Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde

UG

Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde

Monologe von Martina Clavadetscher, Verena Rossbacher und Ivna Žic
Uraufführung
Premiere: 17. Januar 2015

Wir haben die Hausautorinnen der vergangenen Spielzeiten gebeten, sich von dem Doppelwesen Jekyll / Hyde inspirieren zu lassen und jeweils einen Monolog zu schreiben. Martina Clavadetscher, Verena Rossbacher und Ivna Žic werden das Phänomen der inneren Spaltung auf ganz individuelle Weise aufgreifen.

Lange bevor Sigmund Freuds revolutionäre Thesen von der Macht des Unterbewussten das bürgerliche Selbstverständnis erschütterten, schuf Robert Luis Stevenson 1866 zwei Figuren, die zum Sinnbild der menschlichen Doppelnatur wurden. Der angesehene Dr. Jekyll experimentiert mit verschiedenen Medikamenten und verwandelt sich nachts in den finsteren Mr. Hyde. Getrieben von der Frage, ob das Gute und das Böse unabhängig voneinander existieren oder zwei Seiten einer Medaille sind, ist er bald nicht mehr Herr seiner Forschungen.

Im UG wenden wir uns in dieser Spielzeit drei Archetypen der Horrorliteratur zu: Frankenstein, Dr. Jekyll and Mr. Hyde, Dracula. Ungebrochen ist das Faszinosum dieser frühmodernen Anti-Helden, die Auseinandersetzung mit ihnen zielt auf den Kern der menschlichen Existenz. Sie künden von den Schattenseiten der Seele, von einem Reich jenseits der Vernunft und bieten eine Projektionsfläche für die Ängste des Zeitalters.

Der Regissseur Marc Wortel, geboren 1982 in den Niederlanden, absolvierte eine Schauspielausbildung an der Hogeschool voor de Kunsten in Arnheim und studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» in Berlin. Er inszeniert unter anderem am «bat»-Studiotheater in Berlin und am Hessischen Landestheater Marburg und ist ausserdem als Dramatiker und Drehbuchautor tätig.

PRESSESTIMMEN

«Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde» stülpt das Böse des Menschen ohne Rücksicht auf Verluste gegen aussen und zeigt dabei keinerlei Hoffnung auf das Gute: Aus drei Monologen, welche in die Tiefe der menschlichen Seele blicken lassen, resultieren vier Tote. Das Böse, vor allem gegen sich selbst, behält beständig die Oberhand. Das Leben verkommt dabei zum Schoppenhauerschen Trauerspiel, das vor Bejahung des Lebens strotzt, aufgrund der Qualen, deren sich die Protagonisten ausgesetzt sehen, aber im vergeblichen Selbst- bzw. Kindermord endet.

www.kulturteil.ch, 18. Januar 2015

 

Ziemlich frech ging der Regisseur bei der Umsetzung von Ivna Zics Text vor, indem er sich ungeniert bei Mummenschanz bediente und die Schauspieler im Schwarzlicht bis auf die Münder verschwinden liess. Die inneren Stimmen, welche Ida bedrängen und in den Suizid reden, sind damit hör- und auf gespenstische Weise sichtbar. Hörbar ist am Schluss auch das Warnsignal des herannahenden Zugs, aber nicht das Kreischen seiner Bremsen. Als makaberes Puppenspiel setzte Wortel den Text von Martina Clavadetscher um, der von einer Mutter handelt, die sich in die ihr innewohnende Bestie verliebt und zur Kindsmörderin wird. Eine grausige Geschichte, die kontrastiert wird vom herzig-kindlichen Puppenspiel. Als Schauspiel der herkömmlichen Art kommt die dritte Geschichte daher, in der alle drei Agierenden (Dagmar Bock, Juliane Lang und Clemens Maria Riegler) nicht nur schwarze Schattengestalten, sondern leibhaftig sichtbar sind. Verena Rossbachers Monolog erzählt die Geschichte eines Butlers, der sich für die Kränkungen und die jahrelange Missachtung seiner Dienstherren rächt. In Rückblenden wird die schöne Fassade der Banker-Familie demontiert, ihre bieder-bürgerliche Scheinheiligkeit und Oberflächlichkeit entlarvt. Bei deren Sturz hilft der Butler aktiv mit. Er setzt dem Banker-Gatten nicht nur Hörner auf, sondern sorgt auch aktiv für dessen Ruin.

Neue Luzerner Zeitung, 19. Januar 2015

 

Henry Jekyll ist ein erfolgreicher und hoch angesehener Arzt. Was jedoch niemand weiss: Er experimentiert im Geheimen mit verschiedenen Medikamenten und verwandelt sich jeweils nachts in den furchteinflössenden Edward Hyde. Die zwei Figuren, die für das Gute und das Böse im Menschen stehen, wurden vom schottischen Autor Robert Louis Stevenson erschaffen. Um die Novelle «Dr. Jekyll and Mr. Hyde» aus den 80er Jahren in die heutige Zeit zu versetzen stellt die Produktion des Luzerner Theaters eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Was passiert, wenn man aus Regeln ausbricht, welche die Gesellschaft vorgibt und sich so persönliche und verbotene Freiheiten herausnimmt? Der alltägliche Kampf gegen gängige Rollenbilder und Erwartungen werden in diesem Stück in drei Monologen beleuchtet. (…) Das Horror-Element der Vorlage wird in der Luzerner Inszenierung überzeugend umgesetzt. Vieles spielt sich im Dunkeln ab, es herrscht eine beklemmende Stimmung. Das dreiköpfige Schauspielensemble nützt den langgezogenen Raum des UG voll aus. (…) Es ist genau die Intensität der Worte in den Monologen, die «Strange Case(s) of Dr. Jekyll and Mr. Hyde» zu einem Theaterabend macht, der nachhallt.

Radio SRF1, 18. Januar 2015

 

Mit freundlicher Unterstützung der LANDIS & GYR STIFTUNG