Tanz 21: Bolero plus 2

Luzerner Theater

Tanz 21: Bolero plus 2

Choreografien von Didy Veldman und Idan Sharabi, «Bolero» von Stephan Thoss
Uraufführung
Schweizer Erstaufführung
Premiere: 24. März 2016

An diesem Tanzabend werden mit drei choreografischen Handschriften verschiedene Facetten zeitgenössischen Tanzes aufgezeigt.

Eröffnet wird das Programm mit einem neu erarbeiteten Stück der Niederländerin Didy Veldman, die sich mit ihrer anspruchsvollen und poetischen Bewegungssprache bereits einen Namen in der Tanzwelt gemacht hat. In ihrem Werk «360°», welches sie dem Luzerner Ensemble auf den Leib schneidert, setzt sich die in London ansässige Choreografin mit den Themen Kontinuität und Ewigkeit sowie diversen Natursymboliken auseinander. Passend dazu erklingen Antonio Vivaldis «Die vier Jahreszeiten», von Max Richter für das 21. Jahrhundert aufbereitet.

Der Nachwuchschoreograf Idan Sharabi stellte sein vielversprechendes Talent bereits bei zahlreichen internationalen Wettbewerben unter Beweis. Der Erste Preis des renommierten «Copenhagen International Choreography Competition» 2014 brachte ihm die Möglichkeit zu seiner Uraufführung «Songs» mit dem Luzerner Ensemble. Das Werk des jungen Israelis wird ein Tanzstück mit Männerbesetzung – kraftvoll, dynamisch und sexy!

Den letzten Teil des Abends bestreiten die Tänzerinnen des Ensembles. Sie erzählen eine Geschichte, bei der alles anders kommt als erwartet. Ruhig und idyllisch scheint die Welt der sechs betagten Damen, die sich in der Choreografie «Bolero» von Stephan Thoss zum Kaffeekränzchen treffen. Nachdem zuerst zu den Klängen von Max Raabes Palastorchester ausführlich liebgewordenen Gewohnheiten gefrönt wurden, bringt sich die Damenrunde mit Petits Fours und Maurice Ravels Komposition «Bolero» in Stimmung und beweist dabei überraschende Beweglichkeit. Vom Rhythmus mitgerissen zeigen die Frauen – bis hin zum explosiven Finale – welche Energie noch in ihren Körpern steckt. Am Ende tobt in dem altmodischen, abgenutzten Wohnzimmer das Chaos … Garantiert mitreissend!

Für einen kleinen Vorgeschmack geht's hier zum Youtube-Trailer.

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Empfohlen ab 10 Jahren

GESPRÄCH

Ausbruch aus dem Alltag

Ein Gespräch mit Stephan Thoss

 

Warum haben Sie für die Inszenierung von «Bolero» gerade ältere Damen als Charaktere entworfen?

Maurice Ravels «Bolero» wurde bereits unzählige Male vertanzt, meist mit den ewig gleichen Bildern von lasziver Erotik. Ich hatte einfach Lust, die leidenschaftliche Hingabe und gewaltige Steigerung, die in der Musik steckt, nicht schon wieder mit Jugendlichkeit und rassiger Schönheit zu assoziieren. Plötzlich hatte ich da ein Kaffeekränzchen älterer Damen vor Augen: In einer scheinbar ruhigen und idyllischen Welt treffen sie sich regelmässig, aber dennoch heimlich, mit all ihren Gewohnheiten. Die zunächst behäbige Damenrunde bringt sich mit Süssigkeiten wie Petits Fours in Stimmung, um dann von Ravels Rhythmus in Schwung und totale Ausgelassenheit mit überraschender Beweglichkeit mitgerissen zu werden – das ewig junge Ritual der Geburt der Bewegung aus dem Geist der Musik.

Welche Rolle nimmt der Humor in Ihrer Inszenierung ein und inwiefern wollen Sie dem Humor tänzerisch Ausdruck verleihen?

Die sechs Damen haben alle persönliche, mitunter recht bizarre Eigentümlichkeiten, die natürlich in der Choreografie herausgearbeitet und noch verstärkt werden. Dabei machen wir uns nicht etwa lustig über ältere Menschen, sondern diese liebenswerten «Ömchen» bringen uns zum Schmunzeln, gerade mit der Ernsthaftigkeit, mit der sie an die Sache herangehen und sich hineinstürzen. Es entfaltet sich ein geradezu körperlicher Witz, der durch choreografische Mittel wie Monobewegungen, unterschiedliche und verschobene Dynamiken sowie schauspielerisches Talent erreicht wird. Jede der Damen ist eine Persönlichkeit, die wir mit Respekt behandeln; im Grunde ist es ein Aufruf, die geheimen Wünsche und Träume auszuleben, ob versteckt im eigenen Wohnzimmer oder offen auf der Straße – eine Nische zu finden, wo dies möglich und machbar ist und es dann unbedingt zu tun.

