Der satanarchäolügenialko­höllische Wunschpunsch

Luzerner Theater

Der satanarchäolügenialko­höllische Wunschpunsch

Komische Oper in zwei Akten von Elisabeth Naske
Text von Theresita Colloredo, nach Michael Ende
In deutscher Sprache
Koproduktion mit der Oper Graz
Uraufführung
Premiere: 05. Juni 2014

Warum geht’s der Welt so schlecht? Das fragen sich wenigstens die Tiere, die unter verschmutzten Gewässern, verunreinigter Luft, absterbenden Wäldern und überdüngten Feldern leiden müssen. So gründen sie einen Hohen Rat zur Erforschung des Problems, dessen Ursache bald ausgemacht ist: die Schlechtigkeit des Menschen. Michael Ende schrieb 1989 über dieses ernste Thema ein ebenso humorvolles wie spannendes Kinderbuch, in dessen Mittelpunkt ein magisches Getränk steht: der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch.

Ein Zauberer und eine Hexe haben sich dem Teufel verschworen und müssen für ihre magischen Kräfte ein Jahrespensum an Umweltschäden erfüllen. Am Silvestertag erinnert sie ein Abgesandter der Hölle, dass sie mit ihren Pflichten im Verzug sind, und droht mit dem Schlimmsten. Beide können jedoch nicht frei agieren, weil sie – der Zauberer von einem Kater, die Hexe von einer Krähe – ausspioniert werden. Es gilt folglich, den Schein zu wahren. Da taucht ein altes Rezept zu einem magischen Getränk mit Umkehrwirkung auf: Man wünscht Gutes – und das gegenteilige Schlechte tritt ein. Die Rettung, denken die einen – eine Katastrophe, finden die anderen. Dann folgt ein Wettlauf aller mit der Zeit …

Die Einrichtung des Theaterstückes von Michael Ende als spritzige Opera buffa besorgte Theresita Colloredo, Elisabeth Naske zeichnet für die Vertonung verantwortlich – beide sind dem Luzerner Publikum bereits als Autorinnen der Kinder­oper «Die Rote Zora» in bester Erinnerung.

Vorstellungsdauer: 2 Stunden mit einer Pause

Kinder bis 16 Jahre 50 % Ermässigung.

 

Einführungen für Kinder
Um die jungen Besucherinnen und Besucher optimal auf den Opernbesuch einzustimmen, bietet das Luzerner Theater jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn eine spezielle Einführung für Kinder im Foyer des Luzerner Theaters an.

 

Wir danken für namhafte Unterstützung:

  • Artephila Stiftung
  • Alice Bucher-Stiftung Luzern
  • Arthur Waser Stiftung
  • Luzerner Jugendstiftung
  • Prof. Otto Beisheim-Stiftung
  • Stiftung Dr. Robert und Lina Thyll-Dürr

 

Hier geht es zu den Freizeitangeboten für Familien und den Theatervermittlungsangeboten für Schulgruppen. 

Empfohlen ab 8 Jahren

GESPRÄCH

EIN KINDERBUCH ALS OPERA BUFFA

Elisabeth Naske im Gespräch mit Christian Kipper

 Du hast auf der Suche nach einem geeigneten Stoff für eine Kinderoper das Buch von Michael Ende vorgeschlagen. Warum gerade diese Geschichte?

Die Idee zur Vertonung dieses Buchs trage ich schon lange mit mir herum, weil mich seine Geschichte sofort musikalisch inspiriert hat. Schon das Zauberkabinett eröffnet eine ganz eigene Klangwelt, dazu gibt es vier starke Charaktere, die viel musikalisches Potenzial besitzen, und eine sehr spannende Handlung: beste Voraussetzungen also für eine musiktheatralische Umsetzung.

Was kann bei dieser Geschichte die Musik als zusätzlicher Parameter leisten?

Die Musik soll ja immer mehr und kann mitunter auch anderes erzählen als der vertonte Text. Das bietet sich gerade bei diesem Stück an, denn seine Dramaturgie beruht ja gerade auf dem eklatanten Widerspruch von Sein und Schein, ein Widerspruch, der sich in der Wirkung des Wunschpunsches exemplarisch verdichtet. Die beiden Parteien täuschen sich gegenseitig in ihren geheimen Plänen und Aktionen. Genau da kann die Musik ansetzen und Nichtausgesprochenes subtil und witzig verdeutlichen.

