Die Antilope

Luzerner Theater

Die Antilope

Oper in sechs Bildern von Johannes Maria Staud
Text von Durs Grünbein
In deutscher Sprache
Koproduktion mit LUCERNE FESTIVAL und der Oper Köln
Uraufführung
Premiere: 03. September 2014

Innen und aussen – das sind die zwei Seiten unserer Wahrnehmungsmöglichkeit. Sie hängen voneinander ab, beeinflussen sich gegenseitig und bilden doch eigenständige Bereiche. Während der Mensch mit seinen fünf Sinnen einigermassen souverän durch die ihn umgebende Welt kommt, bleiben ihm für die eigene Psyche nur Verstand und Gefühl. Was aber, wenn sich beide Wirklichkeiten ununterscheidbar mischen?

Victor, ein junger Mann am Anfang einer beruflichen Karriere, springt bei einer Firmenfeier aus dem Fenster – in eine zeitenthobene Existenz, die ihm neue Sichtweisen gewährt. Auf seiner nächtlichen Wanderung durch eine absurd verzerrte grossstädtische Gegend gerät der ziellos Suchende in ebenso grotesk wie komisch anmutende Situationen, die stets auf der Kippe zwischen Realität und Phantastik balancieren. Die sonderbare Flucht in einen unmöglichen Zustand erweist sich dabei als Abenteuerexpedition und innere Reise zugleich – mit Notlandung im Hier und Jetzt.

Der vielfach ausgezeichnete Lyriker Durs Grünbein entwickelte für dieses surreale Stationendrama sechs prägnante Tableaux, die als pointiert-poetische Momentaufnahmen die trostlose Rückseite von glanzvollem Wohlstand, befreiendem Reichtum und wirkungsmächtiger Karriere abbilden. Die Vertonung liegt in den Händen des 1974 in Innsbruck geborenen Komponisten Johannes Maria Staud, dessen umfangreiches Œuvre nicht nur vom Solostück zum grossbesetzten Orchesterwerk reicht, sondern auch vielfältige Anregungen aus unterschiedlichen Disziplinen wie etwa Philosophie, Kunst, Literatur und Film verrät. Gemeinsam mit Durs Grünbein schuf er 2004 die Oper «Berenice» nach Edgar Allan Poe, nun folgt als zweite Zusammenarbeit das abendfüllende Musiktheaterwerk «Die Antilope».

Die Uraufführung ist ein Auftragswerk des Luzerner Theaters und entsteht in Koproduktion mit LUCERNE FESTIVAL.

Alle Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr mit einer einleitenden Werkbetrachtung durch den Musikalischen Leiter der Produktion Howard Arman im Theatersaal. Danach folgt im direkten Anschluss die Aufführung der Oper.

Aufführungsdauer: 1½ Stunden, keine Pause

GESPRÄCH

Ein verlorener Flaneur

Johannes Maria Staud im Gespräch mit Christian Kipper

 

Sie haben mit dem Dichter Durs Grünbein bereits das Musiktheaterwerk «Berenice» nach Edgar Allan Poe realisiert. Nun präsentieren Sie Ihre zweite gemeinsame Oper: «Die Antilope». Wie kam es zu dem Libretto, das ja auf keiner vorhandenen Geschichte basiert, sondern ganz neu ist?

Diese Oper hat eine lange Vorgeschichte. Dominique Mentha sah 2006 «Berenice» in Heidelberg und nahm mit mir Kontakt auf. So entstand die Idee einer zweiten Oper als Kompositionsauftrag des Luzerner Theaters – nicht ohne Blick auf die damals geplante «Salle modulable». Als dieses Projekt in den Hintergrund geriet, lag auch unsere Opernidee erst einmal auf Eis. Dann aber engagierte mich das Lucerne Festival für 2014 als «Composer in residence», und das war eine ideale Gelegenheit, dafür auch unser Musiktheaterprojekt wieder aufzunehmen, das jetzt als Koproduktion mit dem Luzerner Theater gezeigt wird. Auf der Suche nach einem Sujet, das Durs und mich gleichermassen fesselt, sind wir zunächst vielen Anregungen aus Literatur und Film nachgegangen, wobei aber von Beginn an feststand, dass wir nicht wie bei «Berenice» einen bereits vorhandenen Stoff aufgreifen werden. Zur Spurensuche lasen wir unter anderem «Alice in Wonderland» und Witold Gombrowicz᾽ «Ferdydurke». Weil ich ein grosser Verehrer von Maurice Ravels «L’Enfant et les sortilèges» bin, dachten wir zunächst an eine Geschichte, in der ein Kind über verschiedene Begegnungen quasi über Nacht erwachsen wird. Allerdings geriet ein solches Sujet aus mehreren Gründen wieder aus unserem Fokus. So überlegten, dikutierten und suchten wir weiter, lasen unter anderem «Eleutheria» von Samuel Beckett, Herman Melvilles «Bartleby» und stiessen auf Scorseses «After Hours», bis sich Victor als unser Protagonist immer stärker herauskristallisierte: ein junger Mann, der sich in ungewöhnlicher Weise seiner Umwelt verweigert.

