La Cenerentola

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Luzerner Theater

La Cenerentola

Dramma giocoso in zwei Akten von Gioacchino Rossini
Text von Jacopo Ferretti, nach Charles Perrault
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Wiederaufnahme 14. September 2013

Ein Prinz auf Brautschau, ein Familienvater in finanzieller Not, den Freuden des Alkohols gleichwohl nicht abgeneigt, drei Schwestern unter Supermodel- Konkurrenzdruck, ein Kammerdiener auf Schauspiellehrgang und ein Philosoph als Lebensberater und Krisenmanager – das sind die Ingredienzien der Opera buffa «La Cenerentola ossia La bontà in trionfo».

Der Textautor Jacopo Ferretti orientierte sich auf der Suche nach einem geeigneten Komödiensujet für den Komponisten Gioacchino Rossini an dem Märchen «Aschenputtel» in der Version von Charles Perrault (1697), arbeitete die Vorlage aber – auch nach Ideen seines Kollegen Francesco Fiorini – entscheidend um. So konzentrierte er sich unter Verzicht auf alle übernatürlichen Elemente weniger auf die Suche des Prinzen nach der passenden Frau für’s Leben, als vielmehr auf die Ausarbeitung profilierter Nebenfiguren, die neben dem eher naiv-sentimental gezeichneten Hauptpaar die eigentliche Komik in bester Commedia-dell-arte-Manier übernehmen.

Rossini schrieb zu dieser turbulenten Screwball Comedy, die dramaturgische Raffinesse und szenischen Witz mit romantischem Zauber verbindet, eine abwechslungsreiche, bunte Musik, die einerseits den Spass an der Klamotte genüsslich zelebriert, andererseits aber auch den Momenten echt empfundener Gefühle grosse Aufmerksamkeit schenkt. So zählt dieses Meisterwerk, das die anspruchsvollste, vielseitigste Koloraturpartie im Schaffen des Komponisten enthält, zu den unbestrittenen Meilensteinen der Gattung.

Pingpong ist ein Spiel: Ein Ball geht rasant hin und her zwischen zwei Gegnern, die versuchen, sich gegenseitig auszutricksen. Das ist in einer guten Komödie nicht anders. Der britische Regisseur Sam Brown fügt am Luzerner Theater beides zusammen und lässt dazu noch virtuos singen. Seine Inszenierung der komischen Oper «La Cenerentola» von Gioacchino Rossini rückt Tischtennis in das Zentrum des musikalischen Märchens um Aschenputtel, es entscheidet über Sieg und Niederlage, Aufstieg und Fall - keine leichte Aufgabe für alle Sänger, die daneben absurd schwierige Koloraturen absolvieren müssen. Da kann das Spiel schon mal zum Alptraum werden wie etwa für den Bassbariton Flurin Caduff, der die Rolle des Alidoro übernimmt. Wie der Alptraum eines von Regieeinfällen geplagten Sängers aussehen könnte, zeigt der Film «Looping» von Fabian Näf. Entstanden allerdings ist er nicht für die Produktion am Luzerner Theater, sondern für «Pingthing 2012». Doch weil er so gut passt, verweisen wir mit freundlicher Genehmigung gerne darauf und laden damit ein ins Luzerner Theater, wo es für dieses Mal nicht nur hochmusikalisch, sondern auch äusserst sportlich zugeht. FILM AB.

«Looping», ein Film von Fabian Näf

Darsteller: Flurin Caduff, Andi Wyss, Vera Hunkeler
Kamera: Brian Gottschalk
Komposition, Violine, Viola: Claudia Kienzler
Kontrabass: Kaspar Wirz
Produktion: Tobias Stücheli
Licht: Andreas Gervasi
Raucheffekte: Fabio Amarilli

 

