La Cenerentola

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Luzerner Theater

La Cenerentola

Komische Oper in zwei Akten von Gioacchino Rossini
Text von Jacopo Ferretti, nach Charles Perrault
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere: 02. Juni 2013

Ein Prinz auf Brautschau, ein Familienvater in finanzieller Not, den Freuden des ­Alkohols gleichwohl nicht abgeneigt, drei Schwestern unter Supermodel-Konkurrenzdruck, ein Kammerdiener auf Schauspiellehrgang und ein Philosoph als ­Lebensberater und Krisenmanager – das sind die Ingredienzien der Opera buffa «La Cenerentola ossia La bontà in trionfo».

Der Textautor Jacopo Ferretti orientierte sich auf der Suche nach einem geeigneten Komödiensujet für den Komponisten Gioacchino Rossini an dem Märchen «Aschenputtel» in der Version von Charles Perrault (1697), arbeitete die Vorlage aber – auch nach Ideen seines Kollegen Francesco Fiorini – entscheidend um. So konzentrierte er sich unter Verzicht auf alle übernatürlichen Elemente weniger auf die Suche des Prinzen nach der passenden Frau fürs Leben, als vielmehr auf die Ausarbeitung profilierter Nebenfiguren, die neben dem eher naiv-sentimental gezeichneten Hauptpaar die eigentliche Komik in bester Commedia-dell-arte-Manier übernehmen.

Rossini schrieb zu dieser turbulenten Screwball Comedy, die dramaturgische Raffinesse und szenischen Witz mit romantischem Zauber verbindet, eine abwechslungsreiche, bunte Musik, die einerseits den Spass an der Klamotte genüsslich zelebriert, andererseits aber auch den Momenten echt empfundener Gefühle ­grosse Aufmerksamkeit schenkt. So zählt dieses Meisterwerk, das die anspruchsvollste, vielseitigste Koloraturpartie im Schaffen des Komponisten enthält, zu den unbestrittenen Höhepunkten der Gattung.

 Pingpong ist ein Spiel: Ein Ball geht rasant hin und her zwischen zwei Gegnern, die versuchen, sich gegenseitig auszutricksen. Das ist in einer guten Komödie nicht anders. Der britische Regisseur Sam Brown fügt am Luzerner Theater beides zusammen und lässt dazu noch virtuos singen. Seine Inszenierung der komischen Oper «La Cenerentola» von Gioacchino Rossini rückt Tischtennis in das Zentrum des musikalischen Märchens um Aschenputtel, es entscheidet über Sieg und Niederlage, Aufstieg und Fall - keine leichte Aufgabe für alle Sänger, die daneben absurd schwierige Koloraturen absolvieren müssen. Da kann das Spiel schon mal zum Alptraum werden wie etwa für den Bassbariton Flurin Caduff, der die Rolle des Alidoro übernimmt. Wie der Alptraum eines von Regieeinfällen geplagten Sängers aussehen könnte, zeigt der Film «Looping» von Fabian Näf. Entstanden allerdings ist er nicht für die Produktion am Luzerner Theater, sondern für «Pingthing 2012». Doch weil er so gut passt, verweisen wir mit freundlicher Genehmigung gerne darauf und laden damit ein ins Luzerner Theater, wo es für dieses Mal nicht nur hochmusikalisch, sondern auch äusserst sportlich zugeht. FILM AB.

«Looping», ein Film von Fabian Näf

Darsteller: Flurin Caduff, Andi Wyss, Vera Hunkeler
Kamera: Brian Gottschalk
Komposition, Violine, Viola: Claudia Kienzler
Kontrabass: Kaspar Wirz
Produktion: Tobias Stücheli
Licht: Andreas Gervasi
Raucheffekte: Fabio Amarilli  


 

PRESSESTIMMEN

«Es gibt sie also noch, die Opernabende, die man ungetrübt geniessen kann, die weder langweilig verstaubt noch kopflastig verquer daherkommen und trotzdem „modern“ sind, die Aufführungen, die umwerfend unterhaltsam und urkomisch sind und doch ohne billige Plattitüden auskommen. Dem britischen Regisseur Sam Brown und seinem Team (Bühne und Kostüme: Annemarie Woods, Choreografische Mitarbeit: Bert Uyttenhove, Licht: David Hedinger) ist am Luzerner Theater mit Rossinis ‹La Cenerentola›  ein solcher Abend geglückt. Sie haben ein Konzept gewählt, das geradezu sensationell gut funktioniert. (…)

Der musikalische spritus rector der Aufführung ist Luzerns Musikdirektor Howard Arman. Er hat die Fäden souverän in der Hand, spinnt ein Gewebe, das sowohl feinsinnig als auch deftig und süffisant sein kann. Auch im Orchestergraben spielen sich die einzelnen Instrumentengruppen die Bälle wunderbar diszipliniert, mit frischer Lebendigkeit und präzisem Witz zu. Streicher und Holzbläser bringen die rossinischen Kostbarkeiten exquisit zum Klingen, der Dirigent schraubt die typischen crescendi herrlich hoch, spitzt fulminant und rasant zu – fordert damit die Geläufigkeit der Gurgeln und Artikulationskünste seiner Sängerinnen und Sänger aufs Äusserste – aber nie darüber hinaus! Und was für ein erstklassiges Septett agiert und singt da auf der Bühne! Allesamt Mitglieder des sorgsam gehegten und gepflegten Ensembles des Luzerner Theaters, welche ideal besetzt sind, ausnahmslos in ihren Rollen glänzen können und am Ende zu Recht gefeiert werden. Als Angiolina (Cenerentola) erlebt man Marie-Luise Dressen in einer Partie, die ihr auf den Leib und die Stimme geschrieben scheint, prall und doch mit samtenem Dunkel im Timbre, virtuos, aber nicht übertrieben oder manieriert ausschmückend in den Koloraturen, die resolute und doch leicht linkische Haltung des gross gewachsenen Mädchens gekonnt und auch sexy ausspielend. (…)

Umwerfend komisch sich gegen dieses selbstbewusst-gütige Wesen abhebend sind ihre beiden zickigen, Kaugummi kauenden und das Höschen zeigenden Proll-Schwestern Clorinda (Dana Marbach) und Tisbe (Carolyn Dobbin) gezeichnet, welche mit ihren wunderbar durchschlagskräftigen Stimmen die von Rossini so souverän in Noten gesetzten Ensembles aufs Herrlichste bereichern. (…)

Fazit: Auf nach Luzern!!! Eine vor Witz nur so sprühende Aufführung, spritzig und musikalisch mit grösst möglicher Sorgfalt gestaltet, umgesetzt von einem Ensemble, das an sängerischer Kunstfertigkeit und darstellerischer Wucht keine Wünsche offen lässt.» 
oper-aktuell, 3.6.2013


«Für seine Luzerner Inszenierung von Gioacchino Rossinis dramma giocoso in zwei Akten (von 1817) liess sich der Brite Sam Brown, der 2011 den Europäischen Opernregiepreis gewann, von seiner Ausstatterin Annemarie Woods einen Sportpalast bauen mit einem Pingpongsaal. Der Diener Dandini gibt sich als Prinz aus, damit der echte Prinz auf Brautschau die wahren Gefühle der Stiefschwestern erkunden kann. Doch beim ersten Anblick ist dieser von Angelina eingenommen. (…) Brown sorgt für viel Action auf der Bühne, lässt seine Figuren gegeneinander Tischtennis spielen. Er übersetzt ins Szenische, wie sich Rossinis Figuren die Bälle musikalisch zuspielen. Die Gags folgen Schlag auf Schlag. Das hat mitunter echten Witz. (…) Die vertrackten Ensembles der Oper bewältigen die Sängerinnen und Sänger mit viel Präzision. Das Luzerner Sinfonieorchester unter der musikalischen Leitung von Howard Arman spielt spritzig auf. Die Titelrolle der Cenerentola gibt die Mezzosopranistin Marie-Luise Dressen. Die junge Sängerin gefällt über weite Strecken mit warmem Ton und schönen Koloraturen (…) Der Tenor Utku Kuzuluk geht den Ramiro forsch an, singt lyrisch und höhensicher (…) Todd Boyce gibt den Dandini mit agilem Bariton und kostet sein doppelbödiges Spiel aus. Flurin Caduff verleiht dem Philosophen (und Cop!) Alidoro samtene Basstöne und schöne Fiorituren. (…) Für das mit Spielfreude auftrumpfende Sängerensemble und das Produktionsteam gabs mächtig Applaus.»
Neue Luzerner Zeitung, 4.6.2013 

 

Wir danken unseren Partnern der italienischen Opernspielzeit:

Camera di Commercio Italiana per la Svizzera

Italienisches Generalkonsulat Zürich