 Im Original besteht das Tierpaar aus einem Raben und einem Kater. In der Oper wurde aus dem Raben eine Krähe. Warum?

Aus Jakob Krakel wurde Krista Krakel, weil wir zur Ausgeglichenheit des Ensembles eine zweite weibliche Stimme benötigten. Auch dramaturgisch ist es schön, wenn dem «bösen Paar» eine «gutes Paar» gegenübersteht. Und in den Duetten zwischen Krista und Maurizio, aber auch in den anderen Ensemblenummern, habe ich durch den Kontrast der beiden Stimmen musikalisch ein breiteres Feld.

Wie werden die beiden Tiere musikalisch charakterisiert?

Maurizio ist einerseits durch den Klagegesang des Englischhorns charakterisiert. Er ist im Haus des Zauberers fett und bequem geworden und trauert seiner versäumten Karriere als Heldentenor nach. Andrerseits betont er immer seine adelige Herkunft, die sich musikalisch in strengen klassischen Wendungen und Harmonien widerspiegelt. Krista hingegen kommt aus einem eher heruntergekommenen Milieu. Sie ist zwar nicht so wohlerzogen, dafür aber kennt sie die Welt, ist blitzgescheit und durchschaut die Machenschaften der Zauberer. Ich habe sie musikalisch mit Blues-Harmonien charakterisiert, Woodblocks und dissonante Streicher-Pizzicati stehen für ihr wortgewandtes «Zurückschnabeln». Damit steht sie im krassen Gegensatz zu Maurizio, was wunderbare Möglichkeiten des musikalischen Schlagabtausches in ihren Dialogen eröffnet.

Tyrannja und Irrwitzer sind die beiden bösen Figuren, sie eine Hexe, er ein Zauberer. Unterscheiden Sie sich? Auch musikalisch?

Ja, denn sie zeichnen sich ja nicht nur durch die Bösartigkeit aus, die ihnen gemeinsam ist. Tyrannja ist eine Geldhexe, es liegt ihr folglich vor allem an materiellen Werten. Ausserdem ist sie alt und fett. Musikalisch habe ich ihr Flöte und Piccolo im Abstand einer kleinen None, also sehr dissonant, und gleichzeitig die Tuba als Bassinstrument zugeordnet: ein Bild für ihre Leibesfülle und ihr schrilles Auftreten. Irrwitzer fällt äusserlich weniger auf. Er ist durch und durch bösartig, aber auch nervös und unsicher. Ihn begleiten charakteristische dissonante Harmonien in spezifischen Klangfarben, zu welchen auch ein – hoffentlich – möglichst verstimmtes Klavier gehört.

Nun gibt es noch einen weiteren extremen Kontrast: Himmel und Hölle vertreten durch St. Sylvester und Maledictus Made. Wie klingt dieser Gegensatz?

Made, der Höllenbote, und Sylvester werden ironischerweise von ein und demselben Sänger dargestellt, aber sie bilden natürlich den grössten Kontrast. Während sich der heilige Sylvester philosophierend in gregorianischem Kirchengesang mit Orgelbegleitung ausdrückt, was vor allem im Terzett mit Krista und Maurizio zu einer unterhaltsamen Überschneidung und Mischung der musikalischen Mittel führt, repräsentiert Made einen schmierigen Höllenboten, der ja nur am Anfang im Labor des Zauberers erscheint, um diesen an die Erfüllung seines Plansolls an Umweltschäden zu erinnern. Made lässt Irrwitzer in einer überlegenen Position die eigene Macht spüren. Er droht ihm klanggewaltig mit Höllenstrafen, während Irrwitzer Ausflüchte und Entschuldigungen sucht.

Welche Szene hat beim Komponieren am meisten Spass gemacht, wo gab’s die grössten Schwierigkeiten?