GESPRÄCH

DON MAGNIFICO: DAS KARRIEREKALKÜL EINES VATERS

Das war natürlich geschickt eingefädelt: Beim Tod der zweiten Gattin nimmt Don Magnifico, mittlerweile in akuten Geldnöten, das Erbe seines Stiefkindes und investiert es in die hoffentlich später einmal einträgliche Zukunft seiner beiden leiblichen Töchter. Doppelt hält bekanntlich besser. Eine der beiden wird schon den gesellschaftlichen Aufstieg schaffen und ihn mit nach oben ziehen. Für alle drei Mädchen reicht das Geld leider nicht – und eine muss ja auch noch den Abwasch machen. So ergibt sich eine ebenso effiziente wie logische Rollenverteilung: Die eine putzt, kocht, bügelt und bedient die anderen beiden, die sich möglichst nicht die zarten Hände schmutzig machen, damit sie später um so besser Prinzenbärte kraulen können. Offen im Familienrat lässt sich dieser Plan natürlich nicht ausdiskutieren, und so suggeriert der Vater gesellschaftliche Vorrechte der leiblichen Schwestern. Die beiden werden bis zum finanziellen Kollaps in kostbare Klamotten gehüllt und üben Grande Dame, während Don Magnifico von dem einträglichen Geschäft träumt, das er sich von seiner verwandtschaftlichen Nähe zur Macht verspricht. Nun weiss nicht erst die moderne Psychologie, dass eine Ungleichbehandlung der unter einem Dach lebenden Kinder kaum zu befriedigenden Erziehungsresultaten führt. So auch hier: Die Auserwählten lieben sich selbst viel zu sehr, um den ersehnten Prinzen, als er endlich vor der Tür steht, zu erkennen. Darin gleichen sie ganz ihrem Vater, der bis zur ungemütlichen Ankunft in der Realität dem Kammerdiener des Prinzen seine Reverenz erweist. Eine Warnung allerdings war an ihn ergangen: Hatte er nicht kurz zuvor von sich als einem stattlichen Esel geträumt?

 

PRESSESTIMMEN

Es gibt sie also noch, die Opernabende, die man ungetrübt geniessen kann, die weder langweilig verstaubt noch kopflastig verquer daherkommen und trotzdem „modern“ sind, die Aufführungen, die umwerfend unterhaltsam und urkomisch sind und doch ohne billige Plattitüden auskommen. Dem britischen Regisseur Sam Brown und seinem Team (Bühne und Kostüme: Annemarie Woods, Choreografische Mitarbeit: Bert Uyttenhove, Licht: David Hedinger) ist am Luzerner Theater mit Rossinis LA CENERENTOLA ein solcher Abend geglückt. Sie haben ein Konzept gewählt, das geradezu sensationell gut funktioniert. (…) Fazit: Auf nach Luzern!!! Eine vor Witz nur so sprühende Aufführung, spritzig und musikalisch mit grösstmöglicher Sorgfalt gestaltet, umgesetzt von einem Ensemble, das an sängerischer Kunstfertigkeit und darstellerischer Wucht keine Wünsche offen lässt. (www.oper-aktuell.info, 2.06.2013)

 

Ein temporeicher Schlagabtausch, Tricks, die Absicht, den Gegner ausmanövrieren zu wollen -Zutaten für ein Erfolgsrezept in Sachen geistreicher Komödie. ln seiner rasant-komischen «La Cenerentola» Inszenierung am Theater Luzern hat Regisseur Sam Brown ein Milieu gewählt, wo solche «Schlagabtausche» ebenfalls an der Tagesordnung sind: beim Tischtennis. Das hauseigene Ensemble setzte die perfekt getimten Regievorgaben hochmotiviert, reibungslos und mit großer Natürlichkeit um, und bot dazu eine ebenso überzeugende Gesangsleistung, allen voran die schöntimbrierte Marie Luise Dressen (Angelina) mit unaffektiert ausgeführten Koloraturen, der leichtfüßig geführte Tenor von Utku Kuzuluk (Don Ramiro) und der klangschöne Bariton von Todd Boyce (Dandini). Musikdirektor Howard Arman steuerte mit frischer, präziser Stabführung viel gute Laune aus dem Orchestergraben bei. Das Publikum war begeistert. (Opernglas, August 2013)

 

Aschenbrödels Familie ist ausgewandert - in die USA. Dort siedeln der junge englische Regisseur Sam Brown und die Ausstatterin Annemarie Woods «La Cenerentola» an. Indem Brown die gesellschaftlichen Unterschiede einebnet, hebelt er letztlich das Stück aus, das ja gerade von der Sehnsucht nach Aufstieg handelt. Brown setzt seine vielen Pointen sicher und hat mit den Darstellern runde, genau geführte Figuren erarbeitet. Gesungen wird durchweg auf hohem Niveau. (Opernwelt, August 2013)

 

Brown sorgt für viel Action auf der Bühne, lässt seine Figuren gegeneinander Tischtennis spielen. Er übersetzt ins Szenische, wie sich Rossinis Figuren die Bälle musikalisch zuspielen. Die Gags folgen Schlag auf Schlag. Das hat mitunter echten Witz. So wenn Kontrahenten antreten und ihr Spiel zur Zeitlupe gefriert. Beim ersten Finale blendet Cenerentola die Sportskanonen mit weissem Dress, glitzernden Strasssteinen und verspiegeltem Pingpongschläger. Klar schmettert sie ihre Gegner ab. Für den grossen Burger-Schmaus beim ersten Finale steigert sich die Musik rasant bis ins Delirium. (Neue Luzerner Zeitung, 4.06.2013)

 

Medienpartner: Radio Pilatus