La Traviata

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Luzerner Theater

La Traviata

Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi
Text von Francesco Maria Piave, nach Alexandre Dumas Sohn
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere: 12. Januar 2013

1844 lernt der Sohn des angesehenen Schriftstellers Alexandre Dumas die berühmte Kurtisane Marie Duplessis kennen und lieben. Da ihm die finanziellen Mittel fehlen, seiner Beziehung Exklusivität zu sichern, trennt er sich bald wieder und geht mit seinem Vater auf Reisen. Als er zurückkehrt, ist die Kurtisane an Tuberkulose gestorben. Sogleich schreibt Alexandre Dumas Sohn den Roman «La Dame aux camélias», in dem er seine kurze Liaison so erzählt, wie er sie gerne erlebt hätte. Kaum ist das Werk vollendet, arbeitet er es zu einem Theaterstück um, das zu einem beispiellosen Erfolg gerät – und auch Giuseppe Verdi begeistert.

Eine bereits von Krankheit gezeichnete Edelkurtisane verliebt sich in einen jungen mittellosen Verehrer. Sie gibt ihr Luxusdasein auf und versucht ein bürgerliches Leben in Zurückgezogenheit an der Seite des Geliebten. Dann kommt dessen Vater und hält ihr die Unmöglichkeit dieser Liaison vor Augen: Das Glück der gesamten Familie steht in Frage durch die Schatten, die ihre Vergangenheit wirft. So opfert sich die Gefallene für den Geliebten und kehrt zu ihrer früheren Existenz zurück. Doch wieder holt sie das Gewesene ein …

Verdi fand in diesem Stoff all das, was eine gute Belcanto-Oper ausmacht: prägnante Situationen, existenzielle Krisen, extreme Affekte und vor allem – eine Primadonna im Ausnahmezustand. Für das psychologisch ausdifferenzierte Kammerspiel schrieb er ebenso klar konturierte wie hoch expressive Melodien, die, ganz auf den dramatischen Moment hin zugeschnitten, trotz des Rückgriffs auf tradierte Formschemata die Meisterwerke seiner Vorgänger wie Vincenzo Bellini und Gaetano Donizetti an wirkungsmächtiger Unmittelbarkeit weit übertreffen. Das radikal Neue aber: Die Titelfigur als unschuldiges Opfer gesellschaftlicher Zwänge kommt nicht aus einer historischen Ferne, sondern aus der Gegenwart des Uraufführungspublikums.
 

 

Theatermenu im Restaurant 1871 Luzern

Lassen Sie sich als Einstimmung auf unsere Italienische Oper «La Traviata» kulinarisch verwöhnen! Unser Gourmet-Partner Restaurant 1871 serviert Ihnen von Montag bis Samstag sowie Sonntagabend ein passendes 3-Gang-Menu: VORSPEISE – VIOLETTA (Randensuppe mit Black Tiger Riesencrevetten, Jakobsmuscheln und Zitronen-Wolken) ** HAUPTGANG – ALFREDO (Involtini vom RUSMU Beef auf Kartoffelschnee und gebratener Rosenkohl) ** DESSERT – BARON DOUPHOL (Kokosnussparfait und Schokoladenküchlein mit Cassismousse). Am Sonntagmittag kommen Sie in den Genuss eines ausgiebigen Brunches. 3-Gang-Menu inkl. Transfer mit Taxi Hess vor Luzerner Theater: CHF 65.– pro Person. Brunch inkl. Taxi-Transfer: CHF 49.–. Der Tisch ist 2 Stunden vor Vorstellungsbeginn für Sie reserviert. Buchen Sie Ihren Restaurantbesuch an unserer Theaterkasse oder online zusammen mit Ihrer Theaterkarte. 

GESPRÄCH

TRAUER IM TRUBEL

Der Regisseur Lorenzo Fioroni im Gespräch mit Christian Kipper

Der Skandal bei der Uraufführung des Werks lag darin, dass Verdi damit seine eigene Zeit abbildete. Heute ist jedoch auch diese Zeit Geschichte. Inwiefern kann der Stoff noch in unsere Gegenwart hineinreichen?

