A Midsummer Night's Dream

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Luzerner Theater

A Midsummer Night's Dream

Opera in drei Akten von Benjamin Britten
Text von Benjamin Britten und Sir Peter Pears, nach William Shakespeare
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Koproduktion mit Lucerne Festival
Premiere: 09. September 2011

Mitunter geschehen die grössten Wunder über Nacht – und am Tag darauf sieht die Welt anders aus. So ergeht es allen Beteiligten in der Komödie «A Midsummer Night's Dream» (1595) von William Shakespeare: Vier Liebende, unheilvoll miteinander verstrickt, finden sich nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung über ihre Herzensangelegenheiten abends im Wald wieder – mit all ihren ungelösten Problemen. In einer Beziehungskrise aber steckt auch das Königspaar der Elfen. Eine Zauberblume soll die Welt wieder ins Lot bringen – und tut zunächst das Gegenteil: Im Laufe jener Sommernacht erleben alle Anwesenden durch Sinnestäuschung und Wahnvision die Abgründe des Herzens, die Macht der Gefühle und die Unverlässlichkeit der Zivilisierung. Am nächsten Morgen reibt man sich die Augen: Ein Traum scheint's nur gewesen zu sein. Und doch hat sich – wie durch ein Wunder – über Nacht alles glücklich gefügt …

Shakespeares tiefgründiges Verwirrspiel, aus dem Geist des Elisabethanischen Zeitalters in England an der Schwelle zur Neuzeit entstanden, erfreute sich aufgrund des wirkungsmächtigen Ineinandergreifens von Realität und Phantastik vor allem bei den deutschen Romantikern grösster Beliebtheit. 1960 nahm sich der britische Komponist Benjamin Britten des Dramas an und schrieb dazu eine farbenreiche Musik, die für die unterschiedlichen Sphären, Geschichten und Personen jeweils eine ganz eigene Sprache ausprägt.

GESPRÄCH

SCHAUSPIEL ODER OPER?
Ein Streitgespräch zu «A Midsummer Night's Dream» zwischen William Shakespeare und Benjamin Britten

William: Mein lieber Benjamin, auch wenn nach fünfzig Jahren etwas Gras über die Sache gewachsen ist, bin ich doch der Meinung, dass es damals ein ziemliche Frechheit von dir war, meine schöne Komödie in eine Oper zu verwandeln.

Benjamin: Fass es als Kompliment auf. Um Erlaubnis fragen konnte ich dich ja nicht. Und hast du nicht selbst immer wieder in deinen Stücken Verse untergebracht, die ausdrücklich gesungen werden sollten? Leugne nicht! Gerade in «A Midsummer Night’s Dream» spielt schon bei dir die Musik eine wichtige Rolle!

William: Das mag sein. Aber sie spielt nicht die Hauptrolle! Sie ragt nur als ein poetisches Zauberelement hinein in die erzählte Wirklichkeit. Bei dir aber deckt sie alles zu!

Benjamin: Sie interpretiert. Das ist ihre Aufgabe in der Gattung Oper. Ich war übrigens keineswegs der Erste, der dein Stück mit seinen Mitteln neu erzählt hat. Denk an Felix, den deutschen Komponisten.

William: Mit Freude denke ich an ihn! Der hat nämlich begriffen, wie es von mir gemeint war. Er schrieb eine wundervolle Ouvertüre über mein Stück für den Konzertsaal und später eine ebenso hinreissende Schauspielmusik – keine Oper! Genau so hatte ich es gewollt: Meine Komödie wird als Theaterstück aufgeführt, und darin – nicht dazu! – erklingt Musik! Bei dir versinkt mein Text in akustischer Sosse …

Benjamin: An dir wird bestens sichtbar, warum England so grosse Schwierigkeiten hatte, eine eigene Operntradition aufzubauen. Hör besser hin! Ich habe für die vier Welten – die Liebenden, die Elfen, die Handwerker und die Hofleute – eine ganz eigene Musik komponiert. Da braucht man gar nicht mehr viele Worte, um sofort zu fühlen, was diese Welten ausmacht.

William: Fühlen muss man es auch, denn du hast ja die Hälfte meiner Verse weggestrichen.

Benjamin: Da Singen mehr Zeit braucht als Sprechen, blieb mir nichts anderes übrig.

William: Wenigstens gibst du es zu!

Benjamin: Dein Stück ist ohnehin zu lang, es wird bei jeder Aufführung gekürzt!

William: Aber nicht so radikal wie bei dir: Der ganze Anfang fehlt! Deine Oper beginnt schon im Wald, damit ist der schöne Rahmen kaputt, den ich konstruiert habe: Der erste und letzte Akt spielen am Hof in Athen, in der Realität, die mittleren Akte tragen sich im Wald zu, im Reich der Phantasie und Visionen. Das habe ich doch bewusst so angelegt!

