Tanz 7: Happy End

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Luzerner Theater

Tanz 7: Happy End

«Another Good Story» von André Mesquita
und «LOVE» von Martino Müller
Uraufführung
Premiere: 05. Oktober 2011

Den ersten Teil des Abends bestreitet der junge portugiesische Choreograf André Mesquita mit einem neuen Tanzstück mit dem Titel «Another Good Story». Dieses für die Compagnie «Tanz Luzerner Theater» geschaffene Werk beschäftigt sich mit dem Thema Menschlichkeit und den gesellschaftlichen Umständen unserer Zeit.

Die Uraufführung «LOVE» von Martino Müller hingegen thematisiert die Liebe als menschliches Grundbedürfnis. In seinem Ensemblestück treffen Welten aufeinander: die der Tänzer sowie die einer Clownfigur. Sie sind in vielerlei Hinsicht verschieden – und doch sind sie ähnlich. Spannend ist, wie diese Welten zusammenkommen und voneinander profitieren. Bewegungskünstler und Clown Davide Romeo, Absolvent der traditionsreichen und berühmten Hochschule für Bewegungstheater «Scuola Teatro Dimitri», wird das Publikum mit viel Phantasie und Emotionen überraschen.

Der Schweizer Martino Müller gewann während seiner Ausbildung den begehrten Prix Suisse beim Prix de Lausanne. Nach Engagements im Badischen Staatstheater Karlsruhe und am Stuttgarter Ballett wechselte er an das Nederlands Dans Theater (NDT I). Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Martino Müller für diverse renommierte Ensembles als freischaffender Choreograf und startete 2006 eine Zusammenarbeit mit dem international bekannten «Cirque du Soleil».

André Mesquita erhielt seine tänzerische Ausbildung in Portugal. Danach trat er in die National Ballet Company Portugals ein. Er tanzte in verschiedenen Compagnien in Portugal und Deutschland, wo er auch zu choreografieren begann. Für seine Kreationen wurde er bisher mehrfach ausgezeichnet.

 

Lesen Sie hier den Vorbericht in der Neuen Luzerner Zeitungeeer 

GESPRÄCH

 

Wenn Träume Lieben lernen

Der Choreograf Martino Müller im Gespräch mit Lucie Machan

Machan: Das Ballett «LOVE» im Rahmen des ersten Tanzabends der Spielzeit «Tanz 7: HAPPY END» wurde im Spielzeitheft noch mit «TEARS» angekündigt. Warum ist der neue Titel passender?

Müller: Vor allem zielt der Titel auf den Protagonisten in meinem Ballett ab: den Bewegungskünstler und Clown Davide Romeo, der als Gast auftreten wird. Der Clown als allgemein bekannte Zirkusfigur übt auf viele Menschen eine grosse Faszination aus. Er ist ein aufrichtiges Wesen, ganz rein in seinen Gefühlen. Er ist fast wie ein Kind, unverstellt und unbefangen. Er lebt sich selbst, jeden Tag aufs Neue, und schenkt dabei Staunen, Lachen und vor allem Träume. Er besitzt die Möglichkeit Emotionen – wie die Liebe – auf der Bühne sichtbar zu machen und auf seine spezielle Art zu durchleuchten. Seit langem arbeite ich wieder einmal in meiner Heimat, der Schweiz. Dieser Aspekt und die Zusammenarbeit mit der Compagnie «Tanz Luzerner Theater» haben mich zu «LOVE»  inspiriert.

Machan:  Bei deiner Zusammenarbeit mit dem international bekannten «Cirque du Soleil» gehörten Clowns und Akrobaten unweigerlich dazu. Was ist der Unterschied bei der Arbeit mit einem Clown für eine reine Tanzproduktion?

Müller: Beim Casting in der traditionsreichen und berühmten Hochschule für Bewegungstheater «Scuola Teatro Dimitri» in der italienischen Schweiz haben wir verschiedene Künstler gesehen. Davide Romeo hat sich herausgehoben und ich spürte, dass seine Persönlichkeit in das Luzerner Tanzensemble passen würde. Und so ist es auch: Er integriert sich, geht jedoch nicht in der Gruppe unter. Das Interessante an unserer Zusammenarbeit für mich als Choreograf ist, dass ich aufgefordert bin, gänzlich anders über den Tanz nachzudenken. Es gibt viele Unterschiede zwischen Clownerie und Tanz, aber auch viele Gemeinsamkeiten – meine Aufgabe ist es nun, diese zusammenzuführen.

Machan:  Die Compagnie «Tanz Luzerner Theater» hat das Publikum bereits mit ihren Interpretationen zeitgenössischer, abstrakter Tanzstücke sowie mit einem Handlungsballett begeistert. Wie ist dein Werk einzuordnen?