Es gibt einige Szenen, die mich schon beim Vertonen köstlich amüsiert habe. Wenn zum Beispiel Maurizio den bösen Zauberer mit grossem Pathos als Wohltäter für die Menschheit besingt. Oder wenn Maurizio und Krista den heiligen Sylvester überreden wollen ihnen zu helfen, dieser allerdings über das Wesen des Bösen philosophiert und ihr Anliegen nicht versteht. Grundsätzlich schwer ist es, Gefühle wie Liebe oder Anerkennung ganz ohne Ironie musikalisch auszudrücken, ohne in Kitsch abzudriften oder in Klischees zu verfallen. Die ehrliche Umsetzung tiefer positiver Gefühle in der zeitgenössischen Musik halte ich überhaupt für eine der grössten Herausforderungen – nicht nur in meiner eigenen Musik. Insofern stellte mich die Schlussnummer, in der Maurizio, nun endlich in einen Tenor mit wunderbarer Stimme verwandelt, Krista in einem tief empfundenen Dankes- und Abschiedslied besingt, vor eine schwierige Aufgabe.

 

PRESSESTIMMEN

Es ist ein vielseitiger Stoff. Die Österreicherin Elisabeth Naske hat dazu in 1,5 Jahren eine vielseitige Musik komponiert. Die Handlung inspirierte sie zu einem musikalischen Stilmix: Ich suche mir das nicht bewusst aus. Ich folge dem Stoff, dieser gibt mir viel Stilistik vor. In diesem Fall ist es viel Hexenküche und sehr viel lautmalerisches und klangmalerisches, welches weder Oper noch Musical noch sonst was ist - ich nenne es gerne Musiktheater und damit schliesse ich alle Stile ein. Die Krähe klingt beispielsweise jazzig, der heilige Silvester auf dem Glockenturm philosophisch und die Hexe und der Zauberer sogar mal psychedelisch. Die Oper ist kurzweilig und die knapp zwei Stunden sind schnell vorbei. Das Luzerner Theater bringt damit wieder einmal eine aufwändige Produktion auf die Bühne. Vor allem für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene.

(SRF1 Regionaljournal, 5. Juni 2014)

 

Die Cellistin und Komponistin Elisabeth Naske hat den Stoff über den Wunschpunsch nun zu einer Oper geformt. Das Luzerner Theater zeigt das Singspiel als Uraufführung auf seiner Bühne. Bewusst hat Naske das Spiel für Kinder und Erwachsene ausgelegt. Vorallem für junge Augen und Ohren bietet das Spektakel viel. Die Geschichte ist lebendig, die Figuren sind schrill. Auf witzige Art und Weise werden ökologische Themen eingeflochten. Diese Spritzigkeit überträgt Naske in die Musik, ein unterhaltsames, ja kunterbuntes Gemisch von Alt und Neu. Zwar kommen durchaus Dissonanzen vor. Sie sind jedoch weniger einer musikalischen Grundhaltung geschuldet als vielmehr passend auf die Handlung komponiert - eingesetzt, wenn Spannung und Bedrohlichkeit sich verdichten. Hervorragend ist etwa die Zeichnung der vierten Dimension. Das Undeutbare wird hier in starke Töne gesetzt. Sonst spielt die Komposition viel mit Zitaten und Stilen. Der feierliche Sermon des St. Sylvester (ausgezeichnet: Flurin Caduff) wird mit Anklängen an Parsifal untermalt, seine Texte singt er in gregorianischer Tradition. Das Duett von Zauberer und Maldictus, Abgesandter der Hölle, könnte auch aus der Zeit des italienischen Verismo stammen. Die Krähe singt jazzig-burlesk, von einer swingenden Regula Schneider an der Klarinette begleitet. Der dicke Kater betrauert seine Dummheit in Gospelform und verwandelt sich zu den Klän gen der 21st Century Fanfare zur jungen Schmusekatze. Dass dies meist nicht einfach plump daherkommt, dafür sorgen Unterbrechungen, starke Rhythmen, aufbrechende Dissonanzen oder spannende Instrumentenkombinationen. Auch die Inszenierung    (Dominique    Mentha), Bühnenbild (Werner Hutterli) und Kostüme (Susanne Boner) folgen dieser Vielfalt. Der Zauberpunsch dampft, die Haare funkeln, ein Schneesturm tobt - es ist immer was los auf der Bühne.

(Neue Luzerner Zeitung, 7. Juni 2014)