Benjamin: Und ich habe es bewusst geändert! Zu deiner Zeit – sie ist ja auch schon 400 Jahre her – fühlten sich die Menschen noch sicher verankert in einer beherrschbaren Wirklichkeit, wie deine Rahmenakte zeigen, und dann erleben sie, dass diese Realität noch eine andere, dämonische Seite hat. Bei dir gucken die Figuren aus der sicheren Warte im Laufe einer Nacht ins Ungewisse. Zu meiner Zeit sah die Weltwahrnehmung völlig anders aus. Zwei Weltkriege hatten Europa in Schutt und Asche gelegt. An Stelle von Sicherheit fühlte der Mensch die Macht des eigenen Dämons. Ich habe deine Perspektive daher umgekehrt: Wenn die Figuren sich am Ende in einer stabil scheinenden Zivilisation wieder finden, dann steht diese auf dem Fundament einer kontinuierlichen unterschwelligen Bedrohung.

William: Hast du vergessen, dass es eine Komödie ist?

Benjamin: Hast du vergessen, dass in deinen Komödien immer mehr steckt, als nur Komödie? Und lass dich trösten: Dein Schauspiel wird ja immer noch viel öfter aufgeführt als meine Oper.

William: Aber nicht in Luzern!

Benjamin: Da feiert man meinen 99. Geburtstag. Das kannst du mir ruhig mal gönnen.

PRESSESTIMMEN

 «Britten hat dann die opera séria Tradition aus Italien ganz brillant parodiert, es macht richtig Spass, wenn dann diese Handwerkstruppe ihr Schauspiel aufführt, das ist wirklich humorvoll und gut gemacht. (…) Howard Arman hat die Feinheiten, die es gibt, das feine Klanggespinst, was vor allem im ersten und zweiten Akt herrscht, sehr genau herausgearbeitet, sehr analytisch auf der einen Seite aber auch sehr farbig und sehr kontrastreich auf der anderen.»
Deutschlandradio Kultur, 09.09.2011

 «Musikalisch vermag das Luzerner Ensemble einmal mehr zu begeistern. Die relativ kleine Orchesterbesetzung Brittens kommt den Dimensionen des Hauses entgegen. Das Luzerner Sinfonieorchester unter Howard Arman breitet einen ungemein transparenten Klangteppich aus, die lautmalerischen, zauberhaften Elemente blühen herrlich auf, die karikierenden Einschübe und Referenzen Brittens an Purcell oder die italienische Oper werden von den Musikerinnen und Musikern mit erlesener Akkuratesse ausgestaltet. Ein musikalisches Glanzlicht setzen die Elfen mit ihrem wunderbar einen Gesang: Die grandiose Leistung der Knaben- und Mädchenkantorei Luzern (Einstudierung Eberhard Rex) kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Deren Königspaar wird vom weich und wahrlich traumhaft phrasierenden Altus von Alexander Schneider als Oberon und der ihre feenhaften Koloraturen so selbstverständlich sauber und ausdrucksstark aneinanderreihenden Titania von Sumi Kittelberger verkörpert. Mit jugendlichen, unverbrauchten und glänzend disponierten Stimmen singen Caroline Vitale (Hermia), Simone Stock (Helena) und Carlo Jung-Heyk Cho (Lysander). (…) Am Athener Hof lassen dann die Stimmen von Szymon Chojnacki als Theseus (welch herrlich sonorer Bassbariton!) und Marie-Luise Dressen als Hippoyta (ein dunkel funkelnder Mezzosopran) aufhorchen. Auf deren kommende Auftritte in Luzern darf man wirklich gespannt sein.»
www.oper-aktuell.info, 10.09.2011 

«Die Herbstzeitlose Heidi Maria Glössner,souveräner Stargast in dieser Produktion zur Eröffnung der Opernspielzeit, schlurft misslaunig am vorderen Bühnenrand umher, die Zigarette in der einen Hand, den Staubwischer in der andern. Eine Art Hauswartin, die mit Schmirgelstimme notdürftig für Ordnung sorgt und der sogar der Elfennachwuchs auf die Nerven geht. Dabei mischen die Kinder der vorzüglichen Luzerner Kantorei mit ihrem Versteckspiel hinter dem wallenden Tüllvorhang diesem Clash der Generationen von Anfang nicht Elfenzauber, aber erfrischende Spielfreude bei. (...) Die Lyrismen der Partitur, mit zauberischen Farben und viel Streicherschmelz ausgekostet, sind grosse Klasse. Und wo Britten den Sängern freien Lauf gewährt, schiesst das gar zur grossen Oper auf und verdichtet sich in der Nachtstimmung am Ende des zweiten Akts zur Hypnose. (…) Dabei sind gerade sie es, die Handwerker, die dem Abend ohne Wenn und Aber zu hinreissenden Höhepunkten verhelfen: Ihre Auftritte, die rund um Marc Olivier Oetterli (jetzt als Gast in der Rolle des Zettels) lauter träfe Charakterköpfe versammeln, sind Kabinettstücke an darstellerischer wie musikalischer Komödiantik. Schon ihretwegen ist diese Aufführung trotz allem Wenn und Aber ein Muss.»
Neue Luzerner Zeitung, 11.09.2011