Verraten Sie mir etwas darüber, wie man sich die Bühne und die Kostüme im Stück vorstellen kann?

Dieses Treffen findet in einem veralteten, schon etwas abgenutzten Wohnzimmer statt, mit Sitzgruppe, Stehlampe, Wanduhr, Schallplattenspieler und so weiter. Und auch die altbackenen Wollkostüme der Damen mit Pantoffeln und Hütchen haben ihre besten Tage bereits hinter sich – so bietet ein traditionelles Wohnzimmer den konservativen und vertrauten Rahmen für diesen ungewöhnlichen und unerwarteten Ausbruch aus dem Alltagsleben.

 

Welche Rolle spielt für Sie die Musik in einer Choreografie?

Ich suche für meine Arbeiten nach Musik, die mich möglichst vom ersten Moment an fesselt, die Besitz von mir ergreift, mich wie eine Art Netz umschließt und nicht mehr loslässt. Ich lasse mich von ihr führen und lenken und versuche sichtbar zu machen, was beim Hören vor meinem inneren Auge entstanden ist.

 

PRESSESTIMMEN

Die Bewegungen sind extrem präzise, detailliert und hochmusikalisch. Innig vereinen sich Bewegung und Musik und die TänzerInnen überlassen sich diesem Zusammenspiel wunderbar. So lange die Choreografie in diesen abstrakten Bildern bleibt, sich immer neu strukturierten Formationen hingibt und die Bewegung ins Zentrum stellt, schafft sie eine Spannung und Intensität, die die volle Aufmerksamkeit des Publikums verlangt und auch gewinnt. (...) Noch eingeschlossen in die ätherischen Welten von «360°» wirkt die Direktheit von Idan Sharabis «Songs» gleich doppelt irritierend. Fünf Tänzer in Jeans und bunten T-Shirts treten einzeln an den Bühnenrand, grinsen oder starren ins Publikum. «Wer bist Du? Woher kommst Du? Willkommen!», fragt jeder in seiner eigenen Sprache und stellt sich vor. Um Identität geht es hier, um Fremdsein, um Zusammengehörigkeit und Individualität. Zu einer Songcollage verausgaben sich die jungen Männer. Sie treten zwar in einer Gruppe auf, fallen letztendlich jedoch immer wieder auf sich zurück, denn die Bewegungssprache bleibt auf den eigenen Körper bezogen. (...) Thoss verdreht, karikiert, wirkt in seiner Tanzsprache manchmal nahezu grotesk und ist dabei doch so menschlich, feinfühlig und respektvoll. Das Schweizer Publikum kann es der Luzerner Tanzdirektorin Kathleen McNurney nur danken, dass sie dieses kluge und so unterhaltsame Werk (Bolero) mehr als 15 Jahre nach seiner Entstehung endlich in die Schweiz geholt hat.

tanznetz.de, 29. März 2016

 

Das doch relativ kleine Tanzensemble des Luzerner Theaters hat es einmal mehr gewagt, drei verschiedenen Choreografien einzustudieren und diese mit «Bolero plus 2» am letzten Donnerstag zur Première zu bringen. Und verschieden sind sie, die drei Stücke, so unglaublich verschieden, dass man sich fragt, ob das jeweils dieselben Tänzerinnen und Tänzer sind, welche da auf der Bühne agieren. (...) Üblicherweise assoziiert man den getanzten Bolero mit lasziver Erotik. Nicht so bei Thoss. Hier treffen sich sechs ältere Damen in einem leicht veralteten Wohnzimmer zum Kaffeekränzchen. Nur die knallroten Requisiten nehmen das Thema Erotik auf. Es ist wohl noch selten bei einem Ballett so viel gelacht worden wie in den Eingangsszenen dieses Stücks. (...) Ravels Bolero als Befreiungsschlag und gleichzeitig als krönender Abschluss eines überaus gelungenen, spannenden Abends.