 

Victor, die einzige Figur, die in dieser Oper einen Namen trägt, ist ein im Grunde tragischer Held: Er springt bei einer Firmenfeier aus dem Fenster und trifft in einem Zustand besonderer Fremdheit auf verschiedene Figuren, ohne seine Isolation durchbrechen zu können. Was ist das für eine Figur?

Victor ist in unserem kreisförmig angelegten Werk wie der rote Faden, der den Zusammenhalt der Episoden garantiert. Das übrige Personal, das aus exemplarischen, holzschnittartig überzeichneten Typen besteht, wie wir sie wohl alle kennen, bleibt gleichsam Staffage, die Folie, auf der Victors seltsame Interaktionen mit seiner Umwelt exemplarisch nachgezeichnet werden. Victor begehrt mit Nachdruck gegen eine klar definierte Rollenzuweisung auf, die für seine Umwelt so unantastbar scheint. Er will nicht mitspielen im gesellschaftlichen System, bricht aus und spricht daher in einer grossen dadaistischen Befreiungsaktion auch eine andere Sprache, die für seine Umwelt unverständlich bleiben muss. Gleichwohl bemüht er sich immer wieder um Kontaktaufnahme in den unterschiedlichen Situationen, in die er hineinstolpert, – aber eben auf seine Weise. Victor ist kein «klassischer» Aussenseiter, kein Verstossener wie etwa Wozzeck oder Billy Budd. Ich sehe ihn eher als einen Flaneur, der durch die Welt geht, nirgendwo dazugehört, dabei aber genau beobachtet. Seine Verlorenheit darf dabei durchaus als Symptom der Moderne gelesen werden, in der die Kommunikation zunehmend verflacht, zur Floskelhaftigkeit gerinnt. Bis zum Ende bleibt Victor ein Rätsel, das macht ihn zu einer musikalischen Figur.

 

Es gibt zwar eine Szene, die im Zoo spielt, aber die erklärt kaum den Titel. Warum heisst das Werk «Die Antilope»?

Im Libretto tauchen, wenn man genau hinhört, viele Tierbilder auf. Tiere sind ja Wesen, mit denen wir mehr oder weniger zusammenleben und die eine eigene Kommunikation besitzen, der wir nur begrenzt folgen können. Victor mit seiner ganz eigenen Sprache nähert sich diesen Wesen irgendwie an. Vielleicht steht ihm da die Antilope als ein zähes, sprunghaftes Tier, das sich oft auf der Flucht befindet, um sein Leben fürchtet, besonders nahe? Das Kauderwelsch, das Victor spricht, Durs und ich nannten es während des Arbeitsprozesses das «Antilopische», beruht im Wesentlichen auf verschiedenen Kunstsprachen. In einer Szene etwa spricht er Esperanto, was den Reiz hat, dass der Sinn der Wörter auch für denjenigen durchscheint, der diese Sprache nicht beherrscht. Beim Entwerfen von Victors Sprache – im Grunde spricht er in jedem Bild eine andere – kombinierten wir unseren Spieltrieb, unsere Freude an phonetischen Besonderheiten mit einer systematischen Verrätselung, einer Codierung von versteckten Inhalten. Es ist nicht wichtig, ob der Zuschauer das System durchschaut, wesentlich ist vielmehr, die scheiternden Kommunikationsversuche des Helden in den Mittelpunkt zu stellen. Nur einmal erhält Victor eine Antwort in seiner Sprache – allerdings von einer singenden Skulptur – der entscheidende Wendepunkt in unserer Oper.

 

Welche Aufgabe fällt innerhalb des Werks der Musik zu?