Hier geht es um die geschichtlich nicht datierbare Dringlichkeit eines Sujets, deswegen sind auch Epochenfragen eher irrelevant: Einsamkeit, obwohl man dauernd unter Menschen ist. Zeitweise drehen sich hier alle Schräubchen und Motörchen des gezeigten Universums bis zum Irrsinn, alle wollen etwas abkriegen vom Kuchen des Lebens und es wird endlos geplappert. Und was bleibt? «Sola! Abbandonata!» – «Einsam und verlassen». Das sind die Worte, mit denen sich Violetta Valéry selbst beschreibt.

Eine Kurtisane verliebt sich und versucht ein bürgerliches Leben. Dann muss sie für die Familie des Geliebten ihr eigenes Glück opfern. Ein wichtiger Moment, nur wie erklärt er sich? Welche Gründe führen zu Violettas selbstlosen Entschluss?

Ein selbstloser Entschluss? Für mich eher die Einsicht in die Unmöglichkeit eines zu grossen Gefühls. Befremdlich schnell lässt sich Violetta ein auf die Forderung Giorgio Germonts, seinen Sohn aus moralischen Gründen zu verlassen. Als ob sie bisher darauf geachtet hätte! Mir scheint, als exerziere Violetta am eigenen Leib ein Liebesmartyrium, das eine lebbare Liebe gar nicht erlaubt. Auch begreift sie in diesem Moment, dass sie immer als ein Objekt, als ein allzeit verfügbarer Gegenstand, behandelt wurde und aus dieser Situation nicht herauskommen kann. Umgekehrt erlebt sie im Leiden an einer unmöglichen Liebe eine Verwandlung: Aus der Oberflächlichkeit einer püppchenhaften Existenz findet sie zu ihrer eigenen inneren Wahrheit.

Violetta macht eine grosse Entwicklung durch: Sie beginnt als unreflektierte, genusssüchtige Lebedame, wird durch Liebe zu einem empfindsamen Menschen und stirbt als Heldin, indem sie sich für andere opfert. An dem Ende ist viel gedeutet, auch geändert worden. Wie blickt die Luzerner Inszenierung auf Violettas «Heldentod»?

Ich denke, die in der Frage vorgenommene Einteilung der Violetta in Verhaltens- und Charakterisierungstypisierungen sind insofern Thema für Violetta, als sie diese Abziehbilder, die man ihr anheftet, hinter sich lässt. Dies ihr Glück, und dies ihr Leid: Sie hört auf, ihre Krankheit wegzudrücken, wie sie es mit ihrer zu Beginn fast infantilen guten Laune tut, sondern sie nimmt sie an, verstärkt und beschleunigt sie vielleicht noch, indem sie sich unbedingt und bedingungslos diesem anderen Fieber einer unmöglichen Liebe ausliefert. «Die Lungenwunde ist nur ein Sinnbild, Sinnbild einer emotionalen Wunde», hat Franz Kafka über seine eigene Tuberkuloseerkrankung notiert. Aber dennoch und auch wieder ganz schlicht: Am Schluss nimmt sie das Unabwendbare an. Sie ist krank, sie weiss, dass sie stirbt, und tut es auch. Umgeben von vielen und doch allein, einsam – deswegen wohl keine Heldin, sondern ein realistischer Mensch.

Wie sieht es mit der Gegenfigur Alfredo aus? Tatsächlich die Option für ein neues Leben?

Alfredo hat Interesse an ihr, wenn er sie in ihrem Milieu der Dauerparty und Belustigung trifft, sie (noch) nicht viel mehr ist als das luxuriöseste «Dekor» im Raum. Sein Liebeswerben scheint wahr zu sein in diesem Moment, ohne dass man das Gefühl hat, er wisse wirklich, wovon er da eigentlich spricht. Später dann, wenn sich Violetta ihm unverstellt zeigt mit ihren Ängsten, Schwächen, Verletzbarkeiten, ja auch ihrer Krankheit, scheint es ihn weniger zu betreffen, er spricht immer mehr nur noch von sich, seinem Leiden, seiner Ehre etc. Sein grosses Thema ist dementsprechend der Konflikt mit seinem Vater, der ihn konsequent wie einen kleinen Bub behandelt, ohne dass er dem etwas entgegen zu setzen hätte. Alfredos etwas unbeholfenes, deswegen authentisches Verhalten in ihrer ersten Begegnung mag der Grund für Violetta sein, in ihn alle ihre Wünsche und Sehnsüchte hineinzuprojizieren – im Umfeld von reibungslos funktionierenden Vergnügungs- und Betriebsamkeitsmaschinen. So jemanden hat sie so davor noch nicht erlebt.

«La Traviata» wird von Verächtern des Belcanto als «Leierkastenmusik» oder als «Leiden im ¾-Takt» geschmäht. Passt die Musik für heutige Ohren zu dem, was sie erzählen will? Muss man sich als Regisseur darüber Gedanken machen? Kann man das kreativ nutzen?

Es gibt bei Verdi alles. Die Ouvertüre, von gläserner, fragiler Transparenz, einem Röntgenbild vergleichbar, nimmt das Todesmotiv des dritten Aktes vorweg und suggeriert somit von Anfang an den fatalen Ausgang. Die Sekundreibungen offenbaren bereits hier den schmerzhaften Konflikt, der in Violetta gärt. Der Komponist liefert folglich eine musikalische Seelenbeschreibung, eine Reise ins Innere von Violetta Valéry. Das ist psychoanalytische Musik. Der Lärm, das Blasmusikgeplärre bildet dazu den grössten Gegensatz, der genauso kalkuliert eingesetzt wird. Das wiederum ist «maskierte» Musik: Gerade weil sie zum Teil in Handlungsmomenten von grosser Tragik gnadenlos weiterspult, hat sie als Kontrastfolie eine ungeheure theatrale Wirkung. Konkret wichtig ist mir auch, das komische Potential solcher Musik und der Ästhetik Verdis herauszuholen, die da und dort durchaus Comic und Kasperle nahesteht. Verdi war nicht der Erste aber vielleicht einer der Grössten, die begriffen haben, dass man im lauten Gelächter und der grellen Travestie manchmal mehr über das menschliche Leid und über emotionale Randbezirke erfahren kann als in ausformuliertem Pathos.

PRESSESTIMMEN

«James Gaffigan gelingt es, etwa in der grossen Auseinandersetzung zwischen Violetta und Germont, ausgezeichnet, die Spannung durch den Wechsel von Drängen und Verweilen aufzubauen. (…) Das Provokative von Fioronis Inszenierung liegt nicht in den angedeuteten sexuellen Handlungen im Salon, sondern in der Umdeutung der Titelfigur. Bei ihm erfährt Violetta ihre Befreiung nicht durch die Liebe zu Alfredo, sondern dadurch, dass sie sowohl ihre Maske der Kurtisane als auch die der treu einem Mann ergebenen Liebenden abstreift. (…) Svetlana Doneva, seit dieser Saison Ensemblemitglied am Luzerner Theater, spielt und singt die Hauptrolle der Violetta ausgezeichnet. Wie sie sich von der unsympathischen Kurtisane zur befreiten Frau wandelt, ist grossartig. Und wie sie ihre modulationsreiche Sopranstimme sowohl für grosse Gefühlsausbrüche wie für feinste Regungen einsetzen kann, beeindruckt von Anfang an. (…) Über einen beneidenswert flexiblen Bariton verfügt der Amerikaner Todd Boyce als Giorgio Germont. Er trägt eine Blindenbrille, hat nur die Ehre seiner Familie im Kopf und ist blind für die Seelennöte seines Sohnes.»
Neue Zürcher Zeitung, 14. Januar 2013

«Voraussetzung, dass diese Oper zum Hörgenuss wird ist natürlich, dass man gute Sängerinnen und Sänger hat. Und das Luzerner Theater hat dies. Was Carlo Jung-Heyk Cho als Alfredo und vor allem Svetlana Doneva als Violetta und Todd Boyce als Vater von Alfredo abliefern, das ist toll. Unterstützt vom Luzerner Sinfonieorchester, welches akzentuiert und dynamisch spielt. (…) ‹La Traviata› am Luzerner Theater ist keine traditionelle Inszenierung von dem berühmten Stoff. Sie hat Ecken und Kanten. Es kann sein, dass dies nicht allen gefallen wird. Trotzdem, es ist eine spannende, sehenswerte Aufführung und das Wichtigste, die musikalische Leistung, ist durchs Band hindurch wirklich sehr überzeugend.»
Radio SRF 1, 13. Januar 2013

«Carlo Jung-Heyk Cho als Alfredo macht das ganz wunderbar, setzt sein kerniges, apartes Timbre mit viel Schmelz ein, kann dann aber im Verlauf der Oper auch wutentbrannt auftrumpfen. (…) Svetlana Doneva als Violetta verfügt über eine facettenreiche, ungemein ausdrucksstarke Stimme, setzt ihr üppiges Timbre effektvoll ein und verfügt ebenso über wunderschön verklingende Piani. Von ihr wird darstellerisch alles abverlangt und sie stürzt sich mit Vehemenz in die Rolle (…) Vater Germont (sehr schön und mit viel Wärme und Schlichtheit gesungen von Todd Boyce) tritt stets mit Koffer auf, ein Reisender in Sachen Moral, halbblind tastet er sich über die Bühne, gleicht einem Eremiten (…) Auch wenn einige Fragezeichen bleiben, diese Luzerner TRAVIATA vermag Interesse zu wecken, bleibt spannend und erfüllt Giuseppe Verdis Meisterwerk musikalisch (auch dank James Gaffigans umsichtigem Dirigat und dem prägnant singenden Chor des Luzerner Theaters) mit praller Sinnlichkeit und Sensibilität, bringt den dem Werk immanenten Kontrast von croce und delizia, von gioia und dolore zu plastischer Wirkung.»
oper-aktuell.info, 12. Januar 2013

« Damit fokussiert sich das eigentliche Gefühlsdrama auf eine einzige Person: die Violetta von Svetlana Doneva. Wie sie die Titelrolle singt und verkörpert, ist freilich grosse Klasse (…) Dann aber überwältigt die aus Bulgarien stammende Sopranistin ebenso mit entspannt strömendem grossem Ton wie einer bis ins Pianissimo hinein atemberaubend gestalteten Intensität: ein Ereignis. Akzentuiert wird diese Vermenschlichung einer Kunstfigur zum einen durch die musikalische Gestaltung durch das Luzerner Sinfonieorchester unter James Gaffigan, das in den Chorszenen aggressiv auftrumpft und doch viele kammermusikalische Feinheiten zeigt.» 
Neue Luzerner Zeitung, 14. Januar 2013 

«Am Pult des Luzerner Sinfonieorchesters stand dessen US-Chefdirigent James Gaffigan. Oper dirigiert er zwar selten, aber das war in keinem Moment zu hören. Im Gegenteil: Die Vertrautheit mit den Orchestermusikern führte zu einer sehr hohen Präzision und Prägnanz, einer dynamischen und rhythmischen Disziplin, die man gerne öfters hören würde. Auch die Koordination mit der Bühne gelang ihm mühelos, und seine rhythmisch prägnante, in den Tempi stringente, in der Lautstärke aber meist vorbildlich zurückhaltende Gangart führten zu einem Verdi-Klangbild, das nicht nur der Partitur in vollem Umfang gerecht wurde, sondern auch den Sängern alle Gestaltungsvarianten öffnete. Diese Möglichkeiten nutzten sie: US-Bariton Todd Boyce zeigte als Giorgio Germont alle Facetten dieser Figur mit seiner runden, agilen Stimme So auch der Koreaner Carlo Jung-Heyk Cho als Alfredo, der tragische Liebhaber Violettas. Beeindruckend, wie er immer wieder seinen Piano-Tenor aufblühen liess und die Strahlkraft seiner warmen Stimme dosiert, dafür umso bewegender einsetzte. Bei Svetlana Doneva in der Titelrolle gefielen ebenfalls die zarten, immer wieder eingestreuten Piano-Töne. Energie und Strahlkraft hatte ihr Forte (…) ihrer Figur gab die Bulgarin, gepaart mit einer schauspielerisch fulminanten Leistung, starke Präsenz und eine Intensität, die nie zu wünschen übrig liess.»
Die Südostschweiz, 15. Januar 2013 

«Im kleinen Theater wird grossartig gesungen (allen voran Svetlana Doneva) und unter der Leitung von James Gaffigan famos musiziert. Die Geschichte wird (…) von Lorenzo Fioroni kreativ und mutig, aber doch nahe am Text erzählt.»
Aargauer Zeitung, 5. Februar 2013 

 

Produktionspatronat:

    

Theaterclub Luzern

 

Medienpartner: Zentralschweizer Fernsehen Tele 1

 

Wir danken unseren Partnern der italienischen Opernspielzeit:

Camera di Commercio Italiana per la Svizzera

Italienisches Generalkonsulat Zürich