Müller: Die Entstehung eines Balletts ist immer ein aktiver Prozess, nichts ist von vornherein in Stein gemeisselt und wir inspirieren uns gegenseitig. Zweifellos handelt es sich jedoch um ein zeitgenössisches Tanzstück, aber in der Form eines Handlungsballetts über das Thema Liebe, das explizit für das Tanzensemble am Luzerner Theater kreiert wird.

Machan:  Du arbeitest in «LOVE» sehr eng mit dem Ausstatter Eduard Hermans zusammen. Welche Rolle spielen Kostüme und Bühne für den Tanz und die Bewegungskunst?

Müller: Die Ausstattung spielt eine wichtige Rolle. Die verschiedenartigen, phantasievollen Kostüme betonen die Geschichte, die ich erzählen möchte. Das bizarre und immer wieder wechselnde Bühnenbild unterstützt dabei. Beide Elemente regen unsere Einbildungskraft an. Genauso sollte Theater funktionieren: Es öffnet andere Welten, und der Zuschauer darf sich in seinen eigenen Träume verlieren.

  

 

PRESSESTIMMEN

«Das Programm, welches die Tanzsaison des Hauses eröffnet, riss das Premierenpublikum zu Begeisterungsstürmen hin. Der Leiterin des Luzerner Tanzensembles, Kathleen McNurney, ist es auch zum Auftakt ihrer dritten Saison gelungen, Gastchoreografen von bemerkenswertem Format zu verpflichten. Die Stücke, welche speziell für das kleine Luzerner Ensemble kreiert wurden, sind Juwelen der Tanzkunst. (…) Martino Müller, der auch beim renommierten Nederlands Dans Theater Tänzer war, choreografiert das Spannungsfeld von Liebe und deren Ver(w)irrungen zu einem Bilderbogen, der durch eine fulminante magische Ästhetik besticht. (…) Das Kaleidoskop von Licht und Farben und Tönen zieht in den Bann. Der Tanz verwebt sich mit den räumlichen, visuellen und akustischen Reizen. Stiller und differenzierter ist die Figur des Bewegungspoeten, des «Clowns», der die Sehnsucht der Liebe verkörpert. Eindrücklich ist, wie sich der Körperausdruck von Davide Romeo nuanciert auch im Gesicht zeigt. (…) Ganz anders das erste Stück des Abends: «Another Good Story - Hands/Head» des portugiesischen Choreografen André Mesquita. Mit einer hochdynamischen, wunderbar fliessenden Bewegungssprache, in welcher sich klare Linien und wechselnde Tempi vielschichtig und weiträumig überlagern, drücken die Tänzerinnen und Tänzer unfassbare Befindlichkeiten aus. Fast lautlos gleiten die Körper über den Boden und durch die Luft; der Raum ist abgedunkelt, wummernde Klänge begleiten die Bewegungen, von der Decke schweben Rauchwolken. Dadurch entsteht eine dichte Atmosphäre von Intimität. Wie der Choreograf André  Mesquita es verstanden hat, die komplexen Bewegungsfolgen ineinander zu verzahnen, ist Tanzkunst vom Feinsten. Auch wie die in den Raum drängenden Bewegungen eine tiefe Innerlichkeit und Intimität verdeutlichen, berührt sehr.»
Neue Luzerner Zeitung, 7. Oktober 2011 

« Hinter dem schlichten Titel «LOVE» verbirgt sich ein ausuferndes Spektakel. Mit dem Choreographen Martino Müller, der über Jahre bereits hochkarätige internationale Produktionen inszeniert, hat das Luzerner Theater einen Glücksgriff gemacht. Schon der Ansatz ist ungewöhnlich. Die Hauptfigur ist eine Art Clown, dargestellt von Davide Romeo, der extra für das Stück von der Dimitri Theaterschule geholt worden ist. Die Clownfigur versinnbildlicht die Entstehung der Gefühle. Die entwickeln sich von der Emotionslosigkeit zur Leidenschaft. Einem eigentlich banalen Ansatz, der aber mit wunderschönen farbigen Bildern zu einem visuellen Kunstwerk wird. Das Stück ist in 14 Szenen unterteilt und jede einzelne überrascht. Dank eines ausgeklügelten Einsatzes von Kulissenelementen, Licht und vor allem auch von Kostümen. (…) Das Tanzensemble gerät fast ein bisschen in den Hintergrund, was aber in dem Fall ein Qualitätszeugnis ist. Tänzer und Tänzerinnen stellen sich in den vollen Dienst der visuellen Bilder und beweisen damit einmal mehr ihre Fähigkeit sich in den unterschiedlichsten Tanzstilen zurechtzufinden.»
Radio DRS Regionaljournal Zentralschweiz, 7. Oktober 2011  


 

Mit freundlicher Unterstützung der Daria Nyzankiwska Dance Foundation und der TANZfreunde Luzerner Theater