Über das Verhältnis zwischen Text und Musik haben wir lange nachgedacht. Wir wollten keine Literaturoper im herkömmlichen Sinn kreieren, aber auch keine Verweigerung von Handlung zugunsten statischer Musikbilder. Es sollte etwas dazwischen sein, eine Schwebe zwischen Narration und Zuspitzung, zwischen Realismus und Absurdität. Die Musik muss die Textverständlichkeit des Librettos berücksichtigen, darf es aber auch mit Bedeutung aufladen, darf irreleiten, verführen und Nicht-Gesagtes andeuten. An einigen Stellen wird gesprochen, weil das Rezitativ in meiner Art des Komponierens keinen Platz hat. Neben den einzelnen Situationen werden auch die Figuren mit Hilfe der Musik charakterisiert, wobei ich mich, aber das geht wohl jedem Komponisten so, vor Klischeefallen zu hüten hatte. Wichtig ist mir allerdings, dass es in der Komposition auch einen Rest gibt, der sich nicht erklären lässt, etwas Unerwartetes, das uns fasziniert und fesselt.

 

Sie besitzen vor allem Erfahrungen auf dem Gebiet der Instrumentalmusik. Im Moment komponieren Sie ein Violinkonzert für das Lucerne Festival. Was muss man als Opernkomponist «anders» machen?

Meine Instrumentalmusik beruht im Grunde auf dramatischen Prinzipien; es geht immer um einen genau kalibrierten Spannungsaufbau. Auch ohne Text ist jede meiner Kompositionen ein kleines Drama. Gleichwohl muss man bei einer Oper anders vorgehen, weil ja die Szene mitzudenken ist. Die Musik darf sich da nicht nur an eigenen Gesetzmässigkeiten orientieren wie in einem Instrumentalwerk. Die dramatische Situation ist für die Vertonung entscheidend, aber auch sehr inspirierend für mich als Komponist. Daher habe ich bei der Entwicklung des Librettos tatkräftig mitgewirkt, mich mit Durs ständig in einem Klima des tiefen künstlerischen Vertrauens ausgetauscht. Es fing immer mit einer vagen Stimmung an, die wir dann zunehmend präzisierten. Für einige Bilder benötigte ich mehr Text, für andere weniger. Dabei kam mir die Fähigkeit von Durs, Wesentliches ganz knapp und poetisch pointiert zu sagen, ungemein entgegen. Für mich ist es uninteressant, einen fertigen Text zu bekommen, den ich dann vertonen soll. Ich brauche die Inspiration durch Ideen, Austausch und Zusammenarbeit. Dementsprechend ist das Libretto gleichzeitig mit der Musik entstanden.

PRESSESTIMMEN

Im Vergleich zu „Berenice“ hat Stauds musikdramatische Sprache jedoch merklich an Raffinesse gewonnen, eine vielschichte Klanglichkeit, die Howard Arman mit dem Luzerner Sinfonieorchester überzeugend herausarbeitet. So täuscht Staud in der Musik des Schlusses eine Wiederholung des Anfangs vor – um dann doch eine andere Wendung zu nehmen. Und die Rolle der Singenden Skulptur, die für die Freiheit der Kunst steht, übernimmt dieselbe Sängerin, die vorher die Geliebte des Chefs gemimt hat – Victors „antilopische“ Singweise aufgreifend. Dominique Mentha inszeniert die Oper als Fabel. Die Kostümbildnerin Ingrid Erb steckt die Firmenmitarbeiter in Tiermasken und elegante Abendgarderobe, von der sich Victors altmodischer Anzug deutlich abhebt. Das Bühnenbild von Werner Hutterli pendelt zwischen Realismus und Metapher: In der Zoo-Szene trennt ein Gitter die Tiere vom Betrachter – wobei offen bleibt, wer eigentlich der Gefangene ist. Doch Mentha moralisiert nicht, er zeigt das Geschehen als allegorische Komödie.

