten Einschübe täuschen nicht darüber hinweg, dass da die nackte Gewalt herrscht, der sich keine und keiner entziehen kann. Da wird bedroht, gefügig gemacht, geschlagen, heftig, direkt und brutal. Einmal mehr macht hier die Nähe der Tänzer im UG die Atmosphäre fast greifbar: Man hört ihren Atem, sieht die Schweissperlen auf ihren Gesichtern, hört die Körper auf den Boden knallen. Die Bilder, die die beiden Choreografen auf die Bühne bringen sind von einer Art kalten Schönheit. untermalt, begleitet und verstärkt werden sie von diversen Geräuscheffekten, das Brummen und Dröhnen der Grossstadt, das Rattern des Zuges und von den von Daniel Steffen arrangierten Musikstücken, von monoton düsteren Klängen bis zum rhythmisch-fröhlichen Charleston bei «Gina’s», von den sphärisch und gleichzeitig scharfen Klängen der Glasharfe bis hin zum melancholisch-traurigen „Una furtiva lagrima“ von Donizetti. Die spezielle Beleuchtung lässt mal nur die weissen Gamaschen der Tänzer aufblitzen, dann wieder taucht sie das ganze Ensemble in ein festliches Licht oder lässt die Gestalten vor dem dunklen Hintergrund nur schemenhaft erscheinen. Man leidet mit und spürt die Ausweglosigkeit der Situation.

Innerschweiz Online, 29. November 2014

 

Medical Partner: Sportmedizin St. Anna im Bahnhof

Tanz Luzerner Theater wird freundlicherweise unterstützt von den TANZfreunden Luzerner Theater und der Daria Nyzankiwska Dance Foundation.

 

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