«Aber neben der feenhaften Schönheit ist der «Sommernachtsraum» vor allen Dingen eine Komödie. Schon die Vorlage von William Shakespeare, aber auch die Umsetzung, die Benjamin Britten und sein Freund Peter Pears im Jahr 1959 vornahmen, ist über weite Strecken denkbar witzig. Da braucht es die Fähigkeiten und Detailarbeit eines guten Regisseurs, um die Komik des grottenschlechten Handwerkertheaters zum Leben zu erwecken. Das gelang Schulin virtuos. Mit detailreicher Personenführung und vielen Ideen liess der den Klamauk zu seinem Recht kommen, nach Kräften unterstützt von einem Ensemble, das schon wiederholt seine komödiantischen Fähigkeiten bewiesen hat. Diesmal war es Utku Kuzuluk, der den Vogel abschoss und als gehemmte Thisbe mit Bühnenambitionen eine hinreissende Travestienummer abgab, noch verstärkt durch den Mut, seinen Tenor absichtlich schrill, schräg und falsch klingen zu lassen. Aber auch Marc-Olivier Oetterli machte als Zettel und verzauberter Esel beste Figur, wie das ganze kompakte Luzerner Opernensemble einmal mehr überzeugte.»
Südostschweiz am Sonntag, 11.09.2011

«Das Beste aber ereignete sich im Graben: Howard Arman, neuer Musikalischer Leiter des Hauses, konnte und wollte seine Affinität zu seinem Landsmann Britten nicht verleugnen. Süsse Streicherkantilenen wechselten sich ab mit charakteristischen «Britten-Instrumenten» wie Celesta, Cembalo, Harfe und Xylofon: Irdisches neben Ätherischem. Das kostbare, fein differenzierte und subtil auf die Ebenen der Handlung bezogene Klanggeflecht spannte Arman in einem weiten, tragenden Bogen.»
Tages-Anzeiger, 12.09.2011

«Der neue Luzerner Musikdirektor Howard Arman setzt auf lichten Klang und Transparenz, was die Einleitung eher spröd denn mysteriös wirken lässt; in der Folge findet das Luzerner Sinfonieorchester indessen zu einem farbenreichen Spiel, das in der Opernpersiflage beim Auftritt der Handwerker gipfelt. Dieser Truppe sind die szenischen Höhepunkte des gelungenen Abends zu verdanken, kann doch der Regisseur Alexander Schulin auf ein spielfreudiges Ensemble zählen, das Flurin Caduff als Peter Squenz nur mit grösster Not zu zähmen vermag. Marc-Olivier Oetterli geht in der Rolle des Zettel stimmlich wie darstellerisch auf, während Utku Kuzuluk eine umwerfend komische Thisbe abgibt, die zu ihrem Pyramus nicht kommen kann. (…) Zu studieren gibt es jedenfalls einiges in diesem zeitlosen Verwirrspiel, wo in prächtigen Roben aus Shakespeares wie auch Brittens Epoche geschmeichelt und gestritten, gezickt und umarmt, umgarnt und gelitten wird. Prekäre Beziehungsmuster zeigen sich allenthalben, bei Hippolyta (facettenreich: Marie-Luise Dressen) und Theseus (mit sonorem Bassbariton: Szymon Chojnacki) ebenso wie bei Titania (intensiv: Sumi Kittelberger) und Oberon (Alexander Schneider mit makellos geführtem Alt) oder den jungen Liebespaaren, welche die lebenserfahrene Heidi Maria Glössner als Puck in zusätzliche Verwirrung bringt. Von der Qualität des Luzerner Ensembles zeugen Caroline Vitale (Hermia), Carlo Jung-Heyk Cho (Lysander) und Simone Stock (Helena) (…) Und nicht zu vergessen die Knaben- und Mädchenkantorei Luzern, die mit ihren hellen Stimmen ein silbernes Schimmern in die Spätsommernacht bringt.»
Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2011

«Aber neben all der königlich-feenhaften Schönheit ist der «Sommernachtsraum» vor allem eine Komödie. Schon die Vorlage von Shakespeare, aber auch die Umsetzung, die Britten und sein Freund Peter Pears 1959 vornahmen, ist über weite Strecken denkbar witzig. Da braucht es die Fähigkeiten und Detailarbeit eines guten Regisseurs, um die Komik des grottenschlechten Handwerkertheaters zum Leben zu erwecken.Das gelang Schulin virtuos. Mit detailreicher Personenführung und vielen Ideen liess er den Klamauk zu seinem Recht kommen, nach Kräften unterstützt von einem Ensemble, das schon wiederholt seine komödiantischen Fähigkeiten bewiesen hat. Diesmal war es Utku Kuzuluk, der den Vogel abschoss und als gehemmte Thisbe mit Bühnenambitionen eine hinreissende Travestienummer abgab, noch verstärkt durch den Mut, seinen Tenor absichtlich schrill, schräg und falsch klingen zu lassen. Aber auch Marc-Olivier Oetterli machte als Zettel und verzauberter Esel beste Figur wie das ganze kompakte Luzerner Opernensemble einmal mehr überzeugte.»
Musik&Theater, November 2011