November 2014, Opernwelt

 

Die Wirkung des Werkes und wohl auch der ungewöhnlich einhellige Erfolg beim Publikum beruhen wesentlich auf dem originellen Text. Grünbein nämlich hat alles andere verfasst als eine zeitgeistige Gesellschaftsanalyse - sie bildet allenfalls die satirisch-amüsante Oberfläche des Geschehens. Darunter geht es um ernstere Dinge: um Sprachkritik, ums Nichtverstehen des Anderen, um die Sinnentleerung der Worte vor der Kunst und vor dem Leben. Grünbein wirft seinen Victor, Held und Antiheld zugleich, nach bester Fabeltradition mitten in ein Bestiarium. Victor selbst ist jene aufgescheuchte Antilope", wie es im Werkmotto von Henry Miller heißt, die schneller und schneller durch strahlend beleuchtete Avenuen" flieht, gejagt von Falken, Bären, Krokodilen, diesem und jenem Getier   kleinen und ganz großen Fischen. Deine Firma ist dein Aquarium", sagt einer von Victors Kollegen zu Beginn auf der Firmenfeier, die für ihn zum Albtraum wird. Abgründige Tiermetaphern bleiben auch später im Text präsent: Mal sucht eine Frau nach ihrer Katze und findet sie als Perserteppich auf den Straßenbahnschienen", mal fragt ein Passant nach Miezen" und meint die Tigerfrauen" eines Nachtclubs. (…) Der Bariton Todd Boyce bewegt sich wie ein Traumtänzer durch Grünbeins Wortkunstwelt, staunend, voller Skepsis, mit der tragikomischen Verzweiflung dessen, der unverstanden und nicht zu verstehen ist. Die Töne, die ihm Staud auf die Seele komponiert, sind kammermusikalisch introvertiert. In den Szenen mit der Firmenbelegschaft und im „Traumzeit"-Café öffnet sich das stilistische Spektrum. Hier greift Staud in karikierender Absicht zu verschiedenen Genres der Unterhaltungsmusik, von der Schnulze bis zum Tango. (…) Howard Arman, der das Luzerner Sinfonieorchester zuvor mit Lust an dramatischen Zuspitzungen durch Stauds Partitur geleitet hatte, macht aus diesem zart vergifteten Schluss etwas sehr Feines: Er entfaltet die jenseits der Sprache liegende Klangvision eines Auswegs, eines Lebens, das gelingt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. September 2014

 

So unterschiedlich wie die Bilder ist auch die Musik, die sich Staud dazu ausgedacht hat. Mit jeder Situation wechselt der diesjährige Composer-in-Residence des Lucerne Festival die Tonsprache, von der schmissigen Partymusik zum A-cappella-Chor, von den gezackten Linien der Avantgarde zum elektronischen Geräuschteppich, von vokalen Virtuosismen zum Sprechen. Saftig ist das, und saftig wird es präsentiert vom Dirigenten Howard Arman, einem höchst engagierten Vokalteam und dem Luzerner Sinfonieorchester. Man darf das als Plädoyer verstehen - denn neben vielem anderem ist das Stück auch eines über die Kunst. Gerade die zeitgenössische Musik spricht ja für ein breites Publikum ebenfalls Antilopisch. Und auch die moderne Skulptur, mit der Victor zuerst gar nichts anfangen kann, tut es. Ausser ihm versteht es wohl nur jene alte Frau, die zuvor einen Schlüsselsatz des Stücks geraunt hat: «Schön ist die Kunst - sie will nichts von mir.» Das wiederum kann man von dieser Oper nicht sagen. Sie will etwas, sogar ziemlich vieles. Nämlich: unterhalten, Fragen aufwerfen, Gesellschaftskritik üben, Sprachphilosophie betreiben und über alle Lücken hinweg doch auch eine Geschichte erzählen. Das funktioniert verblüffend gut, auch wenn der eklektische Ansatz die allerletzte Radikalität verhindert.

Tages-Anzeiger, 5. September 2014

 