innerschweiz online, 26. März 2016
 


Die erste Choreografie von Didy Veldman «360°» beschäftigt sich angeblich mit «Kontinuität, Ewigkeit und diversen Natursymboliken». Wo der Beschrieb grosse Worte kostet, kommt die Choreografie ganz ohne Angeberei aus. Sie ist leise, feinfühlig, poetisch. Zu den vier Jahreszeiten von Max Richter bewegen sich zuckende Leiber und kreisen, stossen ab, finden zueinander, sind ein Menschenknäuel, ein Frühlingsgewitter, ein Balztanz. (...) Besonders faszinierend ist die Präzision der Choreografie: Ein langer kreisender Stab zeichnet von oben herab stetig Zirkel um die Tänzer, sie binden diesen geschickt ein, ignorieren ihn, umtanzen ihn, ohne dass es je nach einem grossen Effort aussieht. Es ist ein leiser Einstieg in einen gelungenen Abend (...), der das Publikum an die Hand nimmt, und sachte in neue Welten führt. Dass gerade alle Ebenen, das Feinfühlige, Leise und das Laute, Lustige, so gut miteinander funktionieren, ist nicht zuletzt auch dem Ensemble zu verdanken. Die Tänzerinnen und Tänzer haben wirklich gezeigt, wie wandelbar, flexibel und facettenreich sie unterwegs sein können.

kulturteil.ch, 25. März 2016

 


Die Tanzenden vollbringen Pirouetten im Lichtkreis. Mehr und mehr erweitern sie ihren Radius. Während einige kurz aus dem Blickfeld entschwinden, zeigen sich andere zum Pas de deux. In solchen Momenten dreht sich Paul schneller oder langsamer. (...) Jetzt schickt der deutsche Choreograf Stephan Thoss «alte» Tanten auf die Bühne des Luzerner Theaters - ausgerechnet zu Maurice Ravels «Bolero». (...) Nach und nach erinnern sich ihre Gelenke an gute alte Zeiten. Immer schön in Bodennähe entwickeln sie ein Bewegungsvokabular, das natürlich nur von den Tänzerinnen des Luzerner Theaters vollbracht werden kann. Diese jungen Virtuosinnen mit Perücken in alten Kostümen: ein mitreissendes Experiment.

Neue Luzerner Zeitung, 26. März 2016

 

Die fünf Damen machen zu Beginn noch alle einen äusserst strengen Eindruck, ziehen sich brav und bieder ihre Hausschuhe an, sobald sie die Wohnung betreten. Langsam – zusammen mit dem Crescendo des «Bolero» – kommen sie aber aus sich heraus und tanzen sich frei von ihren Einschränkungen. Trotzdem bleiben sie, auch in vollem tänzerischem Schwung, in ihrer je eigenen Bewegungssprache erkennbar. Das ist nicht nur bemerkenswert gut gemacht, sondern kreiert auch eine Art Witz, die nicht auf billige Pointen setzt, sondern aus den Widersprüchen der Charaktere und der Handlung heraus entsteht. Auch wenn in Richtung Groteske geht, es ist ein liebevoller Humor, der sich durch das Stück zieht. Und ein Humor, der eingebettet ist in viele kleine Details, die die Choreografie zu einem stimmigen Ganzen machen.

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 26. März 2016

 

Half plant, half elves the dancers spin a web about life & death enchanting the audience and bringing more than one person to tears. (...) The male dancers seem to have great fun in breaking down the fourth wall and directly engaging with the audience. (...) The last piece is the famous Bolero by Ravel revisited by Stephan Thoss. The music is well known but the set is an old ladies’ recreation centre, blending humour and dexterity this piece manages to blow fresh wind into this iconic piece. The female members of the ensemble manage to convey the humour and pathos of the poece brilliantly finishing with, of course, a fabulous climatic ending, which got the audience onto their feet. Overall it was a thoroughly entertaining evening and Kathleen McNurney continues to invite wonderful choreographers to work with her house ensemble. We are thrilled to know that she will remain as «Dance House Director» under the stewardship of new Theatre Director Benedikt von Peter.

living in luzern, 3.April 2016

 

Zum Muttertag

8. Mai 2016: Muttertag am Luzerner Theater

An alle Muttis und die es sonst verdient haben: Im Anschluss an die Vorstellung «Tanz 21: Bolero plus 2» bleiben Sie am besten noch zu einem gemütlichen Beisammensein im Foyer. Unsere Gastronomie bleibt im Anschluss an die Vorstellung geöffnet und bietet die Möglichkeit Kaffee und Kuchen zu beziehen. Vielleicht haben Sie auch Lust ihr Familienportrait aufzufrischen: Wir planen eine Fotoecke ganz im Bolero-Wohnzimmer-Stil.

 

 

Wir danken für namhafte Unterstützung dieser Produktion:

Partner:

tgsarchitekten

Gönner:
Peter Bucher, Sarnen/Luzern
Anita und Kuno Kennel, Arth
TANZfreunde Luzerner Theater
Daria Nyzankiwska Dance Foundation

Medical Partner: Sportmedizin St. Anna im Bahnhof