Tanz 10: Romeo und Julia

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Luzerner Theater

Tanz 10: Romeo und Julia

Ballett von Matjash Mrozewski mit der Musik von Sergej Prokofjew
Nach der Tragödie von William Shakespeare
Premiere: 28. September 2012

Die beiden jungen Liebenden Romeo und Julia, die wegen der unerbittlichen Fehde ihrer Familien nicht offen ihre gegenseitige Liebe leben können, kämpfen gegen ihr Schicksal. Romeos Versuch, der feindlichen Partei freundschaftlich die Hand zu reichen, endet im Tod seines Freundes Mercutio. Romeo wird nun selbst zum rächenden Mörder und muss fliehen. Das Unglück nimmt seinen schicksalhaften Lauf und gönnt den Liebenden allein die Vereinigung im Tod.

Das Schicksal Romeo und Julias hat, seit William Shakespeare ihre Geschichte 1597 auf die Bühne hob, unzählige Künstler zu Neudeutungen und ­Übertragungen in andere Genres angeregt. Und so verwundert es fast, dass Sergej Prokofjews Komposition von 1935 das erste abendfüllende Ballett über den Stoff ist. Seine meisterhafte Verbindung von melodischer Vielfalt und psychologischer Klarheit macht das Werk zu einer der grossartigsten Ballettmusiken des 20. Jahrhunderts, wobei ihre enorme rhythmische Komplexität eine ständige Herausforderung für Orchester und Tänzer darstellt.  

Der Kanadier Matjash Mrozewski zeichnet sich vor allem durch seine choreografische Vielseitigkeit aus. Mit seiner Interpretation des Dramas führt er uns in eine unvergängliche und allgemeingültige Welt, in der Schwarz-Weiss-Denken keinen Platz findet. Der Fokus liegt auf der deutlichen Charakterisierung der beiden Hauptfiguren: Romeo, zu Beginn ein verträumter Poet, findet im Laufe der Geschichte seine Bestimmung. Julia, zunächst naiv und unschuldig, entwickelt sich zu einer mutigen und selbstbewussten jungen Frau.

Unter der musikalischen Leitung von Michael Wendeberg spielt das Luzerner Sinfonieorchester.

Lesen Sie hier den Vorbericht in der Neuen Luzerner Zeitung.

GESPRÄCH

Choreograf Matjash Mrozewski inszeniert mit «Tanz Luzerner Theater» zum ersten Mal die alte Geschichte vom wahrscheinlich berühmtesten Liebespaar der Weltliteratur – Romeo und Julia. Ein Gespräch mit Dramaturgin Lucie Machan.
 

Das abendfüllende Ballett «Romeo und Julia» wurde in den letzten Jahrzehnten in zahlreichen Versionen getanzt, darunter die wohl berühmteste und Aufsehen erregende Stuttgarter Fassung von John Cranko aus dem Jahre 1962. Worin liegt die immer noch anhaltende Faszination für diese tragische Geschichte?
 

Das Theaterstück von William Shakespeare ist in einer überaus reichen Sprache geschrieben und wird von tiefem, schmutzigem Humor als auch wunderschöner Poesie getragen. Wir alle sind bezaubert von dieser Vision einer grossen Liebe und vollständigen sexuellen Anziehung, die zu schön und perfekt ist, um in unserer Welt zu bestehen. Es ist auch heute noch aufregend zu sehen, wie diese leidenschaftlichen, jungen Menschen gegen die Normen der Gesellschaft und ihrer Familien rebellieren. Denke ich an das Ballett «Romeo und Julia», denke ich vor allem an die wunderbare, zeitlose Musik Prokofjews, die das gesamte Drama umfasst und keinerlei Ergänzungen bedarf. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Michael Wendeberg und dem Luzerner Sinfonieorchester.
 

Die verfeindeten Veroneser Familien Montague und Capulet sind der Ausgangspunkt des Dramas. Spielt für dich das Motiv des Kampfes zwischen Jung und Alt, zwischen den Generationen von Kindern und Eltern eine tragende Rolle?
 

Dieses Motiv spielt eine Rolle, ist für mich jedoch nicht der spannendste Aspekt. Mich interessiert am meisten der Kontrast von Liebe und Sexualität einerseits und von Gewalt und Tod andererseits. Es fasziniert mich, dass dieses junge und mutige Mädchen Julia Massnahmen ergreift, die jenseits ihrer Grenzen liegen. Sie ist die treibende Kraft des Stückes. Der Ausgang der Geschichte stimmt mich vor allem nachdenklich, da all die jungen und dynamischen Veroneser tot sind, während die ältere Generation noch am Leben ist und auf das Ergebnis ihrer Zwietracht schauen muss.
 

Du arbeitest mit  Dominique Drillot und Isabelle Lhoas bereits seit mehreren Produktionen zusammen – ein eingespieltes Team also. Wie gestalten sie Bühne und Kostüme?
 

Beide Elemente stellen eine Beziehung zur Vergangenheit her, möchten aber trotzdem ein Gefühl der Zeit- und Ortlosigkeit hervorrufen. Dominique Drillot verweist mit seinem Konzept der Bühne oftmals auf Shakespeares theatrale Welt und auf eine mittelalterliche Stadt, ohne dabei spezifische Erkennungsmerkmale zu fixieren. Das Bühnenbild wirkt wie der vage Entwurf einer Zeichnung, unfertig, deutet jedoch auf Reichtum, aber auch auf Ruin hin. Die Kostüme von Isabelle Lhoas spiegeln zeitgenössisches Bewusstsein sowie historische Zitate wider. Die Tänzerinnen und Tänzer wirken nicht „ verkleidet“ , sondern erscheinen uns natürlich gekleidet. Es wird mehrere Umzüge geben, da das Konzept drei verschiedene „Looks“ verlangt – welche, werde ich hier noch nicht verraten …

PRESSESTIMMEN

«Diese vielen Figuren werden nicht nur oberflächlich skizziert, sondern plastisch gezeichnet. Aufgrund von klassischem Tanz – allerdings nie auf Spitzen – mit starker Zusatznote neuerer, oft sehr origineller Bewegungen, die Agilität und Athletentum verlangen. Was der kanadische Choreograf Matjash Mrozewski und das kleine Luzerner Ballett unter der künstlerischen Leitung von Kathleen McNurney geschafft haben, grenzt an ein Wunder. (…)
Zwölf fest engagierte Tänzerinnen und Tänzer, zwei Hospitierende, ein Allrounder als Gast – so wenig Leute, und trotzdem sind alle wichtigen Rollen doppelt einstudiert worden. Bei der Uraufführung tanzten Chiara Dal Borgo und Davidson Farias das Liebespaar, er ein leidenschaftlich verspielter Südamerikaner mit dem Körper eines schönen Gassenjungen, sie eine eher herbe, aber ausdrucksstarke und wagemutige Italienerin. Die Balkonszene gelingt den beiden wunderbar. (…) Erheiternd die Rolle der Amme (Rachel Lawrence), einfühlsam jene des Pater Lorenzo (Luca Signoretti). Stark gestrafft wurden die Schlussbilder mit den (schon bei Shakespeare) gar vielen Toten und schließlich Julias Begräbnis. Matjash Mrozewski verzichtet in seiner Choreografie auf Dolchstiche in den Sterbeszenen, lässt dafür Gift wirken. Auch im berühmten, tödlich endenden Streit zwischen dem verspielten Mercutio (Bert Uyttenhove) und dem sturen Tybalt (Ihsan Rustem) im 2. Akt werden keine Degen gezückt wie sonst üblich. Entsprechend virtuose Fechtszenen, wie wir sie seit der wegweisenden Choreografie von John Cranko gewohnt sind, entfallen. Stattdessen wird der Kampf handgreiflich geführt. Aber auch das wirkt völlig überzeugend in dieser verblüffenden ‹Romeo und Julia›-Aufführung in Luzern.»
tanznetz.de, 1.10.2012 

«Denn die Choreografie von Matjash Mrozewski unternimmt den eigentlich naheliegenden Versuch, ein klassisches, eben linear erzähltes Handlungsballett mit dem Vokabular des zeitgenössischen Tanzes nachzuerzählen. Naheliegend ist das schon deshalb, weil dadurch so hochkarätige Ballettmusik wie eben die von Prokofjew zum Stück von Shakespeare ins Repertoire genommen werden kann - und das live gespielt vom Luzerner Sinfonieorchester, das unter der Leitung von Michael Wendeberg die gewalttägigen Rhythmen wie die traumentrückten Farben der Partitur pointiert herausstellte. Schon musikalisch liess das keine Wünsche offen, und der lange Schlussapplaus bestätigte, wie sehr das beim Publikum ankommt. (…) Natürlich ist die Bewegungssprache so zeitgenössisch, wie man es vom aktuellen Tanzensemble des Theaters kennt. Für die grossen Szenen der Leidenschaft und Verzweiflung des berühmtesten aller Liebespaare werden die Bewegungen auch mal bis an die physischen Grenzen gedehnt und verschraubt. Aber dass selbst expressive Verrenkungen, mitunter zugespitzt und versteinert zum skulpturalen Schrei, immer sinnliche Verführungskraft ausstrahlen, liegt nicht nur an der fantastischen Leistung von Davidson Farias und Chiara Dal Borgo, die als Romeo und Julia Kraft mit weich fliessender Geschmeidigkeit verbinden. (…) Mit den hochkarätigen tänzerischen Leistungen des Ensembles erlaubt all das eine Charakterisierung der einzelnen Rollen, die Shakespeares weitläufiges Figurenarsenal bis in Nebenrollen erstaunlich übersichtlich und greifbar macht.»
Zentralschweiz am Sonntag, 30.9.2012 

«Mrozewskis Choreographie verbindet einfallsreich neoklassische Elemente, etwa beim Ball im Hause Capulet, mit dem Bewegungsrepertoire des zeitgenössischen Tanzes. Er gibt jeder Figur klares individuelles Profil und zeichnet überzeugend die Entwicklung Romeos und Julias nach. Während die Kampfszene zu Beginn noch etwas pauschal gelöst ist, füllt er die Zweikämpfe des zweiten Akts mit grosser Spannung. Die komische Figur der (hier noch sehr jungen) Amme charakterisiert er mit groteskem, nie billigem Humor und Rachel Lawrence gibt die Figur mit viel Witz. Überhaupt tanzt in Luzern ein technisch versiertes, hochmotiviertes Ensemble ohne Schwachstellen. Chiara dal Borgo wirkt als Julia zunächst noch etwas verhalten, gibt der Figur aber zunehmend fragile Intensität. Davidson Farias ist ein verträumter, dann zunehmend verzweifelter Romeo. Cecilia de Madrazo zeigt Gräfin Capulet mit eleganten klassischen Linien und packt in ihrer geradezu archaischen Trauer um den toten Neffen Tybalt. (…) Die Zuschauer reagierten begeistert. ‹Romeo und Julia› dürfte zum Publikumsrenner werden.»
sda, 29.9.2012 

 


Produktionssponsor:

Produktionssponsor TGS Architekten

 

Medienpartner: Radio Pilatus

 

Tanz Luzerner Theater wird freundlicherweise unterstützt von den TANZfreunden Luzerner Theater und der Daria Nyzankiwska Dance Foundation.