Die Party am Anfang dieser Oper ist nicht nur öde, sie ist grauenhaft! Man muntert sich zwar gegenseitig auf aber im Grunde steckt man fest in Formen, Zwängen, einem Fröhlichkeits-Diktat. Das zeigt die Musik gleich zu Beginn, die zwar nach Fröhlichkeit giert mit Aufwärtskurven aber immer wieder verzweifelt abstürzt.  Einer mag nicht mitmachen bei alldem: Victor. „Sei locker Victor“, rufen die andern ihm zu. Er, scheu und unbeholfen, hebt an zu einem Gesang in einer Sprache die niemand versteht – rätselhaft und schön. Er lässt die anderen weiterfeiern, begibt sich zum Fenster und springt hinaus. Und nun beginnt die seltsame Reise von Victor. Eine Traumreise in fünf Bildern, der man als Zuschauerin gerne folgt. Erzählt in poetisch-süffiger Sprache, die der Komponist zusammen mit dem Lyriker Durs Grünbein parallel zur Musik entwickelt hat. Und auch diese Musik ist nicht hart oder sperrig. Sie ist farbig, spannend instrumentiert, sanft mit Elektronik angereichert und sehr arios die Gesangspassagen. (…) «Die Antilope» heisst diese neue Oper. Ein Tier, das ständig auf der Flucht ist. Es passt gut zum scheuen Protagonisten und auch die Musik von Johannes Maria Staud hat etwas flüchtiges. Man weiss nicht, wie lange sie nachhallen wird. Einige Fragen aber hallen nach, z.B. warum der Protagonist, Victor, dem Komponisten Staud so verblüffend ähnlich sieht. Schlank, blonde Haare, blonder Bart. Und warum er bloss wieder an diese Party muss, die er so mutig verlassen hat. Aber die Antilope wird weiter flüchten und vielleicht eines Tages am Sehnsuchtsort ankommen und dort bleiben. Ein schöner, zeitgenössisch, zeitgemässer Opernabend gestern in Luzern, der uns mit unserem Alltagsfrust und der möglich unmöglichen Flucht daraus konfrontiert.

Radio SRF2 Kultur, «Kultur kompakt», 4. September 2014

 

Nicht zum ersten mal übertrifft sich das Luzerner Sinfonieorchester selber bei der Interpretation von zeitgenössischer Musik. Dirigent Howard Arman hat eine im Detail äusserst präzise und hoch sinnliche Darbietung erarbeitet, wo sich voluminöse Streicher- und Blechklänge auftürmen ohne die Sänger zuzudecken, wo feine Übergänge zu den leisen Klängen einer gesampelten musique concrète gelingen, wo Atmosphäre spürbar wird, unheimliche, überhempelt lustige, zart innerliche. Brillant auch der von Mark Daver einstudierte Chor. Die meisten der Sängerinnen und Sänger agieren im Verlaufe des Stückes in verschiedenen kurzen Rollen, und das Erfreuliche ist, dass bei dieser Produktion auf Festwochenniveau fast alle Stellen mit Mitgliedern des eigenen Ensembles besetzt werden konnten. Genannt seien stellvertretend Szymon Chojnacki als präpotenter und stimmlich phänomenal wandelbarer Chef und intriganter Oberkellner, Carla Maffioletti, die sich als «Skulptur» in virtuosen Koloraturen ergeht und dabei ihren Kopf genau dort aus der Kulisse steckt, wo in der Skulptur, die sie darstellt, praktischerweise ein rundes Loch ausgespart wurde, oder Todd Boyce als sehr menschlicher, glaubwürdiger und mit seiner Sprachlosigkeit ringender Victor. (…) Hausherr Dominique Mentha inszeniert das Stück mit gelassener Meisterhand und ohne verblasene Ansprüche an Professionalität des Handwerks oder intellektuelle Durchdringung des Stoffes. Er holt auch den unvorbereitetsten seiner Zuschauer auf Augenhöhe ab und gibt sich kompromisslos in seinem eisernen Willen zur Redundanz. Die Regie trägt zur Versteifung flüssiger Dialogszenen und zur Vereindeutigung mehrschichtiger Aktionen alles bei, was in ihren grossen Kräften liegt. (…) So geht das, wenn man mitdenkt und sein Handwerk beherrscht. So geht das das ganze Stück hindurch.

www.kulturteil.ch, 4. September 2014

 

Dieser Opernabend im Luzerner Theater ist sehr stimmungsvoll. Die Musik lässt immer wieder Bilder im Kopf entstehen und unterstreicht Szenen – z.B. wenn der Chef der Firma an der Party seinen Auftritt hat. Das Ensemble des Luzerner Theaters singt und spielt ausnahmslos sehr gut. Theaterdirektor Dominique Mentha persönlich hat diese Uraufführung inszeniert. Er macht das unaufgeregt und auf den Punkt gebracht. Das Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Howard Arman hat eine anspruchsvolle Aufgabe und meistert diese bravurös. Das Orchester spielt präzise und dynamisch. Man spürt, dass von allen Seiten viel Herzblut in dieser Uraufführung steckt. Dies sorgt für einen schönen, gelungenen Opernabend.

Radio SRF1, 4. September 2014

 

Patronat:

Mit freundlicher Unterstützung der  Image preview