Orpheus. Factory.

UG

Orpheus. Factory.

Eine elektronische Kammeroper für vier Schauspielerinnen und Schauspieler von Jacob Suske
Uraufführung
Premiere: 29. August 2015

Warum drehtest du? / Warum blicktest du zurück? / Warum zögertest du diesen Moment lang?

Orpheus, der erste Sänger der Menschheit, der erste Künstler überhaupt und der erste Bohemien. Orpheus ist der Weltverwandler; der, dessen Kunst die Bäume belaubt, die Sonne aufgehen lässt, die wilden Tiere und sogar die wilden Mächte der Unterwelt besänftigt. Eurydike ist die Geliebte, die, von der Schlange in den Fuss gebissen, Orpheus in den Tod vorangeht. Orpheus steigt ins Totenreich hinab, um den Mächten der Unterwelt die Geliebte durch seine Kunst abzuschmeicheln, was auch gelingt. Die Bedingung: Blicke nicht zurück! Orpheus bricht das Gebot. Sein Blick zurück verurteilt Eurydike endgültig zum Tode. Orpheus und Eurydike, das erste Künstlerpaar. Er der Überlebende, sie das Opfer. Er verwandelt Schmerz in Kunst. Sie schweigt und stirbt.

Der erste, der von Orpheus erzählt, war Vergil. Ovid berichtet von ihm in seinen «Metamorphosen». Bis in die Gegenwart ist der Mythos von Orpheus ein Bild für den Künstler schlechthin und Inspiration für zahlreiche Adaptionen von bedeutenden Komponisten wie Monteverdi und Gluck über Schriftsteller von Dante bis Rilke bis hin zu Filmemachern wie Jean Cocteau.

Jacob Suske, geboren 1980 bei Graz, studierte zunächst Jazz in Bern und Luzern und nahm Unterricht am Bass Collective in New York. Als Theaterkomponist arbeitete er u. a. an der Schaubühne Berlin, dem Schauspiel Frankfurt, Residenztheater München, Thalia Theater Hamburg, Theater Basel und bereits mehrfach am Luzerner Theater. Als Bassist spielt er u. a. mit Bonaparte, One Shot Orchestra, Lunik oder Sophie Hunger, produziert Künstler wie Kutti MC, Lily Yellow. Er unterrichtete als Gastdozent am Mozarteum Salzburg und an der Jazzschule Luzern. Zurzeit arbeitet er an seinem Soloprojekt Zachov und ab der Spielzeit 2015/16 als Mitglied im Leitungsteam des Schauspielhauses Wien.

Einen Einblick vorab erhalten Sie mit diesem youtube-Trailer.

PRESSESTIMMEN

Jacob Suske – der für Konzept, Inszenierung und Musik steht – bleibt somit dem klassischen Sinne des Mythos' treu, denn Tragisches und Erhabenes küsst Komisches und Satirisches. Und wie! Die elektronische Musik und die tiefsinnigen Texte ziehen sofort in den Bann. Die Videoprojektionen, Lichtwechsel, Nebel, Geräusche sorgen dafür, dass man auch schön da bleibt. Durch dieses Zusammenspiel entsteht ein Sog, aus dem man sich als Zuschauer auch gar nicht wirklich befreien mag. Was dieses Stück an Inhalt zu bieten hat, übertrifft wirklich sämtliche Erwartungen. Noch nie war Verzweiflung schöner und ja doch – ‹geiler›.

Luzerner Rundschau, 4. September 2015

 

Jacob Suskes Orpheus durchlebt in den Grundzügen die althergebrachte Geschichte – er verliert seine Muse, will sie zurückholen und scheitert. Doch Suske hat um diesen Knochen viel Fleisch gepackt, seine Arbeit ist detailverliebt und frech (…) Jacob Suske hat ein rasantes, freches, witziges Werk geschaffen, das auch Plattform für Kritik ist und Raum zum Nachdenken lässt. Video, Musik und Bühnenbild sind fruchtbarer Nährboden für die Figuren, die alle dank ausgezeichneter Schauspieler durchgängig stimmig sind.

Kulturteil.ch, 31. August 2015

 

Die Produktion von Jacob Suske ist eine Art Parodie auf den Kunstmarkt. Künstlerinnen und Künstler und Kuratoren sind auf der Suche nach dem neusten Hype, der sich teuer verkaufen lässt. Was diese Maschinerie mit dem einzelnen Künstler und seinem Umfeld macht, diese Frage steht im Zentrum der Kammeroper. Die Kammeroper schafft mit der sorgfältig auf die Worte abgestimmten Musik eine Atmosphäre, die einen besonderen Sog entwickelt. Zwar muss sich die Inszenierung an ein paar Stellen den Vorwurf der Effekthascherei gefallen lassen. Aber letztlich ist dies auch ein Tritt ans Schienbein des Kunstbetriebs.

Radio SRF1 Regionaljournal, 30. August 2015

 

Jacob Suske lässt die Geschichte im aktuellen Kunstmilieu spielen. Orpheus ist als Künstler eine taube Nuss, vom Kunstmarkt gekauft und sich selbst überschätzend. Alles, was er als Künstler erreicht hat, hat er Eurydike zu verdanken, seine kreative Quelle, die er rücksichtslos ausbeutet. Eurydike zerbricht an der Situation, wird schwer depressiv und bringt sich schliesslich um. Die Galeristin macht dem selbstmitleidig trauernden Künstler Beine, damit er seine Muse wieder zurückholt und damit sein Marktwert nicht in den Keller saust. Nach schleppendem Beginn als Beziehungsstück entwickelt sich die Oper zur Farce über Künstlertum und Kunstbetrieb. Ironie ist mit im Spiel (der Weg in die Unterwelt führt über die Kapellbrücke) und natürlich Musik, die für dramatische Stimmung sorgt und die Tragödie begleitet.

Neue Luzerner Zeitung, 31. August 2015

Jacob Suske und Rodja Galli im Gespräch mit Carmen Bach

Was verbindet euch beide? Welche Verbindung habt ihr zu Luzern?

Rodja: Der Interregio Luzern-Bern. Einer an der Jazzschule, einer an der Kunstschule, wir kannten uns schon aus Bern, haben uns aber dann in Luzern erst so richtig angefreundet. Wir kennen uns über gemeinsame Freunde und dann sind wir gemeinsam jeden Abend im Zug nach Bern gefahren, haben Bier getrunken und Bücher und CDs ausgetauscht. Wir haben dann auch in Nacht-und-Nebel-Aktionen per Siebdruck CD-Covers für Bands gemacht, in denen Jacob gespielt hat.

 

Wohin hat es euch nach eurem Abschluss verschlagen?

Rodja: Erst war ich in Berlin, jetzt arbeite ich als freier Illustrator und Künstler in einem Gestaltungsbüro in Bern, das wir vor etwa drei Jahren gegründet haben. Da machen wir visuelle Auftritte von Kulturinstitutionen, Partyreihen, Kneipen. Auf der eigenen Schiene werden die Arbeiten aber auch immer freier, es sind viele Kunstprojekte dabei.

Jacob: Nach dem Abschluss, als ich mit Lunik gespielt hatte, bin ich nach Berlin gegangen, mit der Absicht Theatermusik zu machen. Mein Leben hat sich dann mehr in Richtung Theater verlagert und dann bin ich durch den ganzen deutschsprachigen Theaterraum gereist.

 

Woher stammt die Idee zu dem Orpheus-Projekt? Warum die Zusammenarbeit? Warum Luzern? Wie kam es zum Projekt?

Jacob: Ich wusste um Rodjas Theateraffinität. Bei der nächsten Gelegenheit wollten wir gerne zusammenarbeiten, das hat sich in Luzern dann angeboten. Ich hatte ein Konzept zu einem Liederabend, das ich in Salzburg am Mozarteum bereits schon einmal realisiert hatte und das ich gerne in Luzern mit dem Ensemble machen wollte. Als dann klar war, dass ich das in Luzern machen würde, hat mich der Liederabend gar nicht mehr so sehr interessiert, ich wollte eher eine konzeptuelle, inhaltlich zusammenhängende Arbeit machen, eine Geschichte erzählen.

 

Gibt es einen Grund weshalb ihr das gerade in Luzern gemacht habt?

Jacob: Es war das Haus, zu dem ich die meiste Bindung hatte, wo ich am meisten gearbeitet habe und wo das gegenseitige Vertrauen am allergrössten war. Und man hat mir auch nirgends so viel Freiheit für eine eigene Produktion ermöglicht und ich wusste, dass das hier gut aufgehoben ist.

 

Weshalb sollte man sich „Orpheus. Factory.“ anschauen? Was ist speziell, besonders an diesem Abend?

Jacob: Es gibt auf jeden Fall Sex, Drugs and RocknRoll.

Rodja: Wir wagen uns beide in ein Territorium, in dem wir präsent sind, aber noch nie was Eigenes gemacht haben. Wir können jetzt zeigen, das können wir. Wir können beide zum ersten Mal schöpferisch tätig sein.

Jacob: Bisher war ich als DJ, Solo, mit Bands oder als Theatermusiker in Luzern unterwegs. Jetzt als Regisseur einen eigenen Abend stemmen zu können ist schon eine besondere Erfahrung, meine Musik direkt ohne Regisseur als Zwischeninstanz vermitteln zu können. Meine kreative Arbeit ist kein persönlicher, singulärer Output, sondern das Gesamtprodukt eines Teams. Diese Produktion vereint das Beste aus allen Welten. Eine starke visuelle Komponente kombiniert mit Musik, die im Kontext von Oper so auch noch nicht gehört wurde. Und die Uminterpretation von Oper überhaupt. Oper ist etwas Pathosbehaftetes, es geht darum, dass man Oper entschlackt und entstaubt, als Vehikel der Geschichte nutzt und nicht als gegebenes, formgebendes Medium, sondern es geht darum eine Geschichte zu erzählen und wir füllen das mit unseren eigenen Mitteln. Dieses Stück ist ein Kind unserer Generation, es ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stoff, nicht so formal, wie es die Oper oftmals ist. Es ist eine Collage, die sich aller Medien bedient, die nur funktioniert, wenn alles am Ende zusammen kommt auf der Bühne. Und Theater ist doch der Ort, wo alle Kunstformen zusammenkommen und alle Komponenten tragen zum Gesamtwerk bei.