« Tatsächlich erfüllte das Werk damit am Sonntag alle Erwartungen, die der Komponist im Vorfeld geweckt hatte. Schon der Plot ist weniger absurd, als der Titel es vermuten lässt: So genüsslich, wie der mittellose Schwiegersohn -Anwärter die Düfte in der Grossbäckerei des künftigen Schwiegervaters in sich hineinsaugt, ist dessen Vorwurf, der mittellose Dichter (mit lyrischem Schmelz: der Tenor Carlo Jung-Heyk Cho) habe ihm seine Düfte gestohlen, gar nicht so abwegig. Der Versuch des Vaters, damit den unliebsamen Freund der Tochter ins Gefängnis zu bringen, sorgt für handfeste Turbulenzen. Da ist die Tochter, die mit ihrer provokativen Liebe zum Dichter den Familienfrieden stört (eine liebenswürdig-freche Punk-Göre: Madelaine Wibom). Der Bäcker untergräbt mit seiner Hysterie den letzten Rest an väterlicher Autorität (Todd Boyce). Die Ehefrau ragt durch resolutes Konfliktmanagement aus dem ganzen Tohuwabohu heraus (mit einem auch vokalen Höhepunkt in der Furioso-Arie: Marie-Luise Dressen). Wills schafft dabei das Kunststück, eine in der Tat melodiös fliessende Musik zu schreiben, die dennoch den Abstand zu latenten Vorbildern so weit wahrt, dass das nicht einfach als Secondhand-Abklatsch wirkt. (…) Die vielen Lacher und der lange Schlussapplaus bestätigten, dass dem Theater mit dieser zeitgenössischen Oper ein Überraschungserfolg gelungen ist.»
Neue Luzerner Zeitung, 31.Januar 2012
« Was für ein interpretatorisches Gelingen auf höchstem Niveau! Das Luzerner Sinfonieorchester, die Solistinnen und Solisten des hiesigen Ensembles, der Theaterchor: Sie alle wurden vom dirigierenden Komponisten selbst offenhörlich zu musikalischen Höchstleistungen angetrieben. Die Orchestermusiker realisierten die Partitur mit Präzision, Engagement und wohl auch Spiellust. Da war seriös geprobt worden. Ebenso überzeugend erfüllten Sängerinnen und Sänger ihre mal parodistisch-hysterisch-hochvirtuosen, mal lyrisch-sentimentalen, mal viril-bassgrundelnden Rollen. Das Luzerner Theater schenkte in Zusammenarbeit mit dem NDR-Sinfonieorchester Hamburg einem zur Zeit lebenden Komponisten eine Uraufführung, die diesen zweifelsohne hoch beglücken musste.»
Kulturteil.ch, 31.Januar 2012
« Wills sieht sich keineswegs als Avantgardisten, er schreibt ungeniert in tonaler Harmonik und diatonischer Melodik. Form und Struktur sind stets nachvollziehbar und an die klassischen Modelle angelehnt, die Gesangslinien sind singbar, reichen von rezitativischer Einfachheit bis zur ausgeflippten Koloratur-Arie. Im Orchester klingt manches nach spätromantischer Emphase, öfter schauen Schostakowitsch oder Strawinsky herein. (…) Sängerisch dagegen blieben am Sonntag wenig Wünsche offen. Bäckersfrau Dressen steigerte sich virtuos in die Koloraturen, Patrick Zielke als Henker tauchte mit sattem Bass in die Tiefen seiner gespenstischen Figur, der Dichter (Carlo Jung-Heyk Cho) liess seinen runden, warmen Tenor hübsch aufblitzen. Das Luzerner Theater hat diese Uraufführung übrigens zusammen mit dem NDR-Sinfonieorchester in Auf trag gegeben, das mit dem Luzerner Sängerensemble in Hamburg unter der Leitung von Thomas Hengelbrock spielen wird.»
Südostschweiz, 31.Januar 2012
«Es steckt etwas von der Monty Pythonschen Liebe zur Groteske in diesem Simon Wills; auch in der Musik und im selbst geschriebenen Libretto zu "The Stolen Smells" blitzt ein britisch-anarchischer Humor auf, eine unstillbare Lust, die Konventionen zu durchbrechen. "And now for the Schlusschor" singt etwa als Einleitung zum Finale der Bass Patrick Zielke, der drei Personen in einer Figur verkörpert, den Erzähler, Kerkermeister und Zauberer Kadayif. Das Gestotter des miserablen Dichters Djemaal wird zum Running Gag in der Orchesterpartitur ("Dje-Dje-Dje-Maal"), auch gibt es sehr hübsche, präzis gearbeitete Slapstick-Momente. Wills' von ihm selbst "harmlos semi-tonal" genannte Musik ist Takt für Takt die Schöpfung eines absolut individuell komponierenden Zeitgenossen, der frei von allen Schulen, Moden und Trends eine unverwechselbare Klangsprache entwickelt. Ungeachtet ihrer orientalischen Genesis enthält die Oper keinerlei Anspielungen auf arabische Musik.»
Hamburger Abendblatt, 31.Januar 2012
« Die Luzerner Inszenierung von Intendant Dominique Mentha führt trotz Sheherazade nicht in die arabische Welt. Auf die Drehbühne stellt Bühnenbildner Werner Hutterli eine weiße Mauer, aus der sich bisweilen Fenster- und Türe aufschieben lassen. Das Thema, wie mache ich aus allem was mich umgibt, aus allen Grundbedürfnissen, ja sogar aus dem Geruch noch Geld zu holen und durch solches Gewinnstreben andere in Armut und Gefängnis zu bringen, ist schliesslich sehr aktuell. (…) Es ist eine abwechslungsreiche Komposition, unterteilt in viele Nummern, Menuette, großen Arien, aber auch das Schlagen auf Töpfe. Und in der Instrumentation dunkel aufgeraute, dennoch weiche Klänge.»
Deutschlandfunk, 30.Januar 2012
« Dem Liebespaar schenkt Wills weit gespannte Kantilenen. Das alles ist handwerklich gut gemacht, pfiffig instrumentiert (…) insgesamt ausgezeichnet gesungen, und das Luzerner Sinfonieorchester gibt der Partitur Drive und Farben.»
Ba
Badische Zeitung, 02.Februar 2012
« Wills schreibt explizit keine Avantgarde, er will verstanden werden. Seinen Bauchladen mit Stilzitaten von barocken Gesten über Wagner, Gershwin und Weill bis zu Bartók und Britten kann man eklektisch finden, aber melodisch und geistreich ist seine Musik stets. Ihr sind die Augenblicke zu verdanken, in denen sich das Geschehen zu einem gewissen existentiellen Ernst verdichtet, aber auch lustvoll auskomponierte Schluchzer und Stampfer oder das Schmatzen und Lamentieren der Posaune.»
neue musikzeitung, 06.Februar 2012 (Gastspiel «Kampnagel» Hamburg)
« Herausgekommen ist eine schöne, schlichte Geschichte mit sechs präzise gezeichneten Charakteren - eine gute Voraussetzung zumal für eine komische Oper. Da verliebt sich also ein armer, etwas einfaltspinselig tumber Poet (Carlo Jung-Heyk Cho mit lyrisch verliebtem Tenor) just in das biestig aufmüpfige Töchterchen (Madelaine Wibom) des besten Bäckers von Bagdad (Bariton Todd Boyce). (…) Das schliesslich doch eintretende Happy End ist nicht nur dem salomonischen Urteil des Königs (Bassist Szymon Chojnacki), sondern letztlich den Menschen von Bagdad zu danken: Sie legen nacheinander Münzen in den Kupferkessel, bis nur noch eine fehlt: Muchtadas Frau Scheherazade (Altistin Marie-Luise Dressen) singt eine herzerweichende A-cappella-Arie über die Liebe zu ihrem grausamen Gatten und wirft die letzte Zechine hinein. (…) Wills schreibt Arien, Duette, Ensembles und Chöre, als wäre er bei Händel, Mozart und Verdi in die Lehre gegangen. Seine Partien sind sanglich und sängerfeundlich; seine Klangsprache freilich ist nicht altväterlich, man mag sie am ehesten mit der schillernd illustrierenden Farbenpracht eines Benjamin Britten vergleichen. Die Musik lebt von ihrer fantasievoll zarten Einfühlung in die Charaktere. Ja, Wills weiss, wie man die Düfte des Orients zum Klingen bringen kann.»
Welt online, 07.Februar 2012 (Gastspiel «Kampnagel